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Handball-WM : Strobels emotionale Botschaft aus dem Krankenbett

  • Aktualisiert am

Der verletzte Martin Strobel kann nur noch vom Krankenbett aus die Daumen drücken. Bild: Picture-Alliance

Nach einer schweren Verletzung ist die Handball-WM für Martin Strobel beendet. Nun meldet er sich aus der Klinik. Vor dem Spiel gegen Spanien stellen sich für die Deutschen mit Blick aufs Halbfinale einige Fragen.

          WM-Pechvogel Martin Strobel hat sich nach seiner schweren Knieverletzung via Instagram aus dem Krankenhaus gemeldet. „Ich bin sprachlos über die vielen Nachrichten und Genesungswünsche“, schrieb der 32-Jährige unter ein Foto, das ihn im Krankenbett zeigt: „Danke Berlin und Köln, dass ich das mit diesem TEAM erleben durfte. Der Weg ist noch nicht zu Ende, Männer!“

          Handball-WM 2019

          „Die Operation ist gut verlaufen. Es geht mir den Umständen entsprechend gut“, sagte der schwer verletzte Spielmacher dem SID und bezifferte seine Ausfallzeit auf sechs bis acht Monate. „Jetzt heißt es, sich Zeit für die Reha zu nehmen und die Ratschläge der Ärzte zu befolgen.“ Der Weg zurück aufs Parkett habe für ihn „höchste Priorität“. Seine Zukunft in der Nationalmannschaft ließ Strobel offen. „Darüber mache ich mir noch keine Gedanken. Ich muss erst mal wieder auf die Beine kommen und gesund werden“, sagte der 32-Jährige, der erst kurz vor der Heim-WM reaktiviert worden war. „Sport kann unglaublich schöne, aber auch extrem harte und traurige Momente haben“, sagte Strobel. Seine Erfahrung und sein Alter würden ihm dabei helfen, die Verletzung besser einzuordnen. „Wir setzen uns diesem Risiko täglich aus und müssen damit zurechtkommen, wenn dann mal so etwas passiert. Es gibt keinen guten Zeitpunkt dafür“, sagte Strobel.

          Der Regisseur hatte sich im Hauptrundenspiel der deutschen Mannschaft gegen Kroatien (22:21) bereits in der neunten Minute ohne gegnerische Einwirkung das linke Knie verdreht. Die Ärzte diagnostizierten einen Innenbandriss und einen Riss der vorderen Kreuzbandes. Als Ersatz für den Spielmacher des Zweitligavereins Balingen-Weilstetten hat Bundestrainer Christian Prokop den 22 Jahre alte Tim Suton vom Bundesligaklub TBV Lemgo nachnominiert.

          Die deutschen Handballer sind derweil vor dem abschließenden Hauptrundenspiel gegen Spanien am Mittwochabend (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Handball-WM und in der ARD) längst für das Halbfinale qualifiziert – aber sie wissen immer noch nicht, gegen wen sie am Freitag in Hamburg überhaupt spielen. Sicher ist nur, dass es Norwegen, Dänemark oder Schweden wird. Das somit eigentlich bedeutungslose Spiel gegen Europameister Spanien wird Bundestrainer Christian Prokop dazu nutzen, um ein wenig zu experimentieren und die Kräfte seiner Stammspieler zu schonen. 

          Spielplan der Handball-WM 2019 in Deutschland und Dänemark

          Aber könnte sich das nicht negativ auf den Spielrhythmus auswirken? Und kann die Partie gegen die Spanier nicht auch Einfluss haben, auf wen der WM-Gastgeber danach trifft? Ja, das Spiel kann Einfluss haben. Die DHB-Auswahl ist aktuell Erster ihrer Hauptrundengruppe und würde demnach im Halbfinale auf den Zweiten der anderen Gruppe treffen – den vermeintlich leichteren Gegner. Am liebsten würde die deutsche Mannschaft wohl den Dänen aus dem Weg gehen, dem wohl stärksten Rivalen. Aktuell wäre das der Fall, da die Dänen ebenfalls ihre Gruppe anführen. Dass das nach dem abschließenden Duell mit Schweden am Mittwoch so bleibt, ist am wahrscheinlichsten.

          Verliert Deutschland aber parallel gegen Spanien und Frankreich holt vorher gegen Kroatien mindestens einen Punkt, würde die DHB-Auswahl auf den zweiten Platz zurückfallen – und somit wahrscheinlich auf Dänemark treffen. Mit einem Sieg würde die deutsche Mannschaft dagegen ziemlich sicher als Tabellenerster ins Halbfinale einziehen und dort gegen Schweden oder Norwegen spielen, wenn Dänemark wie erwartet ebenfalls als Erster ins Halbfinale kommt. (Zur Tabelle der beiden Hauptrunden-Gruppen) Bei Punktgleichheit entscheidet der direkte Vergleich über die Plazierung. Gab es ein Remis, wie bei Deutschland gegen Frankreich, entscheidet das Torverhältnis. Ist das auch gleich die mehr erzielten Tore.

          „Wir wollen natürlich eine gute Verabschiedung aus Köln und das Spiel gewinnen“, sagte Prokop. „Ob wir das bis zum bitteren Ende durchziehen, lasse ich aber mal dahingestellt. Das Entscheidende ist für uns das Halbfinale.“ Und das ist ja schon sicher. Es bleibt abzuwarten, ob seine Mannschaft jeden Zweikampf dann auch in diesem Spiel so intensiv führen wird wie in den anstrengenden Partien zuvor. Das Maximum soll dann erst wieder am Freitag herausgeholt werden. Das größte Experiment wird auf der Spielmacherposition stattfinden. Nach der schweren Verletzung von Strobel wird der nachnominierte Suton seine ersten WM-Minuten auf der zentralen Position bekommen. Für den 22-Jährigen bietet die Partie gegen den Europameister die perfekte Bühne, um sich auf allerhöchstem Niveau für das Halbfinale warmzuspielen.

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