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Mittelstandsanleihe : Singulus-Anleihe erscheint marktüblich bewertet

  • Aktualisiert am

Immer noch ein Hoffnungs(daten)träger für Singulus Bild: dpa

Der Maschinenbauer Singulus ist als Tec-Dax-Mitglied vertraut. Die besten Zeiten des Unternehmens aber sind lang vorbei. Das erklärt den hohen Kupon der Debüt-Anleihe.

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          Eigentlich hätten die Anleger eine gute Woche Zeit gehabt, die erste Anleihe des Maschinenbauers Singulus zu zeichnen. Doch sie waren so begierig dies zu tun, dass die Zeichnung schon am ersten Tag nach wenigen Stunden geschlossen wurde, weil das Anleihevolumen von 60 Millionen Euro bei einem Kupon von 7,75 Prozent und einer Laufzeit von fünf Jahren vollständig plaziert war.

          Das Unternehmen, das Beschichtungsanlagen für optische Medien, für Dünnschicht-Solarzellen und Halbleiter baut, war einer der Pioniere des Neuen Marktes und des Auswahlindex’ Nemax 50. Seit dessen Ende im Jahr 2003 ist Singulus im TecDax gelistet.

          Beste Zeiten lang vorbei

          Die besten Zeiten des Unternehmens sind allerdings ebenso Vergangenheit wie der Neue Markt. Der Umsatz betrug 2010 rund 118 Millionen Euro und lag damit noch leicht über dem des Vorjahres, war aber weniger als halb so hoch wie 2006 und erreichte nur wenig mehr als ein Viertel dessen, was Singulus noch 2004 erlöst hatte.

          Der Reinverlust lag mit 77,7 Millionen Euro fast auf dem Vorjahresniveau. Die letzten Gewinne hatte das Unternehmen 2007 erzielt, die Margen waren seit 1999 kontinuierlich abgebröckelt.
          Operativ lief es ein wenig besser. Zwar setzte hier der Margenrückgang schon Mitte der Neunziger Jahre ein, doch gab es gerade 2008 und 2010 Gewinne, die aber vor allem durch Abschreibungen und Restrukturierungsaufwendungen mehr als aufgezehrt wurden.

          Bilanzkennziffern lange stabil

          Dennoch gelang es Singulus die ganze Zeit über, seine Bilanzkennziffern auf solidem Niveau zu halten. Die Eigenkapitalquote ist zwar seit 2001 beständig gesunken, fiel aber von einem extrem hohen Niveau bei 72 Prozent auf 53 Prozent zum Ende des Jahres 2010. Seit dem Börsengang 1997 hatte das Unternehmen keinen nennenswerten Nettofinanzverbindlichkeiten. Allerdings schmolz das in den guten Jahren aufgebaute Kapitalpolster seit 2007 dahin. Ende 2010 betrug das Eigenkapital mit 106 Millionen Euro nur noch wenig mehr als ein Drittel des Spitzenwertes des Jahres 2007. Die Nettovermögensposition ging 2009 verloren.

          Deutlicher zeigt sich die schwierige Situation in der Entwicklung des Mittelzu- und abflusses. Der sogenannte freie Cashflow ist seit 2007 im Wesentlichen negativ. Hier sorgte eine Kapitalerhöhung im Mai 2011 für Erleichterung. Diese trug auch zu einer Trendwende bei den Bilanzkennziffern bei. Zum zweiten Quartal 2011 wurde wieder eine Nettovermögensposition ausgewiesen. Die Eigenkapitalquote betrug zum 30. September 69 Prozent, das Eigenkapital 132,2 Millionen Euro.

          Blu-Ray, Halbleiter und Solar

          Singulus sieht sich derzeit im Aufbruch und glaubt, die Belastungen der Vergangenheit hinter sich zu haben. Die hohen Verluste der jüngeren Vergangenheit führt das Unternehmen nicht zuletzt auf den Formatstreit zwischen Blu-ray und HD-DVD zurück, der eine Doppelentwicklung erforderlich gemacht hatte, die dann obsolet wurde.

          Jetzt aber verzeichne das Geschäft mit Blu-Ray-Discs hohe Wachstumsraten, im Teilbereich von Produktionsanlagen für Discs mit 50 Gigabyte Speichervolumen, das heißt vor allem für Filme, habe man gleichsam eine Alleinstellung. Viel verspricht sich das Unternehmen auch vom Halbleiterbereich. Hier setzt Singulus auf MRAM-Wafer. Diese böten den Vorteil, dass diese gespeicherte Daten auch ohne Stromversorgung vorrätig hielten und diese nicht von einem Datenspeicher laden müssten. Im Solarbereich sieht man sich als Anbieter, der zur Kostensenkung und Effizienzsteigerung beitragen könne.

          2011 auf dem Weg der Besserung

          Nach vorläufigen Zahlen hat Singulus 2011 wieder Gewinne erzielt. Der Umsatz stieg um 35 Prozent auf 160,4 Millionen Euro, der operative Gewinn auf 18,3 Millionen Euro, der Reingewinn auf 3,7 Millionen. Der Auftragseingang lag mit 151,5 Millionen Euro um 18 Prozent über dem des Vorjahres. Der Auftragsbestand am Jahresende ist dagegen auf 26,7 Millionen Euro von 35,5 Millionen Euro gesunken. Damit hat Singulus etwas besser abgeschnitten als von Analysten erwartet. Indes liegt der Auftragsbestand für ein Jahresende auf einem Rekordtief.

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