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Umgang mit Corona : Erlaubt, aber egoistisch

„Letzte Runde“: Nachtschwärmer müssen sich neu orientieren. Bild: Lucas Bäuml

Die Sperrstunden sind kein Allheilmittel. Nicht nur, weil junge Menschen sie zu umgehen wissen. Die Corona-Maßnahmen müssen die Vernunft der Menschen erreichen.

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          Nein, Jungs, so geht es nicht. Nicht alles, was erlaubt ist, ist auch richtig. Kneipenabend am Samstag. Die Bar ist voll, die Musik laut. Hier wird Bier nur in Flaschen serviert. Um 22.57 Uhr schaltet der Wirt die Musik ab und das Licht an. „Sperrstunde, alle raus“, ruft der Wirt. Drei Minuten reichen den jungen Männern am Nebentisch, um den letzten Schluck Bier zu kippen, reichen sogar noch, um eine letzte Runde Tequila zu ordern. Dann verlassen sie die Bar, beschließen aber, weiterzufeiern. Und zwar in Wiesbaden. „Ist da Corona?“, fragt einer. „Nein“, sagt ein anderer.

          Wie falsch er liegt. Corona ist überall. Natürlich auch in Wiesbaden. Nur dürfen dort die Bars und Kneipen länger geöffnet bleiben. Eine Sperrstunde, wie es sie in Frankfurt und Offenbach gibt, ist dort noch nicht eingeführt worden. Aber auch in der Landeshaupt steigen – ebenso wie in anderen Städten und Regionen – die Infektionszahlen, weil viele nicht verstehen, dass die Corona-Maßnahmen nicht dafür gedacht sind, sie zu schikanieren, sondern um sie, vor allem aber die Risikogruppen zu schützen.

          Ja, eine Sperrfrist von 23 Uhr an kann helfen zu verhindern, dass Partys zu späterer Stunde und mit steigendem Alkoholpegel völlig eskalieren und dadurch Corona-Regeln missachtet werden. Aber sie wird nicht verhindern, dass die Menschen auch weiterhin zusammenkommen, um gemeinsam zu essen, zu trinken, zu feiern. Und das muss auch weiterhin möglich sein. Schließlich wollen auch Betreiber von Restaurants und Lokalen die Krise überstehen. Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) will deshalb in der nächsten Woche ein Treffen zwischen Vertretern des Hotel- und Gaststättenverbands sowie dem Gesundheitsamt organisieren, um über die Situation der Gastroszene zu beraten. Gelten muss bei allen Überlegungen, die eventuell angestoßen werden, der Grundsatz: Ausgehen mit Abstand – und mit Verstand.

          Strengere Corona-Maßnahmen allein werden nämlich nicht ausreichen, um die Infektionszahlen zu senken. Es muss gelingen, an die Vernunft eines jeden Einzelnen zu appellieren. Dafür braucht es permanente Aufklärung – abgestimmt auf die unterschiedlichen Zielgruppen. Kinder müssen anders angesprochen werden als junge Erwachsene. Bei jeder Werbekampagne wird sich schließlich auch die Mühe gemacht, die Sprache an die Zielgruppe anzupassen, um die Botschaft zu vermitteln. Genau das sollte auch beim Werben um mehr Rücksichtnahme geschehen.

          Die jungen Männer sind am Samstagabend tatsächlich noch nach Wiesbaden aufgebrochen. Das ist ihr gutes Recht. Egoistisch bleibt es trotzdem.

          Marie Lisa Kehler
          Stellvertretende Ressortleiterin des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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