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Was ist los mit Johnny Depp? : Superschurken

Johnny Depp im September Bild: AP

Johnny Depp will sich juristisch weiter gegen den Vorwurf wehren, er sei gewalttätig gegen seine Ex-Frau Amber Heard geworden. Das Publikum urteilt schneller und lässt keine Revision zu. Es könnte das Ende seiner Karriere sein.

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          Dem Schauspieler Johnny Depp geht es jetzt so, wie es vor drei Jahren seinem Kollegen Kevin Spacey ging: Seit bekannt wurde, dass er ein Bösewicht ist, darf er im Kino keinen Bösewicht mehr spielen. Auf Druck der Firma Warner Brothers hat Depp die Rolle des Superschurken Grindelwald in der Kinoserie „Phantastische Tierwesen“ abgegeben, nachdem ein Londoner Gericht eine Verleumdungsklage Depps zurückgewiesen hatte. Depp sei ein Frauenschläger, hatte die „Sun“ geschrieben, und im Lauf des Prozesses kam das Gericht zu der Überzeugung, dass Depp tatsächlich handgreiflich und übergriffig wurde gegen die Schauspielerin Amber Heard, mit der er von 2012 bis 2017 verheiratet war.

          Depp will Revision einlegen, und der eigentliche Prozess, Amber Heard gegen Johnny Depp in Sachen häuslicher Gewalt, wird erst im kommenden Jahr in den Vereinigten Staaten eröffnet; bis zum Urteil wird es dauern – schon weil, je genauer man hinzuschauen versucht, die Ehekräche der beiden umso weniger eindeutig erscheinen. Die moralischen Urteile des Publikums sind aber schon gefällt, Revision wird nicht zugelassen. Und so kann Johnny Depp, der 57 Jahre alt ist, sich vorbereiten auf den Vorruhestand: Niemand wird ihm mehr eine Hauptrolle geben. Was, einerseits, verständlich ist aus der Sicht des Publikums. Ein Schauspieler hat ja bloß seinen Körper und seinen Charakter als Arbeitsmaterial; und gerade ein so genialer Schauspieler wie Depp ist auch ein großer Verführer: Man schaut ihm nicht nur zu, man gibt sich ihm geradezu hin – und fühlt sich betrogen, wenn man hört, dass man sich in einen Schläger eingefühlt habe.

          Andererseits hat auch Depp, sollten die Vorwürfe stimmen, ein Recht auf Strafe und dann Rehabilitation – wenn die absolute moralische Einwandfreiheit die Voraussetzung für den Zugang zu den Leinwänden und den Emotionen des Publikums wäre, könnte Hollywood morgen schließen. Und große Teile der Filmgeschichte wären ungültig. Depp, wenn er schuldig ist, soll seine Strafe zahlen und soziale Arbeit verrichten. Und dann tun, was er seit Jahren tut: sein Geld und sich selbst verschwenden, und wenn er darüber wieder einmal pleitegeht, eine umso höhere Gage verlangen für den nächsten Film. Auch wenn er, hoffentlich, kein Schläger ist, bleibt Depp ein gefährlicher Mann. Das Kino braucht Leute wie ihn.

          Claudius Seidl
          Redakteur im Feuilleton.

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