Weimers Gastbeitrag : Noch einmal sagen, was man nicht mehr hören kann

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer sieht die „Korridore des Sagbaren“ verengt. Solange eine linksliberale Mainstreamzeitung so etwas noch druckt, kann es so schlimm um die Meinungsvielfalt aber nicht bestellt sein.
In einer Zeit, in der die Meinungsfreiheit täglich von knallharter Zensur bedroht ist, wirkt es immer absurder, sich über die sogenannte Cancel Culture aufzuregen. Aber selbst jene, die sie wirklich noch immer für ein ernsthaftes Problem halten, dürften sich schwergetan haben, den Gastbeitrag von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer zu Ende zu lesen, den die „Süddeutsche Zeitung“ vergangenen Donnerstag veröffentlichte. Beziehungsweise überhaupt anzufangen. „Verteidigt die Freiheit!“ lautete die Überschrift, der Vorspann formulierte eine These, die wie ein Medley der bekanntesten Floskeln des Genres klang: „Linke wie Rechte wollen die Kunst politisieren, haben sich aber ein denkbar ungeeignetes Objekt ausgesucht. Die Korridore des Sagbaren, Erkundbaren und Darstellbaren gilt es zu weiten, anstatt sie zu verengen.“ Solange eine linksliberale Mainstreamzeitung so etwas noch druckt, kann es nicht so schlimm um die Meinungsvielfalt bestellt sein. Man kann wirklich nicht mehr hören, dass man nichts mehr sagen darf.



