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Kapitalvernichter : Vier Dax-Werte als dauerhafte Kapitalvernichter

Der Baukonzern Bilfinger ist einer der höchsten Neueinsteiger auf der Liste der größten Kapitalvernichter. Bild: dpa

Jedes Jahr präsentiert die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz ihre Liste der größten Kapitalvernichter. An der Spitze steht der Maschinenbauer Singulus. Aber auch Eon, RWE und die Deutsche Bank gehören dazu.

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          Wie in jedem Jahr hat die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) auch 2017 wieder die Fortschreibung ihrer Liste der „größten Kapitalvernichter“ veröffentlicht.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Von den 50 Unternehmen, die sich auf der aktuellen Liste wiederfinden, sind mit 38 die meisten in keinem Auswahlindex notiert. Nichtsdestoweniger sind darunter einige Namen mit großer Vergangenheit.

          Da ist zum Beispiel Singulus. Der Maschinenbauer erlebte in den Neunziger Jahren eine große Zeit mit Anlagen zur Herstellung von CDs und DVDs. Doch je mehr die Datenträger zur billigen Ramschware verkamen, um so schwerer fiel es dem Unternehmen, Ersatz zu finden. 2009 flog die Aktie erstmals aus dem Tec-Dax, kehrte kurz darauf noch einmal zurück, nur um 2012 endgültig Abschied nehmen zu müssen.

          SINGULUS TECHNOL. EO 1

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          Zeitweilig hing das Insolvenzschwert sehr dicht über den Köpfen im fränkischen Kahl. Die Anleihengläubiger mussten 2016 auf einen Teil ihrere Forderungen verzichten. Und die Aktionäre? Deren investment verlor allein im vergangenen Jahr 90 Prozent an Wert. Doch für Langzeiteigner war das schon nicht mehr so wichtig - angesichts eines Kursverlusts von 98,6 Prozent in den vergangenen fünf Jahren. Rückgerechnet kostete die Aktie im Februar 2012 noch 293 Euro. Im Februar 2016 waren es noch rund 30 Euro, jetzt sind es 7,30 Euro. Die größten Verluste gab es damit nicht 2016. Aber das ist eher ein schwacher Trost.

          Unter den bekannten Markennamen sticht Air Berlin hervor. Die angeschlagene Fluggesellschaft verdient nicht nur im operativen Geschäft kaum Geld, sondern verbrennt auch das Geld ihrer Aktionäre. 2016 betrug der Kursverlust vergleichsweise harmlose 34 Prozent. Auf Sicht von fünf Jahren waren es 76 Prozent. Damit belegt das Unternehmen Rang fünf auf der DSW-Liste. Immerhin, möchte man sarkastisch hinzufügen, geht es hier nach oben. Im vergangenen Jahr war es noch Rang 15, davor Rang 17.

          Es wurde kein Wertpapier gefunden!

          16 Unternehmen sind neu auf die Liste gekommen, darunter auch einige bekannte Namen wie der auch im F.A.Z.-Index notierte Baukonzern Bilfinger, mit Rang 21 gleichzeitig der dritthöchste Neueinsteiger. Das Minus von 16 Prozent im vergangenen Jahr ist zwar nicht so hoch gewesen, aber über drei Jahre hat sich der Kurs halbiert. Neu dabei sind auch Hugo Boss (Rang 44) und das ehemalige Dax-Mitglied K+S.

          Index-Abstieg und Kursverluste gehen mitunter Hand in Hand. Nicht nur Singulus war ehemals in einem Auswahlindex notiert. Der Reifenhändler Delticom (Platz 16) musste 2015 den Kleinwerte-Index S-Dax verlassen. Der Graphit-Spezialist SGL Carbon (Platz 6) stieg 2015 aus dem M-Dax der mittleren Werte in den S-Dax ab. Da die Marktkapitalisierung ein Kriterium für die Index-Zugehörigkeit ist, bewirken anhaltende Kursverluste häufig einen Abstieg. Und der Abstieg wiederum lässt für viele Anleger die Aktie weniger interessant erscheinen. Oft genug gibt es - wie bei Singulus - für diese Entwicklung ernsthaften wirtschaftlichen Hintergrund.

          DT. BANK

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          Das gilt auch für die vier traurigen Dauer-Mitglieder aus dem Dax: die Versorger RWE und Eon sowie die Deutsche Bank und die Commerzbank auf den Plätzen 18 bis 31. Immerhin habe es RWE damit geschafft, die Flop-Ten wieder zu verlassen, sagt DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler. Bleibt zu hoffen, dass nicht am Ende die Deutsche Bank künftig diese Rolle einnehmen wird. Diese war im vergangenen Jahr noch an 40. Stelle zu finden. Dieses Jahr ist es Rang 24.

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