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Kryptowährungen : Bitcoin-Anlegern droht Ärger mit der Steuer

Ob Bitcoin, Estcoin, Ethereum oder was auch immer - Gewinne aus An- und Verkäufen müssen kompliziert versteuert werden. Bild: AFP

Fast eine Dreiviertel Milliarde Euro könnte der deutsche Fiskus an den Bitcoin-Kursgewinnen des Jahres 2017 verdienen. Auf die Anleger aber kommt viel Arbeit zu.

          Wer Aktien oder Anleihen über eine deutsche Bank mit Gewinn verkauft, hat es steuerlich leicht. Das Geldinstitut zieht Abgeltungsteuer ab, und der Anleger ist mit dem Finanzamt im Reinen.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nicht so einfach ist es mit den Gewinnen aus dem Handel mit Bitcoins. Im Gegenteil sind Besteuerung und die Erklärung der Einkünfte eher kompliziert und Anleger laufen Gefahr, womöglich Probleme mit dem Finanzamt zu bekommen. Das ist in etwa die Quintessenz eines Beitrags von Klaus Himmer und Philipp Sandner vom Frankfurt School Blockchain Center.

          Denn das Phänomen Bitcoin ist neu und Steuergesetzgebung und Verwaltungsabläufe darauf nicht eingestellt. Das beginnt damit, dass Gewinne aus Geschäften mit Kryptowährungen zunächst einmal keine Kapitalerträge darstellen. 

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          Den Kryptowährungen sind nach Auffassung des Bundesfinanzministeriums keine Kapitalanlagen, sondern Wirtschaftsgüter wie etwa Edelmetalle, Antiquitäten oder Immobilien. Dank eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) wird dafür zwar keine Umsatzsteuer fällig, die Gewinne jedoch fallen unter die ganz normale Einkommensteuer.

          Nach einjähriger Haltedauer sind die Gewinne zwar steuerfrei, doch ist davon auszugehen, dass die wenigsten Bitcoin so lange gehalten wurden. Alles, was etwa 2017 gekauft und verkauft wurde, fällt unter die Steuerpflicht.

          Fehlende Unterlagen, fehlende Kenntnisse

          Für die Bitcoin-Anleger stellen sich nun eine Reihe von Problemen. Denn sie müssen die Einkünfte eigenständig ermitteln und offenlegen. Gerade für diejenigen, die die einfache Möglichkeit an einem Bitcoin-Handelsplatz hin und her zu handeln, gern genutzt haben, folgt nun Schwerstarbeit. „Da davon auszugehen ist, dass die Mehrheit der zumeist jungen IT-affinen Privatinvestoren nicht über fundierte Kenntnisse im Steuerrecht verfügt, besteht für sie das Risiko durch Untätigkeit ungewollte steuerstrafrechtlich relevante Tatbestände zu verwirklichen“, so Himmer und Sandner.

          Manche müssten Hunderte von Seiten an Unterlagen erstellen, weil nicht alle Plattformen eine Datenaufbereitung für Steuerzwecke anbieten. Auch Steuerberater seien häufig technisch mit größeren Datenmengen überfordert.

          Zudem seien so schwierige Fragen zu beantworten, wie etwa ob das LIFO- oder das FIFO-Prinzip anzuwenden sei. Das heißt, ob die verkauften Bitcoin nun die waren, die sie zuletzt oder die sie zuerst gekauft hatten (Grundsätzlich kommt das FIFO-Prinzip zum Tragen).

          726 Millionen Euro mögliche Steuereinnahmen

          Was sich nach einem Randproblem anhören mag, hat doch eine größere Tragweite, als man vielleicht zunächst annehmen möchte. Sandner und Himmer schätzen die Zahl der Betroffenen „konservativ“ auf 400.000. Zudem steige sie rasant.

          Auf Grundlage des Anstiegs der Marktkapitalisierung aller Digitalwährungen, einem nach Datenverkehr geschätzten deutschen Anteil von etwa 3,5 Prozent und der Annahme, dass 15 Prozent der Wertzuwächse  steuerpflichtig seien, kommen die Forscher auf eine Steuergrundlage von 2,42 Milliarden Euro, was bei einem durchschnittlichen Steuersatz von 30 Prozent, 726 Millionen Euro zusätzliche Steuereinnahmen für 2017 bedeuten. Das wären immerhin rund ein Prozent des Einkommensteueraufkommens des Jahres 2016.

          Ob indes die theoretisch mögliche Summe an Steuern realisierbar ist, ist fraglich. Denn der Handel mit Kryptowährungen ist nicht reguliert und es dürfte den Finanzbehörden schwer fallen, etwa von fernöstlichen Handelsplätzen relevante Unterlagen zu erhalten. Ob sich Zahlungen aus Bitcoins bei Steuerpflichtigen herausfiltern lassen, darf gleichfalls bezweifelt werden.

          Sandner hält dem allerdings entgegen, dass die meisten Krypto-Investoren sich nicht strafbar machen wollten. Auch sei nicht auszuschließen, dass die Finanzämter technisch aufholten oder sich doch Steuerdaten von ausländischen Handelsplätzen verschafften. Wer also meint, die Steuer umgehen zu können, sollte sich dies gut überlegen - von moralischen Aspekten einmal ganz abgesehen.

          Auf der positiven Seite heben Himmer und Sandner hervor, dass es mittlerweile spezialisierte Steuerberatungskanzleien gebe und Webapplikationen zur Datenverarbeitung entstünden, die auch für Steuerzwecke genutzt werden könnten. So biete etwa das Münchner Unternehmen Cryptotax eine Online-Lösung zur Ermittlung der Besteuerungsgrundlage.

          Handlungsbedarf sehen sie hinsichtlich der steuerrechtlichen Einordnung der Veräußerungsgewinne und der Regulierung der Plattformbetreiber zur Datenaufbereitung für Steuerzwecke. Erst dadurch könne sich der Staat die Steuereinnahmen sichern, aber vor allem Klarheit für die  Anleger schaffen.

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