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Marktbericht : RWE-Aktie unter Druck

  • Aktualisiert am

Sieht derzeit mehr nach Hinterherhecheln aus Bild: dpa

Der Aktienkurs von RWE stand am Montag abermals unter Druck. Grund waren die Aussagen von Konzernchef Terium gegenüber der F.A.Z.

          2 Min.

          Wieder einmal standen am Montag die Aktienkurse der Versorger unter Druck. RWE gaben um 5,4 Prozent nach, nachdem der Vorstandsvorsitzende Peter Terium in einen Interview mit der F.A.Z. von Finanzierungsschwierigkeiten gesprochen hatte. Auch Eon gaben 2,2 Prozent ab.

          Terium hatte gegenüber der F.A.Z. eine Kapitalerhöhung ins Gespräch gebracht. „Wir brauchen Geld für Wachstum. Zur Zeit kriegen wir das nicht“, sagte der Vorstandschef. Dafür macht Terium eine Verunsicherung durch die Politik verantwortlich, die die künftigen Rahmenbedingungen für seine Branche im Unklaren lasse.

          Anlegern gefielen Teriums Andeutungen überhaupt nicht. Auch Teriums Versuche, Sorgen über einen möglichen Finanzierungsengpass zu zerstreuen, halfen nicht. RWE stehe auf einem soliden Fundament und habe keinen Zeitdruck, sagte er: „Das Unternehmen ist durchfinanziert. Die Liquidität bis zum Ende der Dekade ist gesichert.“ In der Sparte für erneuerbare Energien laufe es gut. Rückblickend hätte Terium aber lieber „früher und mehr“ in dieses Geschäft investiert.

          Im Laufe des Tages wirkte sich zudem aus, dass die früheren AKW-Betreiber in Aussicht stellten, auf Klagen wegen des Atomausstiegs zu verzichten, falls Rückbau, Zwischenlagerung und Endlagerung über eine Stiftung geregelt werden.

          Dadurch wollen die Konzerne vor späteren Zusatzkosten, etwa für eine womöglich noch Jahrzehnte dauernde Suche nach einem Atommüllendlager, geschützt werden. RWE stehe zu seinen Verpflichtungen. "Wir haben rund 10,4 Milliarden Euro an Kernenergierückstellungen in unserer Bilanz stehen, für Rückbau und Entsorgung." Ingesamt belaufen sich die Rückstellungen der vier AKW-Betreiber in Deutschland - RWE, Eon, EnBW und Vattenfall - auf mehr als 38 Milliarden Euro. In eine Stiftung könnten die Kernkraftwerke eingebracht werden, so lange diese noch betrieben würden, sagte der Insider.

          Im Extremfall könnten laut einem RWE-Insider auch Aktien der Versorger eingebracht werden. "Letztlich muss das aber im Dialog mit der Politik geklärt werden."

          Euro unter Druck

          Unterdessen drückten Spekulationen auf weitere EZB-Geldspritzen und die nahende amerikanischen Zinswende den Euro am Montag zeitweise auf ein Sieben-Monats-Tief von 1,0602 Dollar. Am Aktienmarkt machten einige Anleger gleichzeitig Kasse. Der Dax schloss 0,25 Prozent tiefer mit 11.092 Punkten. "Die Anleger warten auf neue Impulse und wollen sich vor dem ifo-Geschäftsklima-Index am Dienstag nicht zu weit aus dem Fenster lehnen", sagte ein Händler. Sorgen bereiteten zudem die zeitweise stark fallenden Rohstoffpreise.

          Kupfer verbilligte sich um bis zu drei Prozent und lag mit 4444 Dollar je Tonne so niedrig wie zuletzt vor sechseinhalb Jahren. Am Öl-Markt drückte das weltweite Überangebot den Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent um bis zu 2,4 Prozent auf 43,57 Dollar. Kurzzeitig herumgereichte Spekulationen auf eine Förderkürzung durch Saudi-Arabien hievten ihn dann wieder auf 45,625 Dollar.

          Sämtliche Rohstoffe litten unter dem Höhenflug der amerikanischen Währung, die diese Anlageklasse für Investoren außerhalb der Vereinigten Staaten unattraktiver macht. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen wie Euro oder Yen widerspiegelt, stieg am Montag um bis zu 0,4 Prozent auf ein Siebeneinhalb-Monats-Hoch von 99,977 Punkten.

          Wincor Nixdorf legten 6,1 Prozent zu. Der Geldautomatenhersteller einigte sich seinem amerikanischen Rivalen Diebold auf die Eckdaten einer Fusion. Analysten in Frankfurt sprachen von einem sinnvollen Unterfangen.

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