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Opel rüstet um : Elektroautos im großen Stil

  • -Aktualisiert am

Ja, ich will: Bei der „Hochzeit“ werden Fahrwerk und Karosserie vereint Bild: Opel

Autobauer Opel hat im Stammwerk die Produktion umgestellt, um E-Autos in Großserie zu fertigen. Obwohl dort Roboter viele Arbeiten erledigen, werden demnächst 300 Stellen entstehen.

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          In den vergangenen Monaten war Opel beziehungsweise Stellantis, wie das Unternehmen jetzt heißt, vor allem wegen des Arbeitsplatzabbaus in den Schlagzeilen. Gut 2000 Mitarbeiter sollen deutschlandweit über Programme wie Altersteilzeit, Vorruhestand oder Abfindungen abgebaut werden. Doch nun gibt es auch wieder positive Nachrichten aus Rüsselsheim. Nach einem umfassenden Umbau der Produktion, an dem rund 1000 Menschen beteiligt waren, sollen dort durch die Wiedereinführung des Zwei-Schicht-Systems 300 neue Arbeitsplätze entstehen. Das sagte Werksleiter Michael Lewald am Donnerstag bei einem Werksrundgang mit Journalisten. Wie viel der Umbau auf die Stellantis-Plattformen gekostet hat, verschweigt das Unternehmen aus Konkurrenzgründen. Es ist lediglich von „Investitionen in signifikanter Millionenhöhe“ die Rede. Erstmals können in Rüsselsheim nun Elektroautos in Großserie produziert werden.

          Angekommen in der Produktionshalle, summt lautlos ein seltsames Gebilde mit vielen blinkenden Lichtern vorbei. Immer an einer dunklen Linie auf dem Boden entlang bis hin zu einer Fertigungsstraße, wo die Ladung gerade gebraucht wird. Es ist eines der fahrerlosen Transportfahrzeuge, von denen Stellantis in den vergangenen Monaten 213 angeschafft hat. Sie können bis zu 25 Tonnen automatisiert vom Lager direkt an die Verarbeitungslinie befördern.

          Noch wuseln zwischen den neuen Elektrofahrzeugen die bisher üblichen Fahrzeuge mit den scheppernden Anhängern umher, denn derzeit befindet sich die neue Produktion noch in der Probephase.

          Effizient und langfristig CO2-neutral

          Während der Werksferien im Jahr 2020 wurde mit den Umbauarbeiten begonnen. Alles schlanker, alles effizienter, alles energiesparender, so lautete die Devise. Und vor allem alles auf der Plattform, die auch in anderen Stellantis-Werken üblich ist. Der neue Opel Astra, der im Herbst vorgestellt und Anfang 2022 ausgeliefert wird, kann ebenso auf der Produktionsstraße gebaut werden wie der Insignia und die DS-Fahrzeuge des Mutterkonzerns Peugeot. Eine weitere Besonderheit besteht laut Lewald in der problemlosen Kombination von Fahrzeugen mit Verbrennermotor und Elektrofahrzeugen. Sie alle schweben hintereinander an den sogenannten Gehängen zur „Hochzeit“, wo Karosserie und Fahrwerk zusammengefügt werden. Das alles findet auf einer Fertigungsstraße statt und sorgt ebenso für Effizienz wie die neue Lackierstraße, in der ebenfalls alle Modelle nach und nach die gewünschte Farbe bekommen.

          Haben dort früher Menschen mit Sprühpistolen agiert, machen diese Arbeit heute ebenfalls Roboter. Auch hier wird von Thilo Richter, dem Chef der Lackiererei, die Effizienz hervorgehoben. Die Roboter versprühen nur so viel Lack, wie unbedingt nötig ist, und zwar so exakt, wie das ein Mensch nicht könne, wie Richter erklärt. So werde weniger Lackfarbe als früher verbraucht und weniger Energie benötigt. Ein wichtiger Schritt auf dem Ziel des Unternehmens, langfristig CO2-neutral zu werden.

          Riesige Hallen, kaum Menschen

          EMP2 (Efficient Modular Platform) nennt sich das neue System, das die Produktion vieler Modellvarianten gleichzeitig ermöglicht. Zudem kann dadurch wieder eine zweite Produktionsschicht eingeführt werden, die zu den 300 neuen Arbeitsplätzen führt – vorausgesetzt, die deutliche Absatzdelle, die als Folge der Corona-Pandemie die Umsätze auf dem Neuwagenmarkt einbrechen ließ, ist bald vorbei. Bei den neuen Kollegen in der Produktion soll es sich allerdings nicht um Neueinstellungen handeln. Stellantis spricht von „Beschäftigten aus Bereichen des Unternehmens, die nicht ausreichend ausgelastet“ seien.

          Wie viele Arbeitsplätze durch die Effizienzsteigerung wegfallen werden, will bei Stellantis hingegen niemand sagen. Es wird wohl eine nicht ganz kleine Zahl sein, denn wer durch die Werkshallen geht, sieht überall die gelben Roboter, die sich zwischen den Rohkarossen bewegen, Teile verbauen und Schweißpunkte setzen. Menschen sind in den riesigen Hallen kaum noch zu sehen. Am Opel-Standort in Rüsselsheim haben einst mehr als 40.000 Menschen gearbeitet. Inzwischen beläuft sich deren Zahl auf gerade noch rund 10.000 Männer und Frauen.

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