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Ausgezeichnete Arbeit: Katharina Iskandar berichtet über Fälle von Rechtsextremismus und Terrorismus im Rhein-Main-Gebiet.

Freizeit und Corona-Vorgaben : Unmut nicht an Ordnungshütern auslassen

Schnee-Treiben: Wenn alles corona-konform abläuft, haben alle ihren Spaß und Polizisten kaum Arbeit. Doch lief es im Taunus etwa zuletzt anders ab Bild: dpa

Gemüter erhitzen sich seit dem Wochenende darüber, wie weit die Akzeptanz der Corona-Vorgaben gehen soll, an einem Schlitten und einem Hang voll Schnee. Manchmal hilft ein Perspektivwechsel.

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          Es gibt Dinge, die treffen die Menschen ins Mark. Im ersten Lockdown war es das Eis auf die Hand, das es trotz erster Sonnenstrahlen nirgendwo gab. Dann lernte die Politik dazu. Immerhin war sie so schlau, den Menschen im Sommer das Grillen zu gestatten – im eigenen Garten wohlbemerkt. Nun entzündet sich die Debatte darüber, wie weit die Akzeptanz der Corona-Vorgaben gehen soll, an einem Schlitten und einem Hang voll Schnee. Mit der Sperrung der Ski- und Rodelgebiete in den hessischen Mittelgebirgen hat man den Menschen offenbar eine der wenigen Freuden genommen, mit denen viele diese letzte triste Ferienwoche zu überbrücken hofften: den Ausflug in weißgezuckerte Höhen.

          Die heftige Debatte darüber, ob das Spaß oder unverantwortlicher Leichtsinn ist, zeigt, wie schmal der Grat ist, auf dem sich die Politik inzwischen bewegt. Es lässt sich dem Bürger kaum noch vermitteln, warum im Sommer auf dem Frankfurter Opernplatz Tausende Menschen feiern durften mit dem Argument, die Party finde ja im Freien statt. Das Rodel-Vergnügen soll jedoch tabu sein. So einfach ist das allerdings nicht. Die Frage nach dem richtigen „Wie“ ist inzwischen zu komplex geworden. Die Erklärungen, die in langer Abwägung zu jeder einzelnen Entscheidung geführt haben, sind zu lang, als dass sie manchmal in Gänze nachvollziehbar sind.

          Schimpfen in den sozialen Netzen

          Oft fehlt aber auch der Wille, sich die Mühe zu machen, tatsächlich die Gründe dafür anzuhören. Sonst würden die, die in den sozialen Netzen immer nur schimpfen, sehen, dass es am Großen Feldberg nicht nur um den Infektionsschutz ging, sondern auch darum, eine Infrastruktur mit Krankenhäusern, Landwirtschaft und Naturschutz aufrechtzuerhalten. Die Akzeptanz vieler Bürger wird nun mit der neuen 15-Kilometer-Bewegungsradius-Grenze in Kommunen mit hoher Inzidenz umso mehr auf die Probe gestellt. Viele empfinden das als „Ausgangssperre light“.

          Die Wut an jenen auszulassen, die diese Regelungen umsetzen müssen, ob auf der Straße oder eben auf dem Rodelhang, kann keine Lösung sein. Kein Polizist, kein Mitarbeiter der Straßenwacht, kein Angestellter eines Ordnungsamtes hat sich diese Situation gewünscht. Vielmehr sind viele von ihnen auch Eltern, die gerne mit ihren Kindern in den Schnee fahren würden. Oder Bewohner aus den hochbelasteten Gebieten, denen es nun versagt ist, weiter entfernte Angehörige zu besuchen.

          Manchmal hilft ein Perspektivwechsel. Das gilt für jene, die meckern, ebenso wie für die, die die Regeln erlassen. Beiden täte ein etwas anderer Blickwinkel gut. Diejenigen, die das umzusetzen haben, sitzen ohnehin zwischen allen Stühlen.

          Katharina Iskandar
          Verantwortliche Redakteurin für das Ressort „Rhein-Main“ der Sonntagszeitung.

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