
Oliver Lovrenskris Romandebüt : Punchlines aus dem Hinterhof

Das Debüt des jungen norwegischen Autors Oliver Lovrenski ist mehr als bloß ein Roman über eine harte Jugend. Den Sound des HipHop und das Straßen-Esperanto durchzieht eine verblüffend poetische Linie.
Mittags Drogen ballern, abends die Reste verticken und nachts plötzlich die „feels kriegen“ – das ist der Alltag in Oliver Lovrenskis Debüt „bruder, wenn wir nicht family sind, wer dann“. Der Roman des damals 19-Jährigen gewann 2023 den Preis der norwegischen Buchhändler, jetzt erscheint er bei Hanser Berlin auf Deutsch. Lovrenski erzählt darin von Ivor, der kroatische und polnische Wurzeln hat, dem Somalier Marco, dem indischstämmigen Arjan und der „kartoffel“ Jonas. Aus 13-jährigen Schulschwänzern werden suchtkranke Dealer, die sich mit 14 Messer besorgen, dann Pistolen. Der Plot klingt nach gesellschaftskritischer Aufklärungsprosa, was aus jungen Männern am Rande der Gesellschaft werden kann. Doch darin steckt mehr: Lovrenski verzahnt Gangster-Klischees gekonnt mit männlicher Sensibilität. Sprachliche Spitzen durchbrechen den Hinterhofjargon in Ivors Bewusstseinsstrom.


