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Weihnachtsbäume aus Kunststoff : Alle Jahre wieder - kommt derselbe Baum

Sie nadeln nicht, brennen nicht so leicht und sind kostensparend: In Kaufhäusern stehen nur künstliche Weihnachtsbäume. Auch in die deutschen Wohnzimmer halten sie Einzug. Bild: Wonge Bergmann

Wer sucht denn jetzt noch nach einem Weihnachtsbaum? Praktisch denkende Leute holen den vom vergangenen Jahr aus dem Keller. Es werden offenbar immer mehr.

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          Einige wenige Lebensbereiche sind fest in der Hand der Traditionalisten. Die rühren eine Weinflasche nicht an, wenn sie nicht mit einem Naturkorken verschlossen ist. Dass es für den Wein und seine Trinker Besseres gibt, interessiert sie nicht. Den Weihnachtsbäumen scheint bisher ein ähnliches Schicksal beschieden: In diesen Tagen suchen an jeder Ecke verzweifelte Menschen nach einem Exemplar aus echtem Holz, das einigermaßen gerade gewachsen und auch noch erschwinglich ist.

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Leute, die es mit Konventionen nicht so genau nehmen, haben es da deutlich einfacher. Sie wohnen zum Beispiel in den Vereinigten Staaten und holen ihr Exemplar vom vergangenen Fest aus dem Keller. Nach den Feiertagen wird es dort wieder verstaut - bis zum nächsten Jahr. „We have an artificial Christmas tree (wir haben einen künstlichen Weihnachtsbaum)“ war beim Soldatensender AFN einst „German phrase of the day“.

          Hierzulande tut man sich mit Artifiziellem noch schwer. Zaghaft erst, aber deutlich erkennbar, kündigt sich aber ein Wandel an. Im Online-Handel und in Baumärkten gibt es eine zunehmende Auswahl an Tannen aus Metall und Kunststoff - Glitzerkram mit falschem Schnee aus der Billigabteilung, aber zunehmend auch hochwertige Produkte, die nicht nur auf den ersten Blick einem echten Baum täuschend ähnlich sehen.

          Um einen Draht wird der Kunststoff gespritzt. So entsteht ein Ast. Bilderstrecke
          Um einen Draht wird der Kunststoff gespritzt. So entsteht ein Ast. :

          Wegbereiter sind die Gewerbetreibenden. Die Bäume werden früh im Advent aufgestellt und müssen bis Weihnachten halten, ohne zu nadeln, sagt Tobias Hallert, der unter dem Markennamen Eurogreens künstliche Nadelbäume herstellt und vertreibt. Brandschutz ist ein weiterer Grund, im Einzelhandel aufgestellte Weihnachtsbäume müssen schwer entflammbar und selbstverlöschend sein. Das wird mit flammenhemmenden Zusätzen im Kunststoff erreicht.

          Hallert lässt, wie seine Wettbewerber, die Bäume in Fernost herstellen, sie werden aber vom deutschen TÜV auf gesundheitliche Unbedenklichkeit und Brandschutz überprüft. Das ist so ungewöhnlich wie der Direktvertrieb. Die meisten Hersteller künstlicher Weihnachtsbäume, die beispielsweise unter den Marken Snowtime, Tropal, Buri oder Trendisland angeboten werden, vertreiben über die großen Online-Plattformen.

          Direktverkauf gibt es aber auch von Royal Christmas. Das Unternehmen aus den Niederlanden bietet seine Produkte außerdem in Gartencentern und Baumärkten in ganz Europa an. Einen Einblick in die verwirrende Vielfalt geben Portale wie www.kuenstliche-weihnachtsbaeume.net oder www.kuenstliche-weihnachtsbaeume.org. Torge Jörrens, der das zuletzt genannte betreibt, sieht einen wachsenden Markt, er verzeichnet zunehmende Verkäufe. Die Bäume aus Kunststoff würden auch in privaten Haushalten immer beliebter, rund 2500 Stück habe er im vergangenen Jahr allein über Amazon vermittelt. Hallert berichtet von einem jährlichen Zuwachs von etwa 20 Prozent vor allem in Deutschland, aber auch im europäischen Ausland.

          Der Nadelgeruch kommt aus der Dose

          Das muss Gründe haben. Tatsächlich vereinen die Bäumchen aus Kunststoff gegenüber den „echten“ eine Reihe von Vorteilen: Zum Beispiel für Allergiker, die auf die in Nadelbäumen enthaltenen ätherischen Öle, Reste von Pestiziden und Schimmel empfindlich reagieren. Ungeziefer wie Zecken transportiert man auch nicht ungewollt in die Wohnung, zudem gibt es keine Harzflecken auf den Polstern.

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