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Formel 1 : Vettel, der Achtfache

In einer anderen Liga: Sebastian Vettel thront über allen anderen Fahrern Bild: AFP

Sebastian Vettel fährt weiter wie in einer anderen Welt - und bricht mit seinem Sieg in Austin einen weiteren Rekord. Als erster Formel-1-Rennfahrer hat er acht Grand-Prix-Rennen in Serie gewonnen.

          3 Min.

          Er blieb noch einen Moment länger auf dem Podium stehen, mitten in der Sonne. Sebastian Vettel nahm noch einen tiefen Schluck Champagner, die Fans jubelten, dann stemmte er den Pokal in die Höhe, und die Fotografen machten ihre Bilder. Der Weltmeister hat es wieder getan und am Sonntag auch den Großen Preis der Vereinigten Staaten in Austin gewonnen, Romain Grosjean (2./Lotus) und Teamkollege Mark Webber (3./Red Bull) hatten keine Chance.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es war der achte Sieg in Serie von Vettel, seit dem Rennen in Belgien Ende August hat kein anderer Fahrer mehr ein Rennen gewinnen können. So etwas hat es in der Geschichte der Formel 1 noch nie gegeben. Nicht einmal Rekordweltmeister Michael Schumacher ist Vergleichbares gelungen, seine Serie endete 2004 mit sieben Siegen nacheinander. Vettel war ergriffen von der neuen Bestmarke, von der Geschwindigkeit, mit der er gerade unterwegs ist: „Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Wir haben alles gegeben, was wir haben, wir haben nie nachgelassen.“

          Dreißig Grad Celsius, mehr als 100000 Zuschauer auf den Tribünen, Fotografen, die vor Chefvermarkter Bernie Ecclestone und den Cheerleaders der Dallas Cowboys knien, dazu eine kleine Flugschau und überall das im Wind wehende Sternenbanner – das war die Kulisse im Bundesstaat Texas. Und zwei Red Bull-Boliden in Startreihe eins.

          Auf und davon

          Wie zuletzt immer in den vergangenen Wochen zog Vettel sofort auf und davon, als die roten Ampeln erloschen waren. Webber allerdings hatte Probleme, noch vor der ersten Kurve wurde er von Grosjean überholt, kurz danach zog auch noch Lewis Hamilton (Mercedes) an ihm vorbei. Etwas mehr als eine Minute gab die wilde Meute Gas, dann wurde sie schon wieder eingebremst. Adrian Sutil (Force India) griff auf der langen Geraden Pastor Maldonado an, touchierte mit seinem Vorderreifen aber den Frontflügel des Williams – und krachte in die Leitplanke. Für ihn war das Rennen schon beendet, als es gerade erst begonnen hatte.

          Ob Siege oder Sekt: Sebastian Vettel bekommt scheinbar nie genug Bilderstrecke

          Drei Runden dauerte es, bis die Streckenposten die Trümmerteile von der Piste geräumt hatten, dann begann die Show des Weltmeisters. Vom Neustart an kontrollierte er Tempo und Gegner, beschleunigte, wenn es sein musste, zügelte sich, wenn die Pneus zu heiß wurden. „Sebastian, wir wollen möglichst lange auf diesen Reifen fahren, das ist gerade weit wichtiger als der Speed“, funkte sein Renningenieur Guillaume Rocquelin. Schon nach den Trainingssitzungen hatten die Spezialisten der Teams berechnet, dass der schnellste Weg ins Ziel zumindest in der Theorie über einen Reifenwechsel führt. Was manch einem schnell Kopfzerbrechen bereitet hat. Hamilton bekam schon in der Anfangsphase des Rennens zu hören: „Denk an die Reifen!“ Und er antwortete: „Genau das mache ich doch. Ich muss mich hier konzentrieren.“ Webber tauchte längst im Rückspiegel seines Silberpfeils auf, dann stellte der Australier den Heckflügel seines Renners flach, drückte den Knopf des Energie-Rückgewinnungssystems, täuschte links an – und ging rechts vorbei.

          Nur kurze Beunruhigung

          Nach zwanzig Runden holten sich die Ersten frische Reifen ab, Vettel aber blieb weiter auf der Strecke und fuhr erst nach 27 Umdrehungen bei seinen Mechanikern vor. Nach 2,9 Sekunden wurde er mit frischen Pneus wieder auf die Strecke geschickt. Eine Runde später wurde Webber abgefertigt, zwei Runden später Grosjean. Am Kräfteverhältnis an der Spitze änderte sich aber nichts. Zehn Sekunden trennten Vettel und Grosjean, dreizehn Sekunden lag Webber hinter dem Mann an der Spitze. Nur ein Defekt hätte den Deutschen noch aufhalten können.

          Ein Funkspruch zehn Runden vor Schluss machte seinen Gegner wieder Hoffnung: „Hier stimmt irgendetwas nicht“, sagte Vettel. Eine Sekunde kamen seine Verfolger fortan pro Runde näher. Hatte er die Reifen doch zu arg beansprucht? Nein. Das Team gab wieder Entwarnung, die Daten hatten nichts Beunruhigendes gezeigt. Kurz vor dem Ende sicherte sich Vettel deshalb neben der Pole Position am Samstag und dem Sieg am Sonntag auch noch die schnellste Runde des Rennens.

          Starker Hülkenberg

          Ähnlich beeindruckend wie der Auftritt des Weltmeisters war die Leistung eines anderen Deutschen: Nico Hülkenberg. Als Vierter ging er ins Rennen, bis etwa siebzig Kilometer vor dem Ende konnte er sogar Fernando Alonso (Ferrari) hinter sich lassen – und in der letzten Runde wäre Hülkenberg beinahe wieder am Spanier vorbei gegangen, der den Angriff aber konterte. Letztlich blieb es bei Platz sechs für den Sauber-Mann. Trotzdem jubelte sein Team.

          Der Weltmeister aber schien beinahe andächtig in den ersten Momenten nach der Zieldurchfahrt: „Ich bin sprachlos“, sagte Vettel, „wir müssen diese Tage in Erinnerung bewahren. Es gibt keine Garantie dafür, dass alles so bleibt, wie es ist. Ich liebe dieses Team. Unglaublich! Ich liebe Euch, Leute!“ Es war eine Danksagung an all die Helfer im Hintergrund. Und es war zugleich ein erster Aufruf, auf keinen Fall nachzulassen. Die Vorbereitung auf die Saison 2014 hat längst begonnen.

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