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Verbraucherpreise : Krise drängt Kunden in die Discounter

Immer teurer: Im April stiegen die Preise für Nahrungsmittel in Hessen im Vergleich zum März noch einmal um 3,5 Prozent. Bild: dpa

Steigende Preise und der Krieg in der Ukraine drücken auf die Konsumstimmung. Viele Kunden kaufen vorsichtiger und preisbewusster ein. Das spürt vor allem die Lebensmittelbranche.

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          Was Preisanstieg bedeutet, hat Joachim Stoll beim Einkauf seines „Lieblingsquarks“ neulich selbst erlebt. 1,19 Euro kostete das Päckchen, für das er bis vor Kurzem noch 99 Cent an der Supermarktkasse zahlen musste. Ein Plus von 20 Prozent. „Das ist schon happig“, sagt der Vizepräsident des Handelsverbands Hessen.

          Petra Kirchhoff
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Hohe Kosten für Energie und teilweise gestörte Lieferketten drücken in diesem Frühjahr immer mehr auf die Preise. Im April verteuerten sich die Preise für Nahrungsmittel in Hessen im Vergleich zum Vormonat noch einmal um 3,5 Prozent, im Jahresvergleich waren es 7,7 Prozent. Deutlich teurer als im März waren vor allem Butter (plus 13,7 Prozent) sowie Fleisch und Wurst (plus 7,9 Prozent).

          Stoll geht davon aus, dass die gestiegenen Lebensmittelpreise Kunden wieder stärker in die Discounter drängen, also in die Filialen von Aldi, Lidl und Penny. Während Corona hatten in erster Linie die Supermärkte der Handelskonzerne profitiert. Im Lockdown, als auch die Restaurants über Monate geschlossen waren, wollten sich Verbraucher zu Hause etwas Gutes tun, da kam es auf den Euro nicht so genau an.

          „Die Leute kaufen vorsichtiger ein und lassen ein hochpreisiges Filet auch mal liegen“

          Doch diese Verwöhnphase scheint jetzt vorbei zu sein. Nach einer Umfrage des Kölner Handelsforschungsinstituts ECC wollen zwei Drittel der Konsumenten in nächster Zeit beim Einkaufen sparen und größere Anschaffungen aufschieben, beim Lebensmitteleinkauf sei der Einschnitt besonders spürbar.

          Darum bemüht, den Standard zu halten, ohne sprunghaft mehr Geld auszugeben, gab nahezu jeder zweite Verbraucher an, beim Einkaufen öfter zu einer günstigeren Eigenmarke der Handelskette zu greifen statt zu einem Markenartikel. Verbraucher seien verunsichert, viele spürten, dass ihr verfügbares Einkommen schrumpfe, und das habe deutliche Auswirkungen auf das Einkaufsverhalten, zitiert die Deutsche Presse-Agentur einen Vertreter des Marktforschungsunternehmens GfK. Auch Weinhändler klagten bereits über spürbare Umsatzrückgänge.

          In der Rhein-Main-Region tätige Handelsunternehmen wie Tegut und Alnatura oder auch Rewe äußerten sich auf Anfrage nicht zu Veränderungen des Kaufverhaltens in ihren Märkten. Einzelne Metzger bestätigen allerdings die Entwicklung. „Die Leute kaufen vorsichtiger ein und lassen ein hochpreisiges Filet auch mal liegen“, sagt Andi Hoos, Mitinhaber der Metzgerei Hoos mit Geschäften an der Berger Straße und in der Kleinmarkthalle in Frankfurt. Es gehöre nun einmal zur Mentalität deutscher Verbraucher, „dass sie gerne am Essen sparen“.

          Kunden fragen häufiger nach Preisen

          Beim Reisen jedenfalls wollen die meisten keine Abstriche machen. Reiseveranstalter berichten von kräftig gestiegenen Buchungen für den Sommer, die seit einigen Wochen das Niveau vor der Corona-Krise übertreffen. Die Flugzeuge sind schon jetzt wieder voll. Auch im Reisebüro Dannesberger an der Berger Straße haben die Reiseberaterinnen zurzeit gut zu tun. Viele Kunden hätten während Corona gespart und wollten jetzt „endlich“ einmal wieder mit der Familie eine schöne Zeit haben, heißt es. Preiserhöhungen spielen in dem Fall offenbar keine Rolle.

          Auf der anderen Seite reicht offenbar schon die Diskussion über Lebensmittelpreise, um einen empfindlichen Nerv zu treffen. Am Stand von Gretzschel’s Hofladen auf dem Bornheimer Wochenmarkt fragen Kunden inzwischen häufiger nach Preisen, „obwohl vieles gar nicht teurer geworden ist“, wie eine Mitarbeiterin verwundert feststellt. Frische Freiland-Erdbeeren, deren Anbau vom guten Wetter profitiert, kosten inzwischen 2,50 Euro die 500-Gramm-Schale. Vor drei Wochen war es noch doppelt so viel.

          Auch beim Spargel purzeln die Preise. In der Spitze habe das Kilo 26 Euro gekostet, berichtet ein anderer Händler auf dem Wochenmarkt. Inzwischen ist das Kilo bei 7,90 Euro angekommen. Vor ein paar Tagen erst hatte der Bauernverband eine negative Zwischenbilanz zur Spargelsaison gezogen, weil die Landwirte bisher nicht genug von dem Edelgemüse absetzen konnten.

          „Es ist von allem genug da“

          Metzger Hoos spricht von „Jammern auf hohem Niveau“. Es gebe in der Kleinmarkthalle auch weiterhin Kunden, die am Wochenende an seinem Stand für Premium-Fleisch, etwa vom Kobe-Rind, einkauften, „egal, was es kostet“. Am anderen Stand der Metzgerei, der das übliche Sortiment verkauft, achteten die Kunden dagegen mehr aufs Geld.

          „Wenn die Leute am Monatsende 100 Euro weniger im Portemonnaie haben, merkt man das natürlich“, sagt Thomas Reichert, Inhaber der Metzgerei Haxen Reichert in Höchst. Kunden achteten mehr auf Fleisch zu günstigen Einstiegspreisen. Reichert ist überzeugt, dass Themen wie Tierschutz und Flächenstilllegungen angesichts der Preisentwicklung in den Hintergrund treten werden. „Viele Diskussionen werden wir in Zukunft nicht mehr führen“, sagt er. Vielmehr gehe es darum, 80 Millionen Bundesbürger zu „sozialverträglichen Preisen“ satt zu machen. „Sonst haben wir ein Problem.“

          Sven Rohde, Hauptgeschäftsführer vom Handelsverband Hessen, erwartet in diesem Zusammenhang, dass die regionale Verfügbarkeit von Lebensmitteln an Bedeutung gewinnen wird. Er streicht aber auch heraus: „Es ist von allem genug da. Niemand muss Panik haben und mehr kaufen, als er braucht.“

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