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Flensburger Jubiläum : Viele Punkte, gute Ausreden

  • -Aktualisiert am

Ein Aktenregal im Verkehrszentralregister. Vor 60 Jahren wurde es beschlossen. (Archivfoto) Bild: dpa

Vor 60 Jahren wurde in Flensburg das Verkehrszentralregister eingerichtet. In der Zwischenzeit haben sich Millionen Punkte und tausende kuriose Ausreden angehäuft.

          Am 25. Juli 1957, heute vor 60 Jahren, wurde das Verkehrszentralregister beschlossen. Seither haben sich viele Verkehrssünder in Flensburg verewigt. Hier einige besonders kuriose Fälle:

          • Die meisten Punkte in Flensburg häufte ein Lastwagenfahrer aus Paderborn im Jahr 2012 an. Er hatte nämlich keinen Führerschein. Als er aufflog, konnte die Polizei dem Fünfunddreißigjährigen 169 Fahrten ohne Fahrerlaubnis nachweisen. Mit sechs Punkten pro Fahrt kam er am Ende auf stolze 1014 Punkte sowie drei Jahre Führerscheinsperre und eine Geldstrafe von 2500 Euro. Da es seit der Karteiumstellung im Jahr 2014 nur noch je zwei Punkte für Schwarzfahrer gibt, wird ihm so schnell wohl niemand den Rang abfahren.
             
          • Die Hitliste der besten Ausreden führt ein Autofahrer an, der im Jahr 2007 sein Handy nicht zum Telefonieren benutzt haben will, sondern als „Wärmeakku“ gegen Ohrenschmerzen. Der Fall kam sogar vor Gericht, doch der Richter fand diese Ausrede „unglaubhaft“. Ebenso erging es einem Mann aus Thüringen, der behauptete, sein Handy lediglich als Kieferstütze verwendet zu haben. Mehr Sinn hatte da die Ausrede eines Rollerfahrers. Das Überfahren einer roten Ampel begründete er mit dem schlechten Wetter: „Mir war kalt, und es hat geregnet.“ Die Bußgeldstelle Kassel sammelt auf ihrer Homepage unter dem Stichwort „Humor aus der Bußgeldstelle“ zahlreiche abenteuerliche Ausreden – von „ich bin blond“ bis Entschuldigungen in Reimform. Aber Kreativität schützt vor Punkten nicht.
             
          • Dafür ist es nicht verboten, seine Punkte über Dienstleister im Internet zu verkaufen. Dazu schickt man den Anhörungsbogen einfach an einen Punktehändler. Der sucht dann in seiner Kartei nach Abnehmern, die dem tatsächlichen Verkehrssünder ähnlich sehen und gegen Bezahlung angeben, dass sie gefahren sind. Einen Punkt wird man so für rund 350 Euro plus Bußgeld wieder los. Die Händler machen sich eine Gesetzeslücke zunutze: Weil der Abnehmer sich freiwillig meldet, ist die Übernahme nicht illegal. Vorausgesetzt, bei dem Vergehen handelt es sich lediglich um eine Ordnungswidrigkeit, wie Handy am Steuer oder zu geringer Sicherheitsabstand. „In 95 Prozent der Fälle sind wir erfolgreich“, sagte Punktehändler Rene Meier Mitte Juli in der Pro7-Sendung „Galileo“. Da die Behörden unter Zeitdruck arbeiten und man auf den oft qualitativ schlechten Blitzer-Fotos ohnehin nicht viel erkennt, ist das Risiko aufzufliegen gering.
             
          • Die höchste Raserquote hat Mecklenburg-Vorpommern. Dort haben 7,2 Prozent der Autofahrer einen Punkt in Flensburg. Im Saarland halten sich nur 4,6 Prozent nicht die Verkehrsregeln. Die meisten Eintragungen gibt es wegen Geschwindigkeitsübertretungen. Die Sünderdatei bestätigt außerdem das Klischee des männlichen Rasers: Von 8,6 Millionen Punkte-Inhabern sind nur 1,9 Millionen weiblich. Damit wäre das Klischee des männlichen Rasers bestätigt.
             
          • Auch als Fußgänger kann man einen Punkt in Flensburg bekommen, nämlich wenn man einen Bahnübergang trotz halb oder ganz geschlossener Schranke überquert. Den Punkt gibt es übrigens auch, wenn man gar keinen Führerschein hat.

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