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Buchrezension Uwe Dick : Auf der Suche nach einer unmöglichen Literatur

  • -Aktualisiert am

Bild: Eberhard Spangenberg, München / VG Bild-Kunst, Bonn 2022

Bindemittel in diesem Buch ist der kategorische Imperativ genauer Sprache: Uwe Dicks legendäre „Sauwaldprosa“ in ihrer letztgültigen Fassung.

          5 Min.

          Das Werk des Dichters Uwe Dick ist in der deutschsprachigen Literatur von solitärem Rang. Seine Gedichte, Prosa und szenischen Monologe, vorliegend in einer Vielzahl von Büchern und Tonträgern, sind Gedanken- und Sprachkunst gleichermaßen, komplex in ihrer ästhetischen Erscheinungsweise, von sinnlicher Schönheit und formalem Raffinement. Aphoristik und epi­grammatische Kürze sind für seine Spracharbeiten ebenso charakteristisch wie lyrische Groß- und prosaische Mischformen. Stellvertretend seien hier genannt „des blickes tagnacht. gedichte 1969– 2001“, „Pochwasser – Eine Biographie ohne Ich“ und die Einmann-Theaterstücke „Der Öd“ und „Monolog eines Radfahrers“. In Uwe Dicks thematischen und motivischen Kompositionen, deren intertextuelles Netz Jahrhunderte und Kontinente um­spannt, finden die Dichtungen Bella Achmadulinas, Jean Pauls, Andrea Zanzottos oder der russischen Moderne ebenso Nachhall wie die Vorstellungswelten von Schamanismus und Volksglauben oder zum Beispiel die Mythen und Sagen Asiens und des Mittleren Ostens: Historisches Bewusstsein heißt für Uwe Dick, die eurozentrische Perspektive zu öffnen.

          Seine Dichtung ist sprachanalytisch, Sprachkritik ist für ihn immer auch Gesellschaftskritik: „Wir sind, wie wir sprechen.“ Dabei lässt sich die Frage nach dem Ich für Uwe Dick nur im gesamtgesellschaftlichen und historischen Zusammenhang stellen.

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