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Kriminalität : Vorsicht, die Wein-Räuber gehen um!

Ein Blick auf ein Weinfach in der Winebank in Frankfurt Bild: Daniel Vogl

Einbrecher plündern Weinkeller und verkaufen die teuersten Flaschen auf dem Schwarzmarkt. Auch der DFB-Präsident Fritz Keller gehört schon zu den Leidtragenden. Dahinter steckt die „Wein-Mafia“.

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          Es herrscht Lockdown in Deutschland, und wie alle gastronomischen Betriebe darf auch das Landhotel Kronenschlösschen im Rheingau keine Gäste empfangen. Diejenigen, die trotzdem kommen, sind ungebeten und erscheinen in tiefer Nacht. Sie brechen drei Stahltüren auf, bei der letzten reißen sie auch das elektronische Tastensystem aus der Wand und verschaffen sich so Zutritt zum Weinkeller, der zu den besten Deutschlands gehört. Das Angebot ist erlesen, aus rund 16.000 Flaschen können Gourmets wählen. Die Einbrecher haben es nur auf einen kleinen Teil abgesehen. Wie die Hotelbesitzer Hans Burkhard Ullrich und seine Tochter Johanna Bachstädt einige Tage nach dem ersten Schreck feststellen, fehlen 216 Flaschen aus den besten französischen Weingütern. Der Verlust ist immens, der Handelswert der Weine beträgt 243.000 Euro.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Für die Hoteliers und die Polizei ist die Sache schnell klar: Was in der Nacht vom 13. auf den 14. Januar geschah, war ein Auftragseinbruch. Offenbar hat ein Weinkenner ein paar Kriminelle angeheuert und ihnen eine Wunschliste mit auf den Weg zum Kronenschlösschen gegeben. Und zwar mit Markennamen aus Burgund und Bordeaux, die den Genießern von Alltagsweinen vermutlich nicht viel sagen, aber Feinschmecker mit der Zunge schnalzen lassen: beispielsweise Pétrus, Lafite, Latour, Château Mouton, Pinot Noirs der Domaine Romanée-Conti und eine Flasche Château d’Yquem von 1921. Die teuerste Flasche ist rund 18.000 Euro wert. Dazu einige Champagner gestohlen, etwa Roederer Cristal und Dom Perignon. „Offenbar hatten die Diebe den Auftrag, nach bestimmten Markennamen zu suchen, denn andere sehr wertvolle Weine haben sie gar nicht angerührt“, sagt Ullrich. Links liegen ließen sie unter anderem berühmte italienischen Weine und teuren Riesling aus dem Rheingau.

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