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Olympische Winterspiele : Die goldene Antwort auf ein Ärgernis

Die deutsche Rodler dürfen sich auch im Staffel-Wettbewerb über Gold freuen. Bild: Reuters

Das deutsche Team gewinnt die Staffel und dominiert die Rodelwettbewerbe bei den Winterspielen in Südkorea – wie schon in Sotschi vor vier Jahren. Selbst die verpasste Medaille von Felix Loch kann die Stimmung nicht trüben.

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          Acht Goldmedaillen hatten deutsche Sportler in Sotschi gewonnen. In Pyeongchang vier Jahre später ist die erste Wettkampfwoche noch nicht einmal vorbei, und es ist schon eine mehr. Die deutschen Rennrodler, vor vier Jahren für die Hälfte der Olympiasiege verantwortlich, gewannen am späten Donnerstagabend zum dritten Mal Gold in Südkorea. Es ist die neunte Goldmedaille der deutschen Olympiamannschaft in sechs Tagen.

          Es war wieder eisig kalt am Alpensia Sliding Centre, aber ein paar Nordamerikaner feierten eine Party wie an den Stränden Floridas und Mexikos zum „Spring Break“, den Semesterferien im Frühling: Oberkörper frei. In der Team-Staffel fahren je eine Frau und ein Mann, schließlich ein Doppelsitzer. Die Piloten schlagen im Ziel gegen eine Klappe, und im Starthaus nimmt die nächste Fuhre die Fahrt auf. Große Favoriten waren die Deutschen, wer sonst, aber sie starteten als 13. und letztes Team und bis dahin vergnügten sich die halbnackten Nordamerikaner untereinander.

          Zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada würde sich entscheiden, wer die Medaille gewinnen wird, die Deutschland und Österreich übriglassen. Die Vereinigten Staaten setzten eine Zeit, lassen Italien hinter sich, die College-Party auf der Tribüne schreit: „U-S-A! U-S-A!“ Die Kanadierin Alex Gough aber ist zunächst schneller, Sam Edney fällt hinter die Nachbarn aus dem Süden zurück. Aber die Doppelsitzer bringen die Kanadier wieder an die Spitze. „Canada! Canada!“, ruft nun die andere Fangruppe auf der Tribüne – und wird noch ein bisschen lauter, als die Österreicher um Olympiasieger David Gleirscher langsamer sind. Silber für Kanada.

          Dann fahren Natalie Geisenberger, Johannes Ludwig sowie Tobias Wendl und Tobias Arlt im Doppelsitzer. Sie sind sehr gut, fehlerlos. Geisenberger hat im Ziel, zum ersten Wechsel, schon zwei Zehntelsekunden Vorsprung, schließlich sind es 35 Hundertstel. „Ich habe in der Mannschaftsbesprechung gesagt: Holt euch das Ding, ihr schafft das. Habt Spaß dabei, fahrt locker runter“, sagt Bundestrainer Norbert Loch anschließend. Locker zu Tal schießen? Das ist nicht leicht zu erkennen bei den Rennrodlern, bei der Geschwindigkeit und den Fliehkräften. Aber wenn es überhaupt „lockere“ Fahrten gibt, dann sind sie den vier Deutschen am Donnerstag gelungen.

          Dabei gab Johannes Ludwig, der am Sonntag überraschend die Bronzemedaille im Einzel gewonnen hatte, hinterher zu, dass ihm im Laufe des Tages doch das ein oder andere Mal der Druck bewusst geworden war, der auf jedem Einzelnen in so einem Teamwettbewerb lastet. „Johannes war die Ruhe selbst, souverän“, sagte der Bundestrainer anschließend. Die Teamleitung der Deutschen hielt sich an das „Gesetz“, wie es Loch nannte: Der beste Einzelfahrer des laufenden Wettbewerbs fährt auch im Team. Sein Sohn Felix Loch, der im Einzel durch einen Fahrfehler im letzten Lauf Gold verloren hatte, musste zuschauen – und gratulierte begeistert.

          Für Ludwig, den Thüringer im ansonsten bayerischen Quartett, hatte die Woche einige unerwartete Überraschungen parat gehalten. „Jetzt habe ich eine Bronze- und eine Goldmedaille, wenn mir das vorher einer erzählt hätte, ich hätte das nicht geglaubt.“ Die deutschen Rennrodler reisen hochzufrieden aus Pyeongchang ab. Sechs Medaillen, eine mehr als in Sotschi, seien „sensationell“, sagte Bundestrainer Loch, der zugleich behauptete, „ab morgen“ auf China schauen zu wollen, auf die Olympischen Winterspiele 2022.

          Auch wenn die Spiele mit dem Patzer Felix Lochs nicht optimal begannen – die deutschen Rodler dürfen sich doch über eine beeindruckende Bilanz freuen.

          Sportdirektor Thomas Schwab sprach davon, dass die Konkurrenz versucht hatte, „die deutsche Mannschaft zu ärgern. Wir haben die richtige Antwort darauf gegeben“. Die sechs Medaillen seien auch wichtig mit Blick auf den kontinuierlichen Fluss der Fördergelder. Wendl und Arlt, die Doppelsitzer, wollen dann wieder dabei sein, Geisenberger will wenigstens noch ein Jahr weiterfahren, und Ludwig ist sich noch nicht schlüssig, ob er nicht mit den Medaillen die Karriere beenden sollte.

          Immerhin kam Geisenberger am Donnerstag schneller durch die Doping-Kontrolle als nach ihrem Einzelrennen am Dienstag. Dort wurde sie stundenlang aufgehalten, weil die Kontrolleure unschlüssig waren, wie der Probenbehälter ordnungsgemäß zu verschließen sei. Bei einer der beiden Probenflaschen habe es Probleme gegeben. Die deutsche Mannschaftsführung war wenig amüsiert, von zu schlecht geschultem Personal war die Rede.

          In Geisenbergers Fall wurde ein Protokoll erstellt, die Kontrolle gilt nun als ordnungsgemäß abgeschlossen. Das Vertrauen in die Sicherheit der Doping-Proben ist allerdings auch unter Rodlern gering. „Wenn man jetzt sieht, was man mit den Flaschen machen kann, dann bin ich froh, dass ich nicht einen positiven Test habe auf einmal“, hatte Felix Loch in der vergangenen Woche im Gespräch mit der F.A.Z. gesagt.

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