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Olympische Spiele 2024 : Bach will russische Sportler in Paris

Olympische Spiele in Paris: Lieber sportlicher Wettkampf als kriegerische Auseinandersetzung Bild: picture alliance / abaca

Unabhängig vom Krieg gegen die Ukraine: Der IOC-Präsident plant die Rückkehr russischer Athleten auf die internationale Bühne. Dafür gibt es Kritik aus Deutschland.

          3 Min.

          Thomas Bach ruft zum Gipfel. 32 Teilnehmer lässt der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees diesen Freitag zusammenschalten zum „Olympic Summit“. Es ist eine Veranstaltung, die in der Olympischen Charta nirgends erwähnt wird, unter Bach aber zu einer festen Institution wurde. Seit seinem Amtsantritt 2013 ruft er einmal im Jahr zum Olympischen Gipfel, meist zum Jahresende.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          Einer hat bei diesem Jahresabschluss nie gefehlt: der Präsident des nationalen olympischen Komitees Russlands. Ganz gleich, welche Regeln Russland brach, ob die des Sports mit seinem umfassenden und umfassend verschleierten Doping-Programm oder jene des Völker- und Kriegsrechts: Für den nominell wichtigsten Mann im russischen Sport war und ist Platz in dieser Runde. Sergej Posdnjakow, einst Fechter wie Bach, seit 2018 Präsident des russischen NOK, wird auch in diesem Jahr des russischen Tötens zugeschaltet sein.

          IOC-Präsident Thomas Bach: Russen nach Paris
          IOC-Präsident Thomas Bach: Russen nach Paris : Bild: dpa

          Dabei wird es dieses Jahr maßgeblich um seine Sportler gehen. Am Mittwoch ließ Bach auf einer Pressekonferenz keinen Zweifel, dass russische und belarussische Sportler wieder zu internationalen Wettkämpfen antreten dürfen sollen. Wie und wann, müsse am Freitag beraten werden und in folgenden „Konsultationen“, wie Bach sagte. Einen Zeitplan gebe es nicht. Aber schon die Liste der Fürsprecher, die Bach anführte, sprach Bände. Er zitierte Emmanuel Macron, als Präsident der Französischen Republik Gastgeber der Sommerspiele 2024 in Paris. Macron habe auf dem G20-Gipfel in Indonesien jüngst gesagt, Sport solle nicht politisiert werden, die Spiele in Paris seien für alle gedacht, auch für Sportler aus kriegführenden Staaten.

          Bach war ebenfalls beim G20-Gipfel, er arbeitet seit Monaten an der Rückkehr russischer und belarussischer Athleten. Sie, so die IOC-Logik, werden nicht bestraft für den Angriffskrieg, auch wenn viele als Sportsoldaten ihren Sold aus demselben Etat beziehen wie die Soldaten, die in Butscha, Cherson, Isjum und anderenorts in der Ukraine für Kriegsverbrechen verantwortlich sind. Ausgeschlossen, Bach erinnerte daran, sind russische und belarussische Sportler, um sie zu schützen – vor Anfeindungen und politischer Vergeltung.

          Dieses „große Dilemma“, von dem Bach immer wieder spricht, müsse nun gelöst werden. Seine Marschroute: Die vom IOC gegen die kriegführenden Staaten ausgesprochenen Sanktionen, verhängt wegen „der Verletzung des Olympischen Waffenstillstands“ mit dem Überfall unmittelbar nach Ende der Olympischen Winterspiele in Peking im Februar, bleiben bestehen.

          Präsident des Russischen Olympischen Komitees: Sergej Posdnjakow, einst Fechter wie Bach
          Präsident des Russischen Olympischen Komitees: Sergej Posdnjakow, einst Fechter wie Bach : Bild: picture alliance/dpa/TASS

          Heißt: Keine internationalen Wettkämpfe in Russland und Belarus, keine Hymnen, keine Flaggen. Wladimir Putin bekommt seinen Olympischen Orden nicht zurück. Russischen Sportlern aber müsse Gelegenheit gegeben werden, die „versöhnende Natur des Sports“ auszuleben. Auch während Russland die Ukraine in Schutt und Asche legt. Bach formuliert seine Position unabhängig vom Kriegsverlauf.

          Das Problem: Es fällt immens schwer, russische Sportler, Sportsoldaten zumal, als unpolitische Akteure wahrzunehmen. Olympia wird landläufig als sportliches Kräftemessen von Nationalstaaten wahrgenommen. Den Beleg lieferte Bach am Mittwoch selbst. Er zitierte auch Csaba Kőrösi. Der ungarische Diplomat, einst am Staatlichen Institut für Internationale Beziehungen in Moskau ausgebildet, sagte als Präsident der Vollversammlung der Vereinten Nationen auf der „Plenarsitzung zu Sport für Frieden und Entwicklung“ am 1. Dezember: „Es ist deutlich vielsprechender für die Welt, wenn Nationen auf den Sportplätzen gegeneinander antreten als auf den Schlachtfeldern. Ersteres macht uns nobler und stärker, letzteres hinterlässt Tod und Zerstörung.“ Der naheliegenden Frage, ob die Teilnahme russischer Sportler an Olympia denn keine Teilnahme der russischen Nation bedeute, wich Bach am Mittwoch aus.

          In Berlin will man die Differenzierung offenbar nicht mitmachen. Die für den Sport zuständige Innenministerin Nancy Faeser (SPD) sagte auf F.A.Z.-Anfrage: „Putin führt seinen verbrecherischen Angriffskrieg mit unverminderter Brutalität gegen die ukrainische Zivilbevölkerung. Der Sport sollte in seiner Verurteilung dieses menschenverachtenden Krieges konsequent bleiben. Die olympische Idee steht für Völkerverständigung. Vor diesem Hintergrund ist für uns klar: Es ist nicht die Zeit, Putins Russland zu internationalen Sportgroßereignissen einzuladen. Alle internationalen Sportverbände bleiben in der Verantwortung, sich eindeutig zu positionieren. Es muss beim Ausschluss Russlands von großen internationalen Sportevents bleiben.“

          Ein Teilnehmer an Bachs Gipfel am Freitag war vergangene Woche gefragt worden, wie russische Leichtathleten wieder an internationalen Wettkämpfen teilnehmen können. Sebastian Coe, Präsident des Weltverbandes World Athletics, hatte geantwortet: „Das ist ziemlich simpel. Raus aus der Ukraine.“

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