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38:24 gegen Saudi-Arabien : Deutschland mit Kantersieg ins Achtelfinale

Hoch überlegen: Deutschland (mit Uwe Gensheimer,l.) besiegt Saudi-Arabien Bild: dpa

Die Handballer erreichen durch einen hohen Sieg über Saudi-Arabien das erste Etappenziel bei der WM. Doch auch in den beiden letzten Spielen der Vorrunde geht es noch um etwas.

          Wieder ein munteres Preisschießen, und eines noch dazu, das die deutschen Handballspieler ein Stück nach vorne brachte bei der Weltmeisterschaft in Frankreich. Mit dem 38:24-Sieg gegen Saudi-Arabien ist die erste Etappe bewältigt, Deutschland steht seit Dienstagabend vorzeitig im Achtelfinale. Allerdings geht es noch um eine günstige Ausgangsposition für die nächste Runde. Die Deutschen streben in Rouen den Gruppensieg an, sie müssen dabei noch zwei Aufgaben erledigen, an diesem Mittwoch gegen Weißrussland, am Freitag gegen Kroatien, dem vermeintlich schwersten Gegner in Rouen. Dann wird die Entscheidung fallen, wohin der Weg für den Europameister und Olympia-Dritten führt. Nach Paris demnächst vielleicht, möglicherweise aber auch nach Montpellier.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Eine Art Tour de France, mit Momenten der Leichtigkeit vor dem erwünschten Gipfelsturm. Das war gegen Chile so und teilweise auch gegen Saudi-Arabien, das ebenfalls kein ernsthafter Herausforderer war. „Das war eine gute Regenerationseinheit“, sagte Bob Hanning, Vizepräsident des Deutschen Handball-Bundes, am Dienstag. Allerdings hatte das Team von Bundestrainer Dagur Sigurdsson doch einige Mühe mit den kleinen, quirligen Angreifern, die der deutschen Verteidigung immer wieder Stiche versetzten mit Schlagwürfen. Und auch Torhüter Silvio Heinevetter öfter auf dem falschen Fuß erwischten.

          So entschied Sigurdsson sich nach 22 Minuten, beim Stand von 15:9, Heinevetter durch Andreas Wolff zu ersetzen, der aber diesmal auch an Grenzen stieß. Und zwei Minuten vor dem Ende wegen einer Prellung, die seinen Einsatz gegen Weißrussland aber nicht gefährdet, das Feld räumen musste. Es war kein Tag, an dem die deutschen Schlussmänner sich auszeichnen konnten. Im Gegensatz zu dem saudi-arabischen Torwart Manaf Alsaeed, der trotz beträchtlicher Körperfülle eine erstaunliche Beweglichkeit offenbarte. So keck Saudi-Arabien bisweilen agierte, so fehlerhaft war andererseits manches Verhalten des krassen Außenseiters, der wie Chile einen unorthodoxen Handballstil pflegt.

          Die Deutschen hatten sich, obwohl gewissermaßen Vertreter einer anderen Handballwelt, nicht dazu hinreißen lassen, Widersacher wie Chile oder Saudi-Arabien von oben herab zu betrachten. Solche Nationen, sagte der Isländer Sigurdsson, müssten ebenfalls ihre Chance bei einer WM bekommen, „diese Spiele gehören einfach dazu“. Allerdings wurde bereits in den ersten Tagen deutlich, dass diese WM von den Europäern dominiert wird - ohne wirkliche Aussicht für Teams von anderen Kontinenten, in die Phalanx der Großen einzudringen.

          „In Europa ist das Geld“, sagt Hanning, „und in Europa ist der Ligabetrieb.“ Soll heißen: Nirgendwo anders hat der Handball eine größere Bedeutung - und damit auch eine höhere Qualität. Qatar zum Beispiel hatte zwar vor der WM 2015 im eigenen Land mächtig aufgerüstet und sich sportliches Knowhow en masse gekauft und war dann auch erst im Finale den Franzosen unterlegen, inzwischen aber scheint der große Schwung verflogen. Eine Folge davon, glaubt Hanning, dass Handballspieler in Qatar selbst kaum gefordert würden. Das wirkt sich seiner Ansicht nach nun in Frankreich aus. „Die machen einen inhaltlichen Fehler“, betont Hanning, „du kannst keinen Wettbewerb ohne Wettbewerb machen.“

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          Chile und Saudi-Arabien hatten zudem kein Interesse daran, ihre Kräfte gegen Deutschland zu verschleudern. Sie konzentrieren sich auf das direkte Aufeinandertreffen am Freitag: Das ist ihr Showdown im Kampf um die Achtelfinalteilnahme. „Ich darf meine Schiffe nicht gegen Deutschland verbrennen“, hatte Mateo Garralda, der spanische Coach der Chilenen, gesagt.

          Deutschland, sozusagen wieder einer der schwereren Dampfer im Handball, nutzte in jedem Fall die Gelegenheit, seine Torbilanz weiter aufzupolieren. Tempo, Tempo, nur nicht nachlassen: Das war die Devise auch am Dienstag, der zwar nicht ganz nach den Vorstellungen der Deutschen verlief, aber immerhin das erwartete Resultat brachte, mit sechs Treffern von Steffen Fäth, der bester deutscher Schütze war. Und nun wachsen die Anforderungen auch wieder, im wahrsten Wortsinn. Die Deutschen freuen sich darauf, nicht mehr in ein Gewusel zu geraten. „Es ist angenehmer“, sagte der Kieler Patrick Wiencek am Dienstag, „gegen gleichgroße Leute zu spielen. Das macht mehr Spaß.“

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