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Hohe Dividende : Zweifel am Ausschüttungskönig Innogy

Innogy-Chef Peter Terium hat den Anlegern eine schöne Dividende eingepackt. Bild: dpa

Eine hohe Dividende erfreut die Aktionäre der RWE-Tochtergesellschaft Innogy. Aber die Wachstumsstrategie wirft Fragen auf.

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          Als einziger der vier großen Energieversorger an Rhein und Ruhr habe Innogy im vorigen Jahr Geld verdient, sagt der Vorstandsvorsitzende Peter Terium auf der Hauptversammlung des Unternehmens am Montag. Und die Aktionäre bekommen davon ein gutes Stück ab: Für das vergangene Geschäftsjahr soll es eine Dividende von 1,60 Euro je Aktie geben, was etwa 80 Prozent des bereinigten Nettogewinns entspricht und der Aktie aktuell eine Dividendenrendite von 4,4 Prozent verleiht.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          In ähnlicher Form soll es zur Freude der in der Essener Grugahalle versammelten Anleger weitergehen. Unter dem Strich erwarte man für 2017 ein Gewinnplus von 7 Prozent auf mehr als 1,2 Milliarden Euro. Davon würden wieder 70 bis 80 Prozent ausgeschüttet würden, sagt Terium, was die Dividendenrendite auf 4,7 Prozent steigen ließe.

          Es wurde kein Wertpapier gefunden!

          Die Ausschüttung für 2016 geht zum größten Teil an den Mutterkonzern. Nach dem Börsengang hält RWE noch rund 76 Prozent und hat damit Anspruch auf eine Ausschüttung von rund 680 Millionen Euro.

          Ein großes Fragezeichen

          Doch nach den ersten Ausschreibungen für Windkraftanlagen im offenen Meer, bei denen große Projekte ganz ohne garantierte Einspeisevergütung vergeben worden sind, kommen unter den Aktionären Zweifel an der nachhaltigen Dividendenkraft von Innogy auf.

          „Das Geschäftsmodell ist kein Selbstläufer, hinter der versprochenen Wachstumsstory steht ein großes Fragezeichen“, sagte Thomas Deser, Portfoliomanager bei Union Investment, auf der ersten Hauptversammlung des Ökostromanbieters. Im staatlich regulierten Netzgeschäft, dem bisher wichtigsten Ertragsbringer der RWE-Abspaltung, sehen Aktionärsvertreter ebenfalls eher rückläufige Renditen, weil die Netzagentur bei der Eigenkapitalverzinsung auf die Bremse tritt.

          Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz warnte den von ihm als „Ausschüttungskönig“ gelobten Versorger vor überzogenen Erwartungen. Die Essener konzentrieren sich auf den Netzbetrieb, Strom aus Wind und Sonne sowie den Energievertrieb.

          Innogy verfüge durch die Kapitalerhöhung sowie die Begebung einer ersten eigenen Anleihe über ausreichenden finanziellen Spielraum, um in sein Geschäft zu investieren und Wachstumschancen in den Kernmärkten zu nutzen, sagt Terium. „Eins ist aber auch klar: wir verfolgen Projekte nicht um jeden Preis“, so der Vorstandsvorsitzende, der damit die Zurückhaltung bei den ersten Offshore-Auktionen verteidigte.

          Innogy war hier leer ausgegangen, während der Konkurrent EnBW in seinem Gebot auf jede staatliche Förderung verzichtet hatte. Aktionärsvertreter Deser warf die Frage auf, welche Möglichkeiten sich im Ökostrom-Segment überhaupt noch bieten werden. Im Wettbewerb agierten inzwischen „mehr oder weniger verzweifelte Konkurrenten mit staatlichen Eigentümern“, die mit finanzieller Rückendeckung ihrer öffentlichen Großaktionäre in den Wachstumsmarkt der erneuerbaren Energie drängten.

          Eine weitere Baustelle sind die Kundenverluste im wichtigen niederländischen und britischen Energiegeschäft. Terium konterte mit den Vertriebserfolgen in Osteuropa und verwies auf die Pläne in der Photovoltaik und im Stromspeichergeschäft, für die Innogy jüngst den Spezialisten Belectric übernommen hatte. Weiter ausbauen werde Innogy auch seine Position als ein „europaweit führender Anbieter von Ladeinfrastruktur“ für Elektroautos.

          Trotz der großzügigen und keineswegs zu verachtenden Dividende ist Innogy nicht der Zahler der höchsten Dividende am deutschen Aktienmarkt. Sieht man von der üppigen Sonderdividende für die Aktionäre des Hypo-Real-Estate-Nachfolgers PBB ab, so sind darunter viele Unternehmen, die schon seit einigen Jahren hohe Dividenden ausschütten: Freenet etwa oder der Modeschmuckhändler Bijou Brigitte. Oder aber aus dem Dax die Münchener Rück und die Allianz.

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