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Neues Denken beim FCK : Zurück in anderen Dimensionen

Wie eine verschworene Kreisligamannschaft: Der FCK bildet eine Einheit mit besonderem Zusammenhalt. Bild: Imago

Der 1. FC Kaiserslautern geht mit Demut in die zweite Liga. Trotzdem träumt mancher von hohen Zielen. Ein Grund dafür sind die Verpflichtungen von Weltmeister Durm und Torhüter Luthe.

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          Im Sommer 1999, der deutsche Bundeskanzler hieß seit mehreren Monaten Gerhard Schröder und der Bundestrainer in etwa genauso lange Erich Ribbeck, vermeldete der 1. FC Kaiserslautern einen besonderen Transfer. Einen Weltmeister, einen Weltstar womöglich, mindestens aber einen Weltklasse-Mittelfeldspieler hatte der Klub verpflichtet.

          Pirmin Clossé
          Sportredakteur.

          Von Inter Mailand wechselte Youri Djorkaeff in die Pfalz. Ein Jahr zuvor hatte er noch mit Frankreich die WM im eigenen Land gewonnen und dabei jedes Spiel bestritten. Der FCK war als Aufsteiger zum Gewinn der deutschen Meisterschaft marschiert, in der Folgesaison wurde man immerhin Fünfter. Nun sollte Djorkaeff diesen so glorreichen Klub in eine noch glorreichere Zukunft führen. Es sollte ein Transfer mit Signalwirkung sein – und war letztlich doch eher der Startschuss für den Niedergang.

          Ein Weltmeister, aber kein Weltstar

          Im Sommer 2022, der Bundeskanzler heißt seit mehreren Monaten Olaf Scholz und der Bundestrainer in etwa genauso lange Hansi Flick, hat der 1. FC Kaiserslautern wieder einen besonderen Transfer vermeldet. Wieder ist es ein Weltmeister, diesmal aber kein Weltstar und vermutlich – ohne ihm zu nahe treten zu wollen – auch kein Weltklasse-Außenbahnspieler. Von Eintracht Frankfurt wechselte Erik Durm zu den Pfälzern. Acht Jahre zuvor war er Mitglied der Nationalmannschaft, die in Rio de Janeiro den WM-Titel gewann, allerdings ohne dass er dabei ein Spiel bestritt. Der FCK ist in der Vorsaison über die Relegation in die Zweite Bundesliga aufgestiegen. Nun soll Durm mithelfen, diesen einst so glorreichen Klub zumindest wieder näher an eine glorreiche Zukunft zu bringen. Es ist ein Transfer mit Signalwirkung. Auch diesmal.

          Denn auch wenn der Name Durm im internationalen Fußball-Geschäft sicherlich weniger Gewicht besitzt als seinerzeit der Name Djorkaeff, so ist es doch ein Hinweis darauf, dass sie in Kaiserslautern wieder in anderen Dimensionen denken können. Nach vier Jahren der Tristesse in Liga drei, nach einem Jahrzehnt des Zitterns am finanziellen Abgrund und exakt 20 Jahre nach Djorkaeffs wenig rühmlichem Abschied von den Roten Teufeln, keimt wieder Hoffnung am Betzenberg. An diesem Freitag (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur zweiten Liga, bei Sat.1 und Sky) eröffnet der FCK vor rund 40.000 Zuschauern gegen Hannover 96 die Saison in der zweiten Liga. Das Saisonziel lautet, den Abstieg zu vermeiden. Oder geht doch noch etwas mehr?

          „Die Mannschaft ist sicher einer der Aufstiegskandidaten. Sie haben sich personell gut verstärkt und in allen Mannschaftsteilen enorme Qualität“, sagt FCK-Trainer Dirk Schuster und meint damit: den Gegner. Er hätte allerdings auch gut und gerne von seinem eigenen Team sprechen können. Nicht wenige trauen nämlich auch Kaiserslautern zu, eine gute Rolle zu spielen. Neben Durm kam mit Andreas Luthe, im Jahr zuvor noch Stammtorhüter bei Union Berlin, unter anderen ein weiterer gestandener Bundesliga-Profi. Weitere Transfers sollen folgen. Vor allem aber konnte mit Ausnahme von Torhüter Matheo Raab, der zum Hamburger SV wechselte, der Kern der Vorjahresmannschaft gehalten werden. Und das war schon in Liga drei einer der wichtigsten Schlüssel zum Erfolg.

          Siegerbier von der Tanke

          In und um den FCK hat sich das Gefühl ausgebreitet, dass hier eine Einheit mit besonderem Zusammenhalt entstanden ist. Mike Wunderlich etwa, der im reifen Fußball-Alter von 36 Jahren schon einiges mitgemacht hat, schwärmte davon, dass er so einen Gemeinschaftssinn wie in seinem aktuellen Team „noch nie erlebt“ habe. Nach dem Erfolg in der Relegation gegen Dynamo Dresden machten prompt Videos die Runde, die eher an die Aufstiegssause einer verschworenen Kreisligamannschaft erinnerten denn an den bisweilen blank polierten Profifußball. Angefangen beim Leerkaufen des Biervorrats einer Tankstelle auf der Heimfahrt. Endend mit einer Mannschaftsfahrt nach Mallorca. Begleitet stets von allerhand Liedgut, dass auch in der Fankurve oder der Amateurkabine zu hören ist.

          Natürlich geben sie sich beim FCK Mühe, die im Umfeld schon brodelnde Begeisterung unter Kontrolle zu halten. Von offizieller Seite nimmt niemand höhere Ziele ins Visier als allein den Verbleib in Liga zwei. Erst vor einem Jahr hat der Klub eine Insolvenz in Eigenregie erfolgreich abgeschlossen. Die Vergangenheit bleibt eine stete Mahnung. „Wir sollten demütig an die Sache herangehen“, sagt Sportvorstand Thomas Hengen. Die Zeiten, da sich der FCK mit allzu überbordenden Ambitionen selbst die Zukunft verbaute, sollen endgültig vorbei sein. Es waren die Zeiten, als Youri Djorkaeff auf den Betzenberg wechselte.

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