Europäische Wall Street : Merz weiß mit der Super-Börse zu überraschen

Friedrich Merz fordert eine „europäische Wall Street“. Die Idee entfacht eine Standortdebatte zwischen Frankfurt, Paris und anderen Metropolen.
Eins muss man Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) lassen: Er weiß zu überraschen. Seine Forderung nach einer „europäischen Wall Street“, einer Superbörse, die den Kapitalmarkt in der Wirtschaftsgemeinschaft attraktiver machen soll, kam aus dem Nichts. Abgesprochen mit seinem Vizekanzler und Koalitionspartner Lars Klingbeil (SPD) war sie wohl nicht.
Dabei ist die Idee von Merz ja grundsätzlich richtig. Aber: Jede Diskussion um eine „Super-Börse“ löst eben auch eine Standortdiskussion aus. Frankfurt, Sitz des größten europäischen Börsenbetreibers, Paris oder am Ende doch Amsterdam oder Mailand? Die Euronext in Paris hat schon mal die Hand gehoben.
Das hätte Merz bewusst sein müssen, hat er sich doch auch bei einer möglichen Übernahme der Commerzbank durch die italienische Unicredit klar politisch positioniert. Vor der Super-Börse ließen sich andere Dinge angehen, um den Kontinent attraktiver für Investoren zu machen. Dazu gehört auch die Reflexion, ob es richtig war, der Deutschen Börse 2017 die Übernahme der London Stock Exchange durch die EU-Kommission zu untersagen.






