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Hayali im ZDF-Sportstudio : „Ich hätte gern mit Özil über Rassismus diskutiert“

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Löw, Özil, Grindel, Gündogan und Bierhoff (von links) am 19. Mai vor dem Treffen mit Bundespräsident Steinmeier. Bild: dpa

In der Aufbereitung des WM-Debakels wollen sich die entscheidenden Figuren nicht im TV äußern. Nicht nur Özil, auch Löw, Bierhoff und Grindel schlagen eine Einladung ins ZDF-Sportstudio mit Dunja Hayali aus.

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          Der frühere Nationalspieler Mesut Özil sowie Bundestrainer Joachim Löw, Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff und DFB-Präsident Reinhard Grindel haben eine Einladung ins ZDF-Sportstudio ausgeschlagen. Moderatorin Dunja Hayali bedauert die Entscheidung. „Ich hätte gern mit Mesut Özil über Rassismus und auch das Sportliche diskutiert“, sagte die 44-Jährige vor ihrer Premierensendung der „Sport Bild“. Sie hätte „ihn oder auch einen DFB-Funktionär gern begrüßt – Bundestrainer, Teammanager oder Präsident. Aber leider möchte sich keiner bei uns äußern. Alle haben abgesagt“, sagte Hayali. Ihr Gast wird nun Fortuna Düsseldorfs Trainer Friedhelm Funkel sein.

          Erst am Dienstagabend hatte es in Frankfurt nach dem Debakel der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-WM einen Krisengipfel gegeben. Der gemeinsame Auftritt von Grindel und Reinhard Rauball nach dem dreistündigen Treffen mit Löw und Bierhoff hatte Symbolcharakter. Seite an Seite standen der in die Kritik geratene DFB-Boss und der Liga-Präsident vor der Zentrale der Deutschen Fußball Liga (DFL) und dokumentierten damit den nach Wochen der gegenseitigen Vorwürfe vollzogenen Schulterschluss. „Wir haben Joachim Löw und Oliver Bierhoff das Vertrauen ausgesprochen“, verkündete Rauball als wichtigstes Ergebnis des Treffens.

          Löw und Bierhoff können beim Neubeginn nach der WM also auf die Rückendeckung der Bundesliga bauen. „Es war wichtig, dass wir in diesem Kreis zusammengekommen sind. Auch wenn der Anlass kein schöner war“, sagte Rauball und lobte die breit gestreute Diskussion, bei der Löw und Bierhoff ihre Pläne für den Turnaround dezidiert vorgetragen hätten. „Ich glaube, es hat sich gelohnt“, meinte Rauball. Ähnlich empfand es Grindel. „Der DFB und die DFL ziehen an einem Strang“, stellte der DFB-Präsident zufrieden fest. „Das war der intensivste Austausch, den wir in der jüngeren Vergangenheit gehabt haben. Wir waren noch nie so eng zusammen.“

          Details trugen die Protagonisten nicht vor, schließlich wollen Löw und Bierhoff an diesem Freitag erst noch dem DFB-Präsidium konkrete Schritte in der Zukunft mitteilen, ehe am 29. August auch die Öffentlichkeit darüber informiert werden soll. Die grobe Linie ist aber klar. Alle Beteiligten an dem Treffen waren sich darin einig, dass künftig die Trainerausbildung, die Nachwuchsleistungszentren und alle Nachwuchsmannschaften unterhalb der erfolgreichen U21 gestärkt werden müssen. „Da haben wir Sorge, schließlich müssen wir schon an die WM 2022 und die Europameisterschaften 2020 und 2024 denken“, sagte Rauball. Dies habe auch Löw in seinem Vortrag deutlich gemacht. „Wir brauchen wieder echte Spezialisten auf manchen Positionen“, sagte der Bundestrainer.

          Er war gemeinsam mit Grindel in einer schwarzen Limousine vor der DFL-Zentrale vorgefahren. Zuvor hatten sich dort bereits Top-Funktionäre wie Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, Bayer Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler und Schalkes Sportvorstand Christian Heidel eingefunden. Ein klares Zeichen, wie wichtig der Liga ein Neubeginn ist. Schließlich hatten etliche Vereinsvertreter zuletzt heftige Kritik an der Aufarbeitung des WM-Debakels und der Foto-Affäre von Ilkay Gündogan und Özil mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan geübt. Die Bundesliga fürchtet, dass ein Imageschaden der Nationalmannschaft auch auf sie abstrahlt und damit für Werbeverluste sorgen könnte.

          Deshalb wurden nun gemeinsame Anstrengungen verabredet, um den deutschen Fußball wieder auf Weltniveau zu bringen. So soll künftig die Kommunikation zwischen DFB und DFL optimiert werden. Beide Dachorganisationen vereinbarten in absehbarer Zeit ein weiteres Treffen in gleicher Besetzung, um konkrete Felder für eine intensivere Zusammenarbeit zu identifizieren und Verbesserung zu beschließen. Darüber reden wollen Löw, Bierhoff und Grindel aber nicht im ZDF-Sportstudio. Genauso wie Özil, der sich nach seiner Abrechnung und dem Rücktritt via Twitter nicht mehr zum Thema geäußert hat. Am Samstag um 16.00 Uhr (Live bei DAZN) geht es für ihn sportlich mit dem FC Arsenal gegen West Ham United weiter.

          Am Abend moderiert Dunja Hayali erstmals das ZDF-Sportstudio. Sie war zuletzt wegen Nebentätigkeiten etwa bei Verbänden in die Kritik geraten. Zu Beginn der Woche schrieb sie bei Facebook, dass sie ihre Arbeit außerhalb des ZDF „noch selbstkritischer prüfen“ wolle. Das NDR-Magazin „Zapp!“ hatte über die Moderationsauftritte der 44-Jährigen bei Veranstaltungen von Firmen und Organisationen berichtet. Die Debatte gehe ihr nahe, schrieb Hayali. „Mir hat sie klargemacht, wie extrem hoch die Ansprüche an mich sind.“ Hayali betonte, beim ZDF als freie Mitarbeiterin zu sein, also keine Festanstellung zu haben. „Ich zeige meinem Sender an, wenn ich für andere tätig werde.“ Neben ihrer Arbeit beim ZDF moderiere sie „im Schnitt zweimal pro Monat Podiumsdiskussionen oder andere Formate“. Anders als das einige Schlagzeilen suggerierten, handle es sich nicht um Werbeauftritte, oft sei dies auch ehrenamtlich oder sie bitte darum, das vorgesehene Honorar zu spenden. „Zapp“ hatte insbesondere Hayalis Engagement bei einem Kongress der Glücksspiel-Branche – der Deutschen Automatenwirtschaft – ins Feld geführt.

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