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Explosion an Team-Bus : Polizei: Explosionen waren gezielter Angriff auf BVB-Mannschaft

  • Aktualisiert am

Bei einem Anschlag wurde der Mannschaftsbus von Borussia Dortmund erheblich beschädigt. Bild: EPA

Bei der Explosion von drei Bomben am Dortmunder Bus wird ein Spieler schwer verletzt. Die Partie gegen Monaco wird abgesagt. Am Tatort findet die Polizei ein Schreiben.

          Der Fußball ist abermals zur Zielscheibe beispielloser Gewalt geworden. Nach der Explosion von drei Sprengsätzen neben dem Mannschaftsbus von Borussia Dortmund musste das Champions-League-Spiel gegen AS Monaco am Dienstagabend kurzfristig abgesagt werden. BVB-Profi Marc Bartra wurde schwer an der Hand verletzt und noch am Abend operiert. Er habe eine gebrochene Speiche und diverse Fremdkörpereinsprengungen im Arm, sagte ein BVB-Sprecher Sascha Fligge.

          Die Polizei sprach bei einer Pressekonferenz am späten Dienstagabend von einem gezielten Angriff auf das Dortmunder Fußball-Team und ermittelt wegen des Verdachts eines versuchten Tötungsdeliktes. Hinweise auf einen Terroranschlag hatten die Sicherheitsbehörden zunächst nicht. In der Nähe des Tatorts wurde ein mögliches Bekennerschreiben gefunden. Die Echtheit werde „intensiv geprüft“, sagte Staatsanwältin Sandra Lücke am Dienstagabend. „In dem Schreiben wird Verantwortung für die Tat übernommen“, sagte sie.

          Die Spieler warteten zunächst in der Nähe des Hotels und fuhren dann nach Hause. Bilderstrecke

          Die ausgefallene Partie soll bereits am Mittwoch um 18.45 Uhr stattfinden (Live bei Sky und im Champions-League-Ticker bei FAZ.NET). Das legte die Uefa nach Rücksprache mit beiden Mannschaften schnell fest. „Es gab zu morgen keine Alternative“, sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und nannte die Terminierung „eine sehr, sehr unglückliche Situation“. „Die ganze Mannschaft ist in einer gewissen Schockstarre. Wir müssen versuchen, das in irgendeiner Weise zu kanalisieren. Das wird nicht einfach, wir müssen morgen spielen. Solche Bilder bekommst du nicht aus dem Kopf raus“, sagte Watzke. Eine Viertelstunde vor dem geplanten Anpfiff des Viertelfinal-Hinspiels teilte der Fußball-Bundesligaverein mit, dass die Königsklassen-Partie nach den erschreckenden Ereignissen vor dem BVB-Teamhotel nicht stattfinden kann.

          Um 19.15 Uhr – unmittelbar nach der Abfahrt des Fußball-Bundesligavereins vom Teamhotel zum Stadion – waren in der Nähe des Mannschaftsbusses die Sprengsätze in einer Hecke explodiert. Die Sicherheitskräfte suchten die Umgebung mit einer Drohne ab. Wenig später teilte die Polizei mit, dass ein weiterer verdächtiger Gegenstand gefunden worden sei. Dieser stellte sich jedoch „als Müll“ heraus. Das Landeskriminalamt sperrte das Gelände ab und begann mit der Untersuchung des Fahrzeugs.

          Auch Trainer Thomas Tuchel habe die Attacke direkt mitbekommen, berichtete Watzke: „Thomas war natürlich auch geschockt, weil eine der Explosionen wohl direkt an seiner Seite stattgefunden hat.“ Der BVB-Bus wurde an zwei Stellen beschädigt. Auf Bildern war zu erkennen, dass die hinterste Scheibe auf der rechten Seite zersplittert war.

          BVB-Torhüter Roman Bürki berichtete von den Schreckmomenten. „Ich saß in der hintersten Reihe neben Marc Bartra, der von Splittern der zerborstenen Rückscheibe getroffen wurde“, sagte der Profi der Schweizer Zeitung „Blick“. „Der Bus bog auf die Hauptstraße ein, als es einen Riesenknall gab – eine regelrechte Explosion“, sagte Bürki. Dann hätten sich die Spieler geduckt und auf den Boden gelegt. „Wir wussten ja nicht, ob noch mehr passiert.“ Bereits am Mittwoch kommender Woche ist das Rückspiel in Monaco angesetzt. Am Samstag steht für die Borussia das Bundesliga-Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt an.

          Schnell müssen die BVB-Profis ihre Konzentration bündeln: „Ich hoffe das es uns in irgendeiner Weise morgen gelingt, einigermaßen wettbewerbsfähig wieder auf dem Feld zu stehen“, sagte Watzke. BVB-Präsident und Ligapräsident Reinhard Rauball äußerte die Hoffnung, dass das Team zu einer Trotzreaktion fähig sei. „Das wäre das Allerschlechteste, wenn durch eine derartige Handlung heute Abend diejenigen auch noch Erfolg haben, dass die Mannschaft sich beeinflussen lässt. Ich bin überzeugt, dass Trainer und Mannschaft genau den richtigen Weg gehen werden und morgen eine bestmögliche Leistung abrufen werden“, sagte Rauball.

          Große Anteilnahme gab es aus der ganzen Sportwelt: Der FC Barcelona twitterte vor seinem Champions-League-Spiel bei Juventus Turin am Abend: „Unsere ganze Unterstützung für @MarcBartra, @BVB und alle seine Fans“. Auch aus München kamen Nachrichten an die Kollegen im Westen. Bayern-Verteidiger Jérôme Boateng hoffte, dass „alle okay“, seien. Auch Schalke 04 drückte seine Anteilnahme aus. „In solchen Momenten hält man im Revier fest zusammen“, schrieben die Schalker.



          BVB-Stadionsprecher Norbert Dickel informierte die Fans vor Ort: „Es besteht jetzt hier im Stadion kein Grund zur Panik“, sagte Dickel, der von einem „gravierenden Zwischenfall“ sprach. Die Fans wurden aufgefordert, zunächst im Stadion zu bleiben. Die Monaco-Fans skandierten „Dortmund, Dortmund“.

          Der Ort der Explosionen wurde weiträumig abgesperrt. Die Mannschaft sollte zunächst mit einem anderen Bus zum Stadion gebracht werden. Mehrere Spieler hielten sich vor der Unterkunft auf. Nach der Absage kehrte das Team in das Hotel zurück, bevor die Spieler zu ihren Familien fuhren. Das für Mittwoch geplante öffentliche Training wurde abgesagt. Die Polizei ergriff verschärfte Sicherheitsmaßnahmen für die Fußballer beider Mannschaften. „Wir werden alles Menschenmögliche dafür tun, dass das Spiel morgen sicher ablaufen kann“, sagte Dortmunds Polizeipräsident Gregor Lange.

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