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Neue Cholesterinsenker : Das Blut wird effizient entfettet

  • -Aktualisiert am

Viel wurde schon entwickelt; jetzt ist ein neuer Hoffnungsträger in Sicht Bild: dpa

Die Herzkreislaufmedizin hat einen neuen Hoffnungsträger: Eine Klasse von Medikamenten scheint den Cholesterin-Blutspiegel wirksam in die Knie zu zwingen, zeigt eine neue Studie.

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          Die Herzkreislaufmedizin hat einen neuen Hoffnungsträger: Eine Klasse von Medikamenten, die den Blutspiegel des „schlechten“ Cholesterins, des LDL-Cholesterins, noch weiter senkt als die herkömmlichen Mittel und daher, so zumindest die Hoffnung, möglicherweise auch noch wirksamer vor Herzinfarkten und Schlaganfällen schützt. Zusammengefasst unter dem Begriff PCSK9-Hemmer, hindern die neuen Cholesterinsenker ein Enzym namens PCSK9 daran, die Andockstellen von LDL-Cholesterin auf der Leber zu beseitigen. Die sogenannten LDL-Rezeptoren spielen bei der Entfettung des Bluts eine wichtige Rolle. Denn sie binden LDL-Cholesterin und befördern das „schlechte“ Blutfett anschließend in die Leber, wo es abgebaut wird.

          Dass die neuen Cholesterinsenker den Blutfettspiegel nachhaltig in die Knie zwingen, zeigen unter anderem die Ergebnisse einer aktuellen Studie. Beteiligt waren daran rund 900 im Durchschnitt 55 Jahre alte Männer und Frauen, die auf die gängigen, das Blut entfettenden Arzneimittel, darunter ein Statin, nicht hinreichend ansprachen. Über einen Zeitraum von 52 Wochen wurden die meisten Patienten dann weiterhin mit solchen Medikamenten versorgt, allerdings in jeweils unterschiedlicher Dosierung, und einige lediglich beraten, wie sie den Blutfettspiegel mithilfe einer Ernährungsumstellung vermindern können. Darüber hinaus verabreichten die Studienärzte sämtlichen Probanden alle vier Wochen eine Injektion, die bei 600 Teilnehmern den PCSK9-Hemmer Evolocumab enthielt und bei den übrigen 300 ein pharmakologisch unwirksames Scheinmittel.

          Das letzte Wort fehlt noch

          Wie Dirk Blom von der University of Cape Town in Südafrika im „New England Journal of Medicine“ (Bd. 370, S. 1809) und seine Kollegen berichten, verringerte sich der LDL-Cholesteringehalt im Blut der mit Evolocumab behandelten Teilnehmer im Mittel um 57 Prozent gegenüber dem Ausgangswert. Am Ende der Studie lag er in diesem Kollektiv durchschnittlich bei 45 bis 64 Milligramm pro Deziliter Blut - und das unabhängig davon, ob die Patienten noch weitere Cholesterinsenker eingenommen hatten und falls ja, in welcher Dosierung. Was die Häufigkeit von Nebenwirkungen angeht, wurde Evolocumab offenbar nicht schlechter vertragen als ein Placebo. Jedenfalls erlitt in beiden Gruppen ein vergleichbar großer Anteil der Probanden, und zwar vier bis fünf Prozent, schwere Komplikationen, die allerdings nur in einem Viertel der Fälle einen Studienabbruch zur Folge hatten. Aufgrund der kurzen Beobachtungszeit ist das letzte Wort hier freilich noch nicht gesprochen. Noch nicht beantworten lässt sich ferner, ob eine so weitreichende Reduktion des Cholesterinspiegels im Blut tatsächlich vor der Arteriosklerose und ihren Folgen, darunter Herzinfarkte, schützt, und wie gut der Körper einen so geringen Blutfettspiegel toleriert.

          Eine gewisse Beruhigung stellt für Experten dabei die Beobachtung dar, dass ein genetisch bedingter Mangel an PCSK9 offenbar keine Gesundheitsschäden verursacht - eher im Gegenteil. Wie Eberhard Windler von der Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel des Alterns am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf bemerkt, erkranken Personen mit einer solchen Mutation sehr viel seltener an arteriosklerotisch bedingten Herzleiden als solche ohne diesen Defekt. Insofern sei die PCSK9-Hemmung eine „geniale, biologisch geprüfte, sichere und effektive Art, das LDL-Cholesterin zu senken, und zwar in Bereiche, die den physiologischen am nächsten kommen“. Ein Wermutstropfen ist dabei allerdings noch, dass die PCSK9-Hemmer, von denen sich neben Evolocumab derzeit noch etliche weitere in der klinischen Erprobung befinden, injiziert werden müssen.

          Laut Windler dürfte es allerdings nur eine Frage der Zeit sein, bis sie auch in Tablettenform vorliegen. Zuvor muss freilich erst der Nachweis gebracht werden, dass die neuen Mittel nicht nur therapeutisch wirksam, sondern auch sicher sind. Denn die Herzmedizin hatte schon unzählige Stars, die sich später als Sternschnuppen entpuppt haben und vorzeitig verglüht sind.

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