https://www.faz.net/-gvt-87f73

Mittelstandsanleihen : Escada-Nachfolger Laurèl kämpft um Existenz

  • Aktualisiert am

Model bei der Laurel Fashion Show 2015 in Berlin Bild: Picture-Alliance

Den aus der Insolvenz von Escada entstandene Modekonzern Laurèl hat die Russlandkrise in existentielle Not gebracht. Vor allem die Anleihengläubiger sollen dafür bluten.

          3 Min.

          Im Oktober 2015 wird sich wohl das Schicksal des Modekonzerns Laurèl entscheiden. Dieser war im Jahr 2002 vom Modekonzern Escada gegründet worden und wurde nach der Insolvenz von Escada im Jahr 2012 aus dem Konzern herausgelöst und stellte die Marke Laurèl auf eigene Beine. Im gleichen Jahr begab Laurèl eine Mittelstandsanleihe im Volumen von 20 Millionen Euro, mit der der Ausbau eigener Läden, der Markteintritt in den Vereinigten Staaten sowie weitere Expansionsmaßnahmen finanziert werden sollten.

          Von Anfang an gab es Zweifel an der Solidität des Unternehmens. Zwischen 2012 und 2014 stieg der Jahresumsatz zwar von rund 35 auf rund 40 Millionen Euro, doch unter dem Strich kam der Konzern nicht aus den roten Zahlen. Die Nettofinanzverschuldung nahm zu, der Eigenkapitalanteil fiel von rund 25 Prozent im April 2013 auf weniger als zehn Prozent im Oktober 2014.

          Drastischer Fall des Ratings

          Die Rating-Agentur Creditreform, die dem Unternehmen im August 2012 mit der Note „BBB“ noch ein geringes bis mittleres Insolvenzrisiko bescheinigt hatte, senkte dies erstmals schon sechs Monate nach Erteilung und damit vor Ablauf der Gültigkeit um eine Stufe. Innerhalb von 14 Monaten erfolgten drei weitere Herabstufungen um fünf Stufen, bis Creditreform im August 2014 mit der Note „B“ ein „höheres Insolvenzrisiko“ sah. Am 7. August diesen Jahres senkte Creditreform die Note schließlich um weitere vier Stufen auf „C“. Das bedeutet ein sehr hohes Insolvenzrisiko.

          Anlass sind Pläne des Unternehmen die Anleiheschulden zu restrukturieren. Im Klartext bedeutet dies, dass die Gläubiger verzichten sollen, und zwar durch eine Verlängerung der Laufzeit um drei Jahre, eine Aussetzung der Zinszahlung im aktuellen Jahr und eine Verringerung der Verzinsung für die drei folgenden Zinsperioden von 7,125 Prozent auf 1,5 bis 4 Prozent. Erst 2019 sollen wieder die vollen Zinsen gezahlt werden. Statt bei 7,125 Prozent läge die Rendite der Anleihe damit nur noch bei 4,48 Prozent.

          Begründet wurde dies mit einer existenzbedrohenden Krise. Demnach hat Laurèl in dem im April abgelaufenen Geschäftsjahr einen Verlust 4,5 Millionen Euro gemacht, das Eigenkapital ist mehr als aufgezehrt und der operative Mittelabfluss betrug 3,1 Millionen Euro.

          Im Strudel der Russland-Krise

          Grund ist zum einen die Krise in Russland. Dies sei 2012 und 2013 der absatzstärkste Markt mit sehr hohen Margen gewesen. Aufgrund des Rubelverfalls hätten die Vorbestellungen für die Herbst/Winter Kollektion teilweise nicht oder nur mit erheblichen Rabatten- ausgeliefert werden können. Für die Frühjahr/Sommer-Kollektion 2015 seien die Bestellungen deutlich gesunken. Aufgrund des weiteren Wechselkursverfalls hätten nur rund 70 Prozent der Vorbestellungen ausgeliefert werden können, für die Herbst/Winter-Kollektion 2015 seine die Bestellungen um mehr als 40 Prozent gesunken.

          Die 2012 eröffneten zehn neuen eigenen Geschäfte hätten zudem in den ersten zwei Jahren nach Eröffnung die Umsatzziele nicht erreicht, so dass die Einzelhandelssparte weiter Anlaufverluste verbuche. Auch hier wirke sich die Russlandkrise aus, weil russische und osteuropäische Touristen weniger kaufen.

          Zu wenig Beteiligung der Eigentümer

          Die für diesen Montag anberaumte Gläubigerversammlung war jedoch nicht beschlussfähig, wie dies bei nahezu allen ersten Versammlungen der Gläubiger der Fall ist, da eine Präsenz von 50 Prozent der ausstehenden Schuldverschreibungen erreicht werden muss. Nun soll diese im Oktober wiederholt werden, wobei hier nur eine Grenze von 25 Prozent gilt.

          Ob sich dann eine Lösung im Sinne des Unternehmens ergeben wird, ist offen, denn es liegen mehrere Gegenanträge vor. So bezeichnen sowohl der Restrukturierungsspezialist One Square als auch die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger Laufzeitverlängerung und Zinssenkung als nicht zustimmungsfähig. Kritisiert wird, dass keine unabhängige Analyse vorliege und die Notwendigkeit der Maßnahmen so gar nicht beurteilt werden könne. Zum anderen gebe es keine Sanierungsbeiträge von Banken oder Eigentümern, keine Möglichkeit der Wertaufholung und keine Sicherheiten oder Beteiligung.

          Laurèl-Geschäftsführer Dirk Reichert stellte im Anschluss an die fehlgeschlagene Anleihegläubigerversammlung, den Anlegern zusätzliche Sicherheiten sowie Bonuszahlungen ab 2018 in Aussicht - soweit dies Leistungskraft und Gewinnentwicklung zuließen. Eine Restrukturierung der Anleihe sei aber aus heutiger Sicht unvermeidlich. Die Auswirkungen der Russland-Krise seien nicht absehbar gewesen. Gespräche hat Laurél dabei offenbar vor allem mit dem Rechtsanwalt Christian H. Gloeckner gesucht, der als Mitglied des Gläubigerausschusses der Future Business KG bekannt ist. Auch Gloeckner hat einen Gegenantrag gestellt.

          Für das laufende Geschäftsjahr 2015/2016 erwartet Laurèl bei stagnierendem Umsatz eine „deutliche Verbesserung“ des operativen Ergebnisses infolge schon umgesetzter Restrukturierungsmaßnahmen. Eine neue Planungsrechnung soll auf der zweiten Gläubigerversammlung vorgestellt werden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Nächtliche Pressekonferenz: Selenskyj, Merkel, Macron und Putin im Elysée-Palast

          Ukraine-Gipfel : Bewegung in einen versteinerten Prozess

          Der Stillstand sei überwunden, versichern Merkel und Macron nach neun Stunden Verhandlungen. Putin wittert Tauwetter. Doch Selenskyj ist skeptisch: „Mir ist das viel zu wenig.“

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.