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Früherer Eon-Chef : Wulf Bernotat ist tot

Wulf Bernotat leitete Eon von 2003 bis 2010. Bild: dpa

Er war einer der einflussreichsten deutschen Unternehmenslenker seiner Zeit – nun ist Wulf Bernotat gestorben im Alter von 68 Jahren. Ein Nachruf.

          Er war einer der bedeutendsten und einflussreichsten deutschen Manager seiner Zeit. Damals - vor der Nuklearkatastrophe von Fukushima - war die Energiewelt noch eine komplett andere, nämlich eine weitgehend heile und goldgeränderte. Als wertvollster Dax-Konzerne strotzte der Düsseldorfer Energieriese Eon in jenen Jahren nur so vor finanzieller Kraft und Courage, auch was etliche Milliarden Euro schwere Übernahmen anging.

          Brigitte Koch

          Wirtschaftskorrespondentin in Düsseldorf.

          Das war die Zeit von Wulf Bernotat. Von 2003 bis 2010 stand er an der Spitze des ehedem größten europäischen Energiekonzerns. Wie jetzt bekannt wurde, ist der ehemalige Eon-Vorstandsvorsitzende am Sonntag nach langer schwerer Krankheit verstorben. Am 14. September wäre er 69 Jahre alt geworden.

          Fokussierung auf das Kerngeschäft

          Der in Göttingen geborene promovierte Jurist hat seine Karriere nach dem Studium bei dem Ölmulti Shell begonnen. Ersten Stationen in Hamburg folgten rasch leitende Managementaufgaben in London, Lissabon und Paris. Die bei dem niederländisch-britischen Konzern gewonnenen internationalen Erfahrungen prägten seinen teamorientierten, recht unkomplizierten Führungsstil, der für seinen traditionsbewussten späteren Arbeitgeber zunächst etwas ungewöhnlich war.

          Mitte der neunziger Jahre holte ihn der damalige Vorstandsvorsitzende der Mineralölgesellschaft Veba-Öl zu dem Eon-Vorgängerkonzern Veba nach Deutschland. Auch im ehemaligen Veba-Konzern stieg Bernotat rasch die Karriereleiter empor. So wechselte er aus dem Veba-Oel-Vorstand an die Spitze der längst an die Bahn verkauften Tochtergesellschaft Stinnes AG.

          Dort empfahl er sich nach erfolgreichem Börsengang und der Umstrukturierung zu einem konzentrierten Logistikkonzern bald als Nachfolger von Ulrich Hartmann und Wilhelm Simson. Diese beiden Manager hatten den aus den Gesellschaften Veba und Viag entstandenen Eon-Konzern nach der Fusion als Tandem geführt.

          „Kernkraft ist nicht die Lösung“

          In der Düsseldorfer Eon-Zentrale trieb Bernotat eine klare Fokussierung auf das Kerngeschäft Strom und Gas voran und forcierte zugleich die internationale Expansion. Sein größtes Vorhaben, die mehr als 42 Milliarden Euro schwere Komplettübernahme des spanischen Endesa-Konzerns, scheiterte indes an politischem Widerstand. Rückblickend war das ein Glücksfall. Denn nur wenig später brach die Finanz- und Wirtschaftskrise aus, von der besonders auch Spanien durchgerüttelt wurde.

          Während seiner Zeit an der Eon-Spitze gelang es Bernotat und seiner Mannschaft, den Umsatz um nahezu 50 Prozent zu steigern und dabei das Ergebnis überproportional zu erhöhen. All das spiegelte sich im Börsenwert: Innerhalb der ersten fünf Jahre seiner Amtszeit verdreifachte sich die Marktkapitalisierung von Eon nahezu. Schon früh hat sich Bernotat mit der Notwendigkeit und den Zukunftschancen der erneuerbaren Energieträger befasst. „Kernkraft ist nicht die Lösung“, lautet ein Zitat aus dem Jahr 2007.

          Der heutige EnBW-Chef Frank Mastiaux war ein enger Vertrauter des Verstorbenen. Ihn beauftragte Bernotat damals mit dem Aufbau einer neuen Eon-Einheit rund um die Erneuerbaren. Heute ist dies der Kern der neuen Eon AG unter der Führung seines Nachfolgers Johannes Teyssen.

          Während seiner aktiven Zeit als Energiemanager war Bernotat politisch bestens verdrahtet, wenngleich eine gewisse niedersächsische Sprödigkeit auch schon mal für Irritationen sorgte. Er hatte zudem zahlreiche prominente Aufsichtsmandate, so bei der Allianz, der Deutschen Telekom, bei Metro oder Bertelsmann. Trotz seiner ernsten Erkrankung hat er bis zuletzt noch seine Aufgaben als Aufsichtsratsvorsitzender der größten deutschen Wohnungsgesellschaft Vonovia erfüllt.

          Nach dem Ausscheiden bei Eon gründete er die Beratungsgesellschaft Bernotat & Cie, die sich auf das Mentoring, also die Unterstützung bei der beruflichen und persönlichen Entwicklung junger Führungskräfte spezialisiert hat. Bernotat liebte die moderne Kunst, Golfspielen und Reisen. Südafrika und Mallorca waren seine besonders bevorzugten Ziele. Der in zweiter Ehe verheiratete Vater zweier längst erwachsener Töchter lebte bis zuletzt in der zu seiner Heimat gewordenen Ruhrmetropole Essen.

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