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Sorgen nach Estland-Spiel : Corona-Fall im Handballteam

  • -Aktualisiert am

Mehr als ein Abwehrbrocken: Finn Lemke bringt sich im Nationalteam häufiger in der zweiten Welle ein. Bild: Jürgen fromme /firo Sportphoto

Die Befürchtungen waren immer da, nun gibt es auch bei den deutschen Handball-Nationalspielern einen Corona-Fall nach dem Spiel in Estland. Die Folgen für den dichten Terminplan sind noch unabsehbar.

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          Die Befürchtungen waren von Anfang an da, sie haben sich bewahrheitet. Die erste Länderspielreise der deutschen Handballspieler während der zweiten Pandemie-Welle wird von einem positiven Test eines Nationalspielers überschattet. Etwas mehr als 24 Stunden nach dem 35:23-Sieg in der Europameisterschafts-Qualifikation in Tallinn gegen Estland wurde ein Mitglied der DHB-Auswahl positiv auf das Coronavirus getestet, wie der Deutsche Handballbund (DHB) am Montagabend mitteilte.

          Der Spieler habe sich in Isolation begeben und weise derzeit keinerlei Symptome auf, einen Namen nannte der DHB nicht. Zudem empfahl der Verband, dass alle unmittelbaren Kontaktpersonen vorerst nicht am Trainingsbetrieb in ihren Vereinen teilnehmen. Dabei steht schon an diesem Mittwoch der nächste Spieltag in der Bundesliga an – und im deutschen Nationalteam hatten diesmal ausschließlich Bundesliga-Profis gestanden.

          Der positiv getestete Spieler hat sich bereits am Montag einem Nachtest unterzogen, dessen Ergebnis am Dienstag erwartet wird. Anschließend will der DHB weitere Informationen bekanntgeben. Doch schon jetzt dürfte der positive Test die ohnehin vorhandenen Sorgen im Kreis der Nationalmannschaft und auch der Bundesligaklubs verstärken. Kreisläufer Hendrik Pekeler hatte sich schon vor den Partien in Estland und zuvor gegen Bosnien-Hercegovina in Düsseldorf kritisch zur Länderspielwoche geäußert. „Der Fokus lag wenig auf dem Handball. Wir haben uns nur Gedanken darüber gemacht, dass wir gesund durchkommen“, räumte der 29-Jährige am Sonntag nach dem erfolgreichen Spiel in Estland ein und lobte den DHB für seine Maßnahmen. „Es wurde alles für den Schutz der Nationalspieler getan“, so Pekeler.

          Ganz einfach war es für ihn und die anderen nicht – erst kamen die Zweifel, ob der dezimierte Gegner aus Bosnien überhaupt antreten würde. Dann folgte eine Reise nach Estland, die vor allem aus langem Ausharren im Hotelzimmer bestand. Samstag getestet, Sonntag vom negativen Ergebnis erfahren, kurzer Frischluft-Ausflug am Vormittag: Die Vorbereitung auf das Spiel war ungewöhnlich, denn das Abschlusstraining fiel aus. Der Verband wies am Montagabend in seiner Mitteilung lobend darauf hin, dass alle Maßnahmen des Hygienekonzeptes von den Spielern eingehalten worden seien. Trotzdem kam es nun zum positiven Test innerhalb der Nationalmannschaft.

          Was dies für den extrem eng getakteten Handball-Terminkalender bedeutet, ist noch völlig unklar. In neun Wochen soll die Weltmeisterschaft in Ägypten stattfinden. „Man weiß nicht, was einen erwartet bei der WM, und man beschäftigt sich auch noch nicht mit dem Gedanken, wie es im Januar aussehen könnte. Jetzt wird erst einmal wieder zwei Monate in der Bundesliga gespielt“, sagte Rückraumspieler Julius Kühn.

          Spielplan der Handball-WM 2021 in Ägypten

          Für die WM-Vorbereitung war dieser Lehrgang dringend notwendig gewesen. Die EM-Berechtigungsspiele gegen Österreich am 6. Januar in Wien und dem 10. Januar in Köln sind die letzten Tests vor der WM in Ägypten. Am 15. Januar spielt Gislasons Team dann schon in Gizeh gegen Uruguay. Weitere Gruppengegner sind die Kapverden und Ungarn. Trotz der geringen Vorbereitungszeit wollte Bundestrainer Alfred Gislason nicht jammern. „Es war alles schwierig, aber das Positive überwiegt“, bilanzierte er nach den beiden Siegen.

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          Ähnlich sah es Kühn, der gegen Estland mit neun Toren herausgeragt hatte. „Es war eine besondere Woche unter diesen Umständen und nicht leicht, aber wir haben professionell arbeiten können und viel Input von Alfred bekommen.“ Das könnte aber nun wieder in den Hintergrund rücken. In Zeiten der Coronavirus-Pandemie fällt es den Spielern sichtlich schwer, sich auf den Sport zu konzentrieren.

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