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Thorsten Schäfer-Gümbel : „Wir wollen 2014 regieren“

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Wird er 2013 Hessens neuer Ministerpräsident? Der hessische SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel.

Wird er 2013 Hessens neuer Ministerpräsident? Der hessische SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel. Bild: Röth, Frank

Thorsten Schäfer-Gümbel will der nächste Ministerpräsident Hessens werden. Eineinhalb Jahre vor der Wahl Fragen an den SPD-Vorsitzenden, worauf er seine Zuversicht stützt.

          6 Min.

          Sie sind Spitzenkandidat Ihrer Partei für die Landtagswahl Ende nächsten Jahres. Welches Bild haben Sie von Hessen im Jahre 2018, nach Ablauf einer möglichen Regierungszeit unter Ihrer Führung?

          Wir werden dann auf dem Weg zu mehr Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit in Hessen ein großes Stück weiter sein. Wir lassen kein Kind mehr zurück. Wir geben Kindern Zeit und Raum zum Lernen und schaffen damit die Voraussetzungen für eine gute Zukunft. Außerdem wird es wieder Sicherheit und Ordnung am Arbeitsmarkt geben.

          Hehre Ziele. Aber lassen die sich auf Landesebene überhaupt erreichen?

          Gerade in der Bildungspolitik kann man viel verändern. Anders als die Regierung will ich nicht nur Schlagzeilen produzieren, sondern auch Ergebnisse.

          Das ist uns etwas zu abstrakt.

          Ich meine etwa die Ankündigung zur umstrittenen Schulzeitverkürzung G8.

          Aber kommt die angekündigte Wahlfreiheit nicht Ihrer Position entgegen?

          Die Schulzeitverkürzung in der Mittelstufe, also zu der Zeit in der Kinder zu jungen Erwachsenen werden, bleibt falsch.

          Warum, schließlich hat eine straffere Schulzeit auch viele Vorteile?

          Sie nimmt Kindern aber Zeit und Raum, die sie für ihre Persönlichkeitsentwicklung brauchen. Ministerpräsident Volker Bouffier hat mit seinen Äußerungen auf dem CDU-Parteitag nur für ein babylonisches Stimmengewirr gesorgt. Es solle mit einem Mal Wahlfreiheit herrschen, aber nur für Schulen, die selbständig werden - dann sollte sie doch für alle Gymnasien gelten. Bis heute ist die Position der Koalition vollkommen unklar. Sie will nur die Verantwortung für das Thema loswerden. Nein, Menschen, die von Kindern zu jungen Erwachsenen werden, wird durch G8 in der schwierigsten Phase ihrer Entwicklung Zeit und Raum für soziales Lernen genommen. Die Defizite werden noch dadurch verstärkt, dass es in Hessen kaum wirkliche Ganztagsschulen gibt.

          Weil es am Geld fehlt.

          Nein, weil die schwarz-gelbe Landesregierung im Grunde keine Ganztagsschulen will. Um dies zu verändern, braucht es auch einen langen Atem.

          Wesentliche Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt werden Sie jedoch kaum von Wiesbaden aus erreichen können.

          Das sehe ich anders. Man könnte zum Beispiel wie Thüringen sofort ein Vergabegesetz verabschieden, das für fairen Wettbewerb sorgt. Damit könnte öffentliche Förderung etwa daran geknüpft werden, dass die beauftragten Firmen eine gewisse Quote an Leiharbeitern nicht überschreiten. Einen entsprechenden Gesetzesentwurf haben wir im vergangenen Jahr vorgelegt.

          Noch einmal: Die Bildungspolitik der SPD steht für längeres gemeinsames Lernen, bessere individuelle Förderung. Aber stellt die Finanznot dabei nicht eine große Unwägbarkeit dar?

          Gute Bildung - an Schulen, an Hochschulen, im Beruf - ist ein zentrales Anliegen unserer Politik, sie wird über die Zukunftsfähigkeit unseres Landes entscheiden. Geld ist wichtig, aber es darf kein Totschlagargument gegen Zukunftsinvestitionen sein. Allerdings rede ich dann auch über höhere Einnahmen.

          Das heißt, eine Landesregierung unter SPD-Führung würde für Bildung sogar mehr ausgeben, als der Haushalt derzeit vorsieht?

          Es geht in erster Linie um eine sinnvolle Ausstattung der Schulen. Wir müssen die Ganztagsschulen entwickeln, überhaupt eine bessere Sozialarbeit an den Schulen machen. Die Zusammenarbeit zwischen Land und Kommunen muss wesentlich verbessert und die freien Träger müssen stärker einbezogen werden. Dazu müssen wir die Mittel zur Verfügung stellen, um den Anspruch umzusetzen, kein Kind zurückzulassen.

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