https://www.faz.net/-gv6-6ugen

Aktienmarkt : Geliehen und verkauft

Bild: AP

Der deutsche Aktienmarkt ist beliebt bei Leerverkäufern. Die Solarbranche und die Halbleiterindustrie sind besonders im Fokus.

          Der deutsche Aktienmarkt wird von Anlegern, die auf fallende Aktienkurse setzen, indem sie Aktien leihen und verkaufen, offenbar überdurchschnittlich stark genutzt. Das ist das Ergebnis einer Studie des britischen Finanzdatenanbieters Data Explorers. Das Volumen, mit dem Anleger auf fallende Kurse setzen, entspricht demnach für deutsche Aktien derzeit im Durchschnitt 1,8 Prozent des Marktwertes, während der entsprechende Wert für Europa insgesamt 1,2 Prozent beträgt. Data Explorers ermittelt diese Daten aufgrund von Zahlenmaterial, dass sowohl institutionelle Investoren wie Pensionsfonds, Staatsfonds oder Hedgefonds zur Verfügung stellen als auch Finanzinstitute, die das Ausleihen und Leerverkaufen von Aktien organisieren (Prime Broker, Custodians) - dazu zählen vor allem die im Investmentbanking stark aufgestellten internationalen Großbanken.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Auf dem deutschen Aktienmarkt sind besonders Unternehmen aus der Solarbranche und der Halbleiterindustrie von den Leerverkäufen betroffen. So seien beispielsweise rund 46 Prozent aller Aktien des Solarunternehmens Q-Cells, die potentiell geliehen und leerverkauft werden könnten, auch leerverkauft worden. Im Falle des bedeutenderen Wettbewerbers Solarworld seien es beinahe 12 Prozent, im Falle von SMA Solar etwas weniger als 10 Prozent. Das in der Halbleiterindustrie engagierte Unternehmen Aixtron gehört mit knapp 33 Prozent ebenfalls zu den am meisten abverkauften deutschen Werten.

          Anleger leihen und verkaufen Aktien, die ihnen nicht gehören, in der Erwartung, dass Kursverluste bevorstehen. Wenn der Aktienkurs tatsächlich sinkt, verdienen diese Anleger Geld, weil sie die ausgeliehenen Aktien dann zu einem billigeren Preis kaufen und an den Verleiher zurückgeben können - unter Berücksichtigung der Leihgebühr, die in der Regel anteilig auf den Wert der geliehenen Aktien entfällt.

          Wer auf fallende Solarwerte setzte, lag richtig

          Wer im Falle etwa von Q-Cells, Solarworld, Aixtron oder SMA Solar auf fallende Kurse gesetzt hat, lag richtig. Seit Jahresbeginn haben sich die Aktienkurse aller vier Unternehmen stark ermäßigt. Ein Anteilsschein an Q-Cells kostete etwa noch zu Jahresbeginn rund 2,50 Euro, mittlerweile sind es noch etwas mehr als 50 Cent. Der Kurs der Solarworld-Aktien hat sich während derselben Zeit auf mittlerweile ungefähr 3 Euro mehr als halbiert. Damit hat sich ihr Kurs schlechter entwickelt als der gesamte deutsche Aktienmarkt. Als wesentlichen Grund dafür nennen Marktbeobachter, dass die deutschen Solarunternehmen unter zwei Problemen leiden: Die Branche ist von der Politik abhängig, die über die Förderung der Sonnenenergie entscheidet. Zweifel an bleibender politischer Unterstützung machen die Aktien unattraktiver. Außerdem erwachsen den heimischen Herstellern vor allem in China neue potente Wettbewerber.

          Immer wieder vorgebracht wird aber auch Kritik, wonach Leerverkäufe die Kursverluste mindestens verstärken, wenn nicht erst auslösen. Um dem entgegenzutreten, haben einige europäische Länder unter dem Eindruck einer neuen Bankenkrise mittlerweile das Leerverkaufen von Bankaktien untersagt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Venedig will mit einer Gebühr gegen den Gästeansturm ankommen.

          Overtourism : Urlaubsziele vor dem Touristen-Kollaps

          Ob Venedig oder Barcelona – viele Städte werden von Touristen überrannt. Auch in Deutschland gibt es Probleme: 2018 kamen 1,6 Millionen Touristen allein aus China. Lösungen gibt es nicht.

          Trotz Reform : Viele Sparer müssen weiter Soli zahlen

          Für die meisten Bundesbürger soll der Solidaritätszuschlag ab 2021 entfallen, sagt Finanzminister Scholz. Was er verschweigt: Für den Großteil der Sparer und Anleger gilt das nicht – und das sind nicht nur Großverdiener.
          Disqualifiziert: Charlotte Dujardin.

          Blut am Pferd bei der EM : „Ich bin total niedergeschmettert“

          Charlotte Dujardin übertreibt bei der Dressur-EM den Sporen-Einsatz und ist selbst erschüttert. Im Fell ihrer Stute zeigt sich eine Wunde, die Reiterin wird disqualifiziert. Nun stellt sich vor allem eine Frage.

          Auch Mazda steigt aus : Carsharing fährt gegen die Wand

          Es soll eine Lösung für urbane Mobilität sein: Doch Carsharing rechnet sich nicht. Und nicht nur das: Die Autos kämen oft auch verdreckt oder beschädigt zurück, klagen die Anbieter. Jetzt gibt auch Mazda auf.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.