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Skispringen : Das Geheimnis der „Super-Adler“

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Der Tournee-Favorit: Gregor Schlierenzauer zeigt gleich beim ersten Springen, dass mit ihm zu rechnen ist Bild: AFP

Alexander Pointner bringt Österreichs Skispringern das Fliegen und das Siegen bei. Beim Auftakt der Vierschanzentournee wurde die Erfolgsgeschichte fortgesetzt - und auch vor dem Neujahrsspringen sind die Erwartungen groß.

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          Alexander Pointner hatte Mühe, die Fassung zu wahren. Der Cheftrainer der österreichischen Skispringer war mal wütend, mal enttäuscht, mal verzweifelt. Er nennt seine Springer gerne „Super-Adler“. Doch der dichte Schneefall und der ständig wechselnde Wind, der den Auftakt der Vierschanzentournee am Freitagabend in Oberstdorf anfangs zu einer Lotterie machte, hatten ihnen zunächst die Flügel gestutzt. Und nicht nur ihnen. „Da werden Sportler vorgeführt, die Aushängeschilder unserer Sportart sind“, sagte Pointner und meinte damit wohl vor allem seinen Besten, Gregor Schlierenzauer, der ebenso wie andere Könner zum Opfer der widrigen Verhältnisse geworden waren.

          Doch die Jury hatte ein Einsehen und brach den ersten Durchgang ab. Sehr zur Freude von Pointner. Am Ende eines turbulenten Skisprung-Abends gab es ein Happy End für ihn. Und was für eins: Gregor Schlierenzauer siegte vor Andreas Kofler und Thomas Morgenstern. Nur einer, der Deutsche Severin Freund als Vierter, kam dem Trio nahe. Ein perfekter Auftakt für Österreich. Keine Überraschung. Man hatte es erwartet.

          „Im Skispringen geht es um Angst“

          Alexander Pointner ist ein Mensch, der mit beiden Beinen fest auf dem Boden steht. Dabei hätte er durchaus die Möglichkeit abzuheben. So wie dies seine Sportler von Berufs wegen tun. Überragend tun. Denn seit einigen Jahren dominieren die Österreicher im Skispringen. Bei den Weltmeisterschaften im März in Oslo gingen alle vier Titel an das rot-weiß-rote Team. Bei der Vierschanzentournee siegten in den vergangenen drei Jahren jeweils Österreicher: Wolfgang Loitzl, Andreas Kofler und Thomas Morgenstern. Und so sagt Pointner selbstbewusst: „Wir gehen als Favoriten in die Tournee. Wir erhoffen den Gesamtsieg, aber wir erwarten ihn nicht. Das ist wichtig.“ Vor dem zweiten Springen am Neujahrstag in Garmisch-Partenkirchen sind die Aussichten bestens.

          Dass Schlierenzauer zusammen mit seinen österreichischen Landsleuten Kofler und Morgenstern auf dem Siegerpodest steht, macht die Sache um so schöner

          Diese lange Erfolgsserie hat System. Und für dieses System ist Alexander Pointner verantwortlich. Der Oberösterreicher, der an diesem Sonntag seinen 41. Geburtstag feiert, kümmert sich nicht nur um die physische Form seiner Athleten, sondern auch um die psychische. Vor vier Jahren hat er das „Neuro-Coaching“ eingeführt und den Lerntherapeuten Ulrich Conradi aus Deutschland als Berater hinzugezogen. „Wir haben damit eine Tür aufgemacht“, sagt Pointner. Das Potential sei nach vier Jahren erst zur Hälfte ausgeschöpft.

          Den Anstoß dazu bekam Pointner, als er sich näher mit dem Triumph der deutschen Mannschaft bei der Handball-WM 2007 befasst hat. Basis des Neuro-Coaching ist die Erkenntnis, dass auch das Gehirn wie ein Muskel trainierbar ist. Dies geschieht mit Musik. Durch modulierte Schallwellen werden gewisse Hirnareale aktiviert. Dadurch steigt die Lernleistung. So erweitert sich auch das Gesichtsfeld. Und damit steigt die Handlungsfähigkeit in Stresssituationen. Diese haben die Skispringer bei jedem Sprung, auch wenn sie sich ganz cool geben. „Im Skispringen geht es um Angst“, sagt Pointner. Diese Angst zeigt sich zwar nicht nach außen, aber der Körper registriert sie. Und wer gut damit umgehen könne, könne auch besser entspannen.

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