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Kreditwürdigkeit : S&P stuft Kreditwürdigkeit von Banken in Österreich herab

S&P stuft Hypo Alpe Adria, Raiffeisen und Erste Bank in Österreich herab Bild: dpa

Das Vertrauen in die gute Bonität der österreichischen Banken gerät immer mehr ins Wanken. Jetzt hat die Ratingagentur S&P die Kreditwürdigkeit der drei größten Geldhäuser herabgestuft.

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          Das Vertrauen in die gute Bonität der österreichischen Banken gerät immer mehr ins Wanken. Ob der Staat die drei Großbanken Erste Group, Raiffeisen und Bank Austria in einer Schieflage stützen würde, sei zunehmend ungewiss, urteilte die Ratingagentur Standard & Poor’s am Donnerstag. Deshalb hat S&P jetzt ihre Bonitätsnoten für diese drei größten österreichischen Institute jeweils um eine Stufe verringert. Damit steigen für diese Großbanken die Zinskosten, wenn sie Anleihen am Kapitalmarkt verkaufen wollen.

          Hanno Mußler
          (ham.), Finanzen, Wirtschaft

          Bislang hat S&P die aus eigener Kraft erreichte Bonitätsnote bei systemrelevanten Banken um zwei Stufen aufgewertet. Dahinter steht das Argument, Gläubiger dieser großen und miteinander eng verwobenen Banken könnten erwarten, dass der Staat aus Angst vor Turbulenzen am Kapitalmarkt diese Häuser in der Not rettet. Nun hält S&P bei systemrelevanten österreichischen Banken nur noch eine um eine Stufe höherere Bonitätsnote für angemessen.

          Sondergesetz für Skandalbank Hypo Alpe Adria

          Der Vorteil aus der sogenannten impliziten Staatsgarantie hat sich also für die österreichischen Banken halbiert. Zudem bleibt der Ausblick von S&P auf die Kreditwürdigkeit der drei österreichischen Großbanken „negativ“.

          Der Grund für den angekratzten Glauben in die Bankenrettungsbereitschaft des österreichischen Staates ist ein neues Sondergesetz für die Skandalbank Hypo Alpe Adria. Demnach zahlt die Bank Schulden nicht zurück, die von dem österreichischen Bundesland Kärnten garantiert sind. Der Schuldenschnitt betrifft, wie berichtet, nachrangige Gläubiger, die Hypo-Papiere im Wert von 890 Millionen Euro halten. Auch die frühere Hypo-Muttergesellschaft Bayern LB soll nach dem Sondergesetz einen „Sanierungsbeitrag“ von 800 Millionen Euro leisten. Die Bayerische Landesbank wehrt sich gegen den Schuldenschnitt ebenso wie mehrere deutsche Fonds und Vermögensverwalter, darunter die Deutsche Bank.

          Auch Moody's stuft österreichische Banken herab

          Angesichts der Gesamtverluste – Österreich hat bereits mehr als 4 Milliarden Euro in die 2009 notverstaatlichte Hypo Alpe Adria gesteckt und mindestens weitere 4 Milliarden Euro werden bei der weiteren Abwicklung erwartet – stellt der Schuldenschnitt einen relativ kleinen Beitrag dar. Der damit bei Anlegern eingetretene Vertrauensschaden trifft aber alle österreichischen Banken. Erste Bank und Raiffeisen haben aus Sicht von S&P nun noch eine langfristige Kreditwürdigkeit, die „A-“ als Note verdient. Das ist im internationalen Vergleich nicht schlecht. Dieselbe Note hat S&P der Commerzbank gegeben, die Deutsche Bank wird mit „A“ eine Stufe besser eingeschätzt.

          Allerdings gibt es in Österreich unter den Banken größere Sorgenkinder als die Erste Bank und die Raiffeisen Zentralbank, die mit Sparkassen und Genossenschaftsbanken recht solide Eigentümer haben. Die neben S&P ebenso wichtige Ratingagentur Moody’s hat vor kurzem die Bewertung der teilverstaatlichten Österreichischen Volksbanken AG (ÖVAG) um zwei Stufen auf „Ba3“ herabgesetzt. Für eine bessere Bonität verlangte Moody’s eine Zufuhr von Eigenkapital und eine Verringerung der Risiken. Die ÖVAG gilt als Wackelkandidat im anstehenden Stresstest der Europäischen Zentralbank. Den österreichischen Banken könnte darin zu schaffen machen, dass viele von ihnen in osteuropäischen Ländern wie Ukraine, Russland und Ungarn stark engagiert sind.

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