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Deutschland in Olympia-Quali : Gleich drei Spiele des Jahres für die Handballer

  • -Aktualisiert am

Auf „Peke“ und „Bambam“ kommt es an: Hendrik Pekeler (l.) und Patrick Wiencek, die „Abwehrkanten“ aus Kiel. Bild: dpa

Freitag Schweden, Samstag Slowenien, Sonntag Algerien: Das deutsche Handball-Team erwartet in der Olympia-Qualifikation Schwerstarbeit. Vor allem auf die „Kanten“ aus Kiel kommt es an.

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          Niemand hat in den vergangenen Tagen darauf verzichtet, den Unterschied zwischen der Lage vor acht Wochen und jetzt zu erläutern. Bei Spielmacher Philipp Weber klang das so: „Wir haben den besten Innenblock der Welt. Das gibt uns extrem Rückenwind.“

          Offenbar ist die Wertschätzung der Kieler Profis Hendrik Pekeler und Patrick Wiencek innerhalb der deutschen Handball-Nationalmannschaft noch einmal gestiegen. Ende Dezember hatten sie mit dem THW die Champions League gewonnen. Vor allem Pekeler hatte damals zwei große Partien abgeliefert. Klar war seinerzeit auch schon, dass die Kieler Abwehrkanten nicht an der WM in Ägypten teilnehmen würden. Am Ende der aus deutscher Sicht enttäuschenden Veranstaltung (Platz 12) hatten die beiden dem Team so sehr gefehlt wie befürchtet.

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          Nun sind „Peke“ und „Bambam“ wieder dabei – und die ganze Gruppe atmet auf. „Wir haben mehr Sicherheit und Stabilität von hinten raus“, sagt Weber, „deswegen werden wir auch besser ins Tempospiel finden.“ Im Gegenstoß waren die Deutschen verglichen mit der Weltspitze besonders schwach in Ägypten.

          Von Freitag an soll alles besser werden. Glaubt man den Beobachtern, ist da ein ganz anderes Team am Werk als zuletzt. „Wir hatten super Trainingseinheiten“, lobte Sportvorstand Axel Kromer, „es tut uns gut, dass wir durch die Rückkehrer mehr Erfahrung haben.“ Neben Wiencek und Pekeler ist ja auch Steffen Weinhold wieder dabei, ebenfalls ein Abwehr-Könner.

          Es wird viel passen müssen, um an diesem Wochenende die Berechtigung zur Teilnahme am olympischen Handballturnier im Juli zu erwerben. Freitag Schweden (15.15 Uhr in der ARD), Samstag Slowenien (15.35 Uhr im ZDF), Sonntag Algerien (15.45 Uhr im ZDF): Viel kniffliger geht es kaum. Die ersten beiden qualifizieren sich.

          „Habe die Tage rückwärts gezählt“

          Ob Kromer, die Spieler oder Bob Hanning, der scheidende DHB-Vizepräsident, jeder hatte zuletzt einmal darauf hingewiesen, wie wichtig es wäre, dass sich der deutsche Handball in Japan präsentiert. Fördergelder des Bundes hängen dran, der deutsche Handball bekäme ein Schaufenster, um für sich zu werben, und nicht zuletzt schließt ein Zeitfenster, das Hanning aufmachte, als er 2013 sagte, der DHB wolle Gold in Tokio. Hinter diesem Ziel hat sich die Nationalmannschaft lange versammelt. Aber drei Bundestrainer und viele Misserfolge zeigen, dass längst nicht alles nach Plan lief bei der selbsternannten Nummer zwei hinter dem Fußball.

          Nur gut, dass Bundestrainer Alfred Gislason solche Begleitumstände, Störgeräusche und Erwartungshaltungen wenig kratzen. Vollkommen fokussiert auf die Aufgabe wirkt er in der Berliner Woche: „Ich habe die Tage rückwärts gezählt, dass es endlich losgeht.“ Man spürt, wie viel leichter ihm das Wirken fällt, wenn da erfahrene, gestählte Leute sind. „Die Rückkehrer verstärken die Mannschaft enorm“, sagt er, „alle wissen, was auf dem Spiel steht.“

          Gislason ist kein Coach, der gern und gut mit Talenten oder unerfahrenen Spielern arbeitet. In Ägypten erschien er einige Mal überrascht, wie hilflos sein Team war, und zwar nicht nur in der Abwehr mit dem überforderten Sebastian Firnhaber. Den Erlanger hat Gislason für die Spiele des Jahres gar nicht erst nominiert.

          Nun soll der Kieler Block gemeinsam mit dem „Unterschiedstrainer“ dafür sorgen, in der Hauptstadt gegen starke Schweden und Slowenen zu bestehen. Die Skandinavier haben traditionell gute Torhüter, sie führten bei der WM das beste Tempospiel auf und der Flensburger Jim Gottfridsson ist ein Spielmacher, wie Gislason ihn gern hätte. Für Slowenien treten Profis an, die bei Barcelona oder Veszprem regelmäßig in der Champions League auftreten und im Nationaltrikot von Trainer Ljubomir Vranjes bestens vorbereitet werden. Unmöglich, einen Favoriten auszumachen – der wohl Deutschland geheißen hätte, wären Zuschauer in der Max-Schmeling-Halle zugelassen.

          „Variabilität im Angriff als Riesenplus“

          Was bei der Freude über die erwartete Qualität in der Abwehr übersehen wird: Vorn kehrt bei den Deutschen auch einiges zurück, was für mehr Klasse und Breite sorgen könnte. Der Berliner Fabian Wiede stand bei der WM 2019 im All-Star-Team, war seitdem häufig verletzt, ist nun wie Weinhold auf der Linkshänderposition im Rückraum wieder dabei. Auf der anderen Seite kommt Sebastian Heymann aus Göppingen dazu. Der wuchtige Shooter, der auch in der Abwehr spielen kann, stand zuletzt in der Bundesliga für den Aufschwung seines Vereins. „Die neue Variabilität im Angriff ist ein Riesenplus“, sagt Regisseur Philipp Weber.

          Der langjährige Stammtorwart Andreas Wolff wird zunächst gegen Schweden fehlen. Gislason berief ihn nicht in den Kader. Dort sind Johannes Bitter und Silvio Heinevetter dabei. Nicht im Aufgebot steht zudem Aufbauspieler Juri Knorr. Drei Spiele in drei Tagen: Welch ein Programm. Gislason lebt vor, wie man solch eine Aufgabe angehen muss: „Wir freuen uns drauf.“ Er möchte den Eindruck von Ägypten unbedingt verwischen. Der Grund seiner Zuversicht: Die Mannschaft, die seine Pläne umsetzen soll, ist eine andere als im Januar.

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          Schwedens Top-Torjäger Wanne fällt aus

          Schwerer Schlag für Schwedens Handballspieler: Top-Torjäger Hampus Wanne fällt für das Olympia-Qualifikationsturnier in Berlin kurzfristig aus. Wie der Verband mitteilte, musste der Linksaußen der SG Flensburg-Handewitt aus persönlichen Gründen abreisen und wird dem WM-Zweiten damit schon im Auftaktspiel gegen die deutsche Mannschaft nicht zur Verfügung stehen.

          „Es fühlt sich wirklich schwer an, nicht in der Lage zu sein, das olympische Qualifikationsturnier zu spielen. Darauf habe ich mich seit langem gefreut. Die Situation ist aber gerade so, dass ich zu Hause mehr gebraucht werde“, sagte Wanne, der bei der Weltmeisterschaft im Januar in Ägypten mit 53 Toren drittbester Werfer des Turniers war und ins Allstar-Team gewählt wurde.

          „Ich hätte in dieser Situation genau die gleiche Wahl getroffen. Es gibt wichtigere Dinge im Leben als Handball. Wir werden in dieser Situation unser Bestes geben und nicht nur für Schweden, sondern auch für Hampus spielen“, sagte Schwedens Nationaltrainer Glenn Stolberg. Er nominierte den Wetzlarer Emil Mellegard nach. (sid)

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