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Brexit-Rückschau : Divided Kingdom

25. Mai 2014: Die Britische Unabhänigkeitspartei (Ukip) und ihr Anführer Nigel Farage triumphieren bei der Europawahl. Bild: Reuters

Die Briten verlassen als erste Nation die Europäische Union. Oder doch nicht? Unser London-Korrespondent hat die wichtigsten Stationen einer langen Reise erlebt.

          Der Weg in den Kulturkampf begann in einem Keller, an einem Januartag des Jahres 2013. David Cameron hatte zu einer Ansprache geladen, die wie so oft als „Grundsatzrede“ angepriesen worden war. Aber diesmal enttäuschte das hochtrabende Marketing nicht. Camerons Rede im raumschiffhaft bläulich beleuchteten Untergeschoss der Londoner Bloomberg-Zentrale sollte die britische Nachkriegsgeschichte in zwei Teile zerschneiden.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Angekündigt war eine grundlegende Positionierung Camerons zur Europäischen Union. Und tatsächlich hielt der damalige Premierminister die vielleicht beste Rede, die in den vergangenen zwei Jahrzehnten über europäische Fehlentwicklungen und notwendige Reformen gehalten wurde. Trotzdem blieb von ihr vor allem eine knappe, folgenreiche Ankündigung: Er werde das Volk in einem „In-Out-Referendum“ über die Mitgliedschaft in der EU abstimmen lassen, sollten ihn die Briten in zwei Jahren als Premierminister wiederwählen.

          Das taten sie. Und wie! Niemand hatte für möglich gehalten, dass in Zeiten sich zerklüftender Parteienlandschaften noch eine absolute Mehrheit möglich ist. Cameron holte sie am 7. Mai 2015, und von da an war der Konjunktiv ein Indikativ.

          Der nunmehr ohne Koalitionspartner regierende Premierminister leitete nicht nur das Referendum in die Wege – er nutzte es als Druckmittel, um Brüssel Reformen abzuringen. Nur wenn sich die Europäische Union bewege, könne er vor den Wählern für den Verbleib werben, argumentierte er. So begannen die „Renegotiations“, und eigentlich waren dabei alle ganz guter Dinge. Camerons Forderungen klangen vergleichsweise vernünftig, und eine beruhigend große Mehrheit der Briten sprach sich in Umfragen für einen Verbleib in der EU aus.

          23. Januar 2013: Premierminister David Cameron kündigt ein Referendum über die Mitgliedschaft in der EU an.

          Von Beginn an skeptisch

          Das Königreich befand sich damals in keinem schlechten Zustand. Die Regierung hatte bis 2015 die Trümmer abgeräumt, die die Finanzkrise von 2008 hinterlassen hatte. Schon länger gab es wieder Zeichen von Optimismus. Im Sommer 2012 hatte London die Olympischen Spiele ausgetragen, und alles war perfekt gelaufen: Es hagelte Goldmedaillen für britische Athleten, die Angst vor einem Terroranschlag erwies sich als unbegründet, die Eröffnungsfeier zelebrierte eine Nation, die mit sich selbst im Reinen schien. Würden diese Briten nicht auch ein Referendum mit Stil und Würde absolvieren?

          Die europäische Einigung war im Königreich immer ein umstrittenes Thema gewesen, mehr als in anderen Mitgliedstaaten. Als die Briten 1973, arg verspätet, der damaligen Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) beitraten, taten sie es aus pragmatischen Gründen. Ihr Land lag wirtschaftlich am Boden, während die EWG prosperierte. Das emotionale „Friedensprojekt“, das Kontinentaleuropäer in einer fortschreitenden Integration sahen, interessierte die Briten nicht so sehr. Sie wollten ihren Handel ankurbeln. Umso kritischer wurde auf der Insel aufgenommen, dass die Europäer auf dem Festland über die Jahre immer enger zusammenrückten, auch politisch. Mit dem Vertrag von Maastricht, der 1992 die Europäische Union und den Euro besiegelte, schlug das Unbehagen in Widerstand um.

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