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Nach EZB-Entscheidung : Aktienmarkt schaut wieder nach New York

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Nach der Verkündung der Entscheidung der Europäischen Zentralbank künftig in großem Umfang Staatsanleihen zu kaufen, taten sich die Aktienmärkte erst mal schwer. Erst spät gingen sie in den Haussemodus.

          Im Kielwasser der EZB-Entscheidung, ab März bis zum September 2016 Anleihen im Volumen von monatlich 60 Milliarden Euro zu kaufen, ist der Dax am Donnerstag erstmals über 10.400 Punkte gestiegen. Der Dax schloss 1,3 Prozent höher mit 10453,62 Punkten. Der mit 100 Werten den Markt deutlich breiter abbildende F.A.Z.-Index kletterte um 1,4 Prozent auf 2149 Zähler.

          Der MDax sprang erstmals über 18.000 Punkte und endete 1,5 Prozent höher bei 18.294,34 Punkten. Der TecDax gewann 0,5 Prozent auf 1458,55 Punkte. Der Technologie-Auswahlindex schloss so hoch wie zuletzt im Juni 2001.

          Dabei hatten sich die Kurse schwer getan. Nach einem kurzen Anstieg war der Dax erst einmal wieder auf das Schlussniveau des Mittwoch zurückgefallen. Im wesentlichen richtete sich die Kursentwicklung aber an der amerikanischen Börse aus. Dort steigt der marktbreite S&P-500-Index um 0,6 Prozent auf 2045 Punkte.

          Grund ist aber nicht das EZB-Programm, sondern besser als erwartete Zahlen von Unternehmen der Transportbranche und regionalen Banken. Der amerikanische Aktienmarkt ist wieder beim Alltag. Man habe ein umfangreiches Programm der EZB erwartet und bekommen, heißt es.

          „Die Mindestlaufzeit des Ankaufprogramms sollte die Märkte von der Entschlossenheit der EZB überzeugen, die Probleme, denen sich die Eurozone gegenüber sieht, anzugehen“, sagte Rentenstratege Mauro Vittorangeli von Allianz Global Investors. „Wie zuvor
          die Fed hat die EZB nun ebenfalls bewiesen, dass sie in der Lage ist, mit äußerst schwierigen Marktsituationen umzugehen.“

          An den Finanzmärkten hoffen viele weiterhin auf einen neuen Schub für die Aktienkurse. Denn mit ihrer Politik des billigen Geldes haben die Notenbanken seit der Finanzkrise vor sieben Jahren eine Rally ausgelöst. „Das viele Geld will ja schließlich angelegt werden“, heißt es in den Handelsabteilungen der Banken. Und sollten die Unternehmen dank der Geldschwemme mehr erwirtschaften, dürften auch die Gewinne und mit ihnen die Aktienkurse steigen.

          Nach dem Beschluss warnten Experten jedoch vor den negativen Folgen der Geldflut. Es sei zu befürchten, dass die Reformmüdigkeit in vielen Ländern der Euro-Zone nun eher noch zunehme, sagte Bernd Feldhaus, Fondsmanager bei Inprimo Invest. Zudem würden im Anleihemarkt durch die EZB als Käufer private und institutionelle Anleger aus dem Markt für Staatsanleihen in riskantere Investments gedrängt. Das könne wiederum den Aufbau von Spekulationsblasen begünstigen.

          Auf Unternehmensseite richteten sich die Blicke nach einer Übernahmeofferte auf den früher unter Gildemeister firmierenden Werkzeugmaschinenbauer DMG Mori Seiki . Dessen Aktienkurs steigt um 12,6 Prozent auf 28,82 Euro. Am Mittwochabend hatte der japanische Partner DMG Mori Seiki eine Offerte von 27,50 Euro je Aktie in bar veröffentlicht. Dies dürfte in den nächsten Wochen die Untergrenze für den Kurs markieren, kommentierte ein Händler.

          Ansonsten bewegten vor allem Analystenkommentare die Einzelwerte: Bei den Aktien von Wacker Chemie sehen die Experten der Deutschen Bank und der Landesbank Baden-Württemberg nach den jüngsten Kursverlusten eine Kaufgelegenheit. Die Papiere des Chemiekonzerns, der einen guten Teil seines Geschäfts mit der Solarindustrie macht, verteuerten sich daraufhin um 5,6 Prozent.

          Krones-Aktien fielen hingegen um 5,1 Prozent von ihrem Rekordhoch zurück. „Verkaufen, wenn es am schönsten ist“, empfiehlt Analyst Markus Turnwald von der DZ Bank nach dem Kursanstieg der vergangenen Monate.

          Der Kurs des Euro fiel um 1,5 Prozent auf den tiefsten Stand seit elf Jahren von 1,1410 Dollar. Am Rentenmarkt drehte der Bund-Future ins Plus und legte bis auf 157,72 Zähler zu. Die Renditen der zehnjährigen Bundesanleihen fielen auf 0,444 Prozent. Die Renditen der spanischen und italienischen Pendants fielen ebenfalls auf Rekordtiefs.

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