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Deutschlands Handballer : Mit hartem Rock gegen Kroatiens harte Jungs

Erfüllt die Rolle als Randfigur mit neuem Glanz: Rechtsaußen Timo Kastening (Mitte) Bild: Imago

Der Spaß kehrt zurück bei den deutschen Handballern, auch dank Timo Kastening. Ein Schelm, der aus der Deckung kommt – und weiß, was nun gegen Kroatien nötig ist. An der passenden Einstimmung soll es nicht scheitern.

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          Bei all den Gefühlen der Befreiung, von denen die deutschen Spieler nach dem Sieg gegen Weißrussland berichteten, war das von Julius Kühn vielleicht das elementarste: In der Kabine eingeschlossen zu sein, während die Kollegen schon auf dem Weg zurück zum Parkett sind – so etwas Abgründiges schleicht sich vermutlich nicht einmal in die Albträume von Profisportlern. Gut, wenn man später darüber lachen kann, so wie Kühn selbst, als er von einer gewissen „Panik“ berichtete, bis sich der Schlüssel wieder gedreht habe, oder auch Christian Prokop.

          Der Bundestrainer sagte, er habe Kühn „zunächst gar nicht vermisst“. Auch dieser Satz verriet etwas über die große Befreiung, die das deutsche Handballteam nach dem ersten Hauptrundensieg bei der Europameisterschaft verspürte: Gelöstheit, wohin man blickte und hörte. Und ja, auch Vorfreude auf das nächste Endspiel an diesem Samstag (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Handball-EM und im ZDF). Selbst wenn der Gegner Kroatien heißt – oder: gerade deshalb. „Das ist ein Spiel, auf das man sich echt freuen kann“, sagte Timo Kastening am späten Donnerstagabend in der Wiener Stadthalle. „Das wird ein schöner Kampf, und ich glaube, das können wir.“

          Kastening, 180 Zentimeter Unscheinbarkeit, wäre viel eher jemand, den man in der Kabine übersehen könnte, als der kantige Kühn. Seine prominenteste Szene bei dieser EM war bislang jene gewesen, als der Bundestrainer während einer Auszeit im ersten Turnierspiel gegen die Niederlande nicht auf seinen Vornamen kam: „Wie heißt du ...?“ Zugleich aber war auch zu erkennen, dass der Kleinste im Team sich von Match zu Match zu einer festen Größe auf Rechtsaußen entwickelte. Am Donnerstag nun stand er nach dem 31:23 als offiziell gekürter Spieler des Spiels in der Mixed Zone und, zusammen mit Philipp Weber, als Sinnbild für die Entdeckung der stillen Reserven in der Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB).

          Vieles, fast alles war gegen Weißrussland besser gelaufen als vorher bei dieser EM, die Abwehr mit Patrick Wiencek, Hendrik Pekeler und später auch Johannes Golla lief endlich wieder zu Form auf, Torhüter Andreas Wolff zeigte sehenswerte Paraden, die Gegenstöße hatten Tempo und Zug zum Tor – genau das ist der Handball, den Prokop sich vorstellt. „So hat Handballspielen wieder richtig Spaß gemacht“, sagte der Bundestrainer am Freitag, „alle konnten Selbstbewusstsein rausziehen.“

          Aber Kastening und Weber waren diejenigen, mit denen so kaum jemand gerechnet hatte. Kastening, 24 Jahre alt und in der Bundesliga bei Hannover-Burgdorf am Ball, ist zum ersten Mal bei einem Turnier dabei, und im Falle des 27 Jahre alten Weber vom SC DHfK Leipzig gibt es eine kompliziertere Vorgeschichte, was unerfüllte Erwartungen in der Ära Prokop angeht. Bei der EM 2018 gab er eine unglückliche Figur ab, bei der Heim-WM 2019 schaffte er es nicht in den endgültigen Kader.

          Nun, da sich mehr und mehr abzeichnet, dass Paul Drux die Last der Spielsteuerung nicht allein stemmen kann, kommt Weber für den erhofften Sprung ins Halbfinale strategische Bedeutung im Zentrum zu. Gegen Weißrussland verteilte er klug die Bälle, und wenn sich die Gelegenheit bot, warf und traf er auch selbst, vier Tore waren es am Ende. Kastening wiederum erfüllt die Rolle als Randfigur mit neuem Glanz. Rechtsaußen, das war bei der Heim-WM noch eine deutsche Problemzone, Patrick Groetzki außer Form, Tobias Reichmann nicht im Kader und beleidigt nach Amerika abgereist. Reichmann ist nun wieder an Bord, aber für die Flüge in den Kreis ist zuallererst Kastening zuständig.

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