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Kommentar zu Tempolimit : Langsam der Ruhe wegen

  • -Aktualisiert am

Dauerbelastung: Mit dem Tempolimit will die Stadt Frankfurt die Anwohner von vielbefahrenen Straßen in den Nachtstunden vor zuviel Lärm schützen. Bild: Krause, Astis

Auf einigen Frankfurter Straßen soll es nachts ein Tempolimit geben. Doch es ist fraglich, ob Verstöße auch entsprechend bestraft werden.

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          Lärm und Abgase sind die Kehrseite des Massenwohlstands. Vor 40 oder 50 Jahren konnten sich oft nur der Herr Direktor oder der Herr Doktor ein Auto leisten. Heute fährt schon mancher Abiturient mit dem Golf zur Prüfung. Das Verkehrsaufkommen ist erheblich gewachsen in den vergangenen Jahrzehnten, die Belastung durch Krach und Verbrennungsrückstände ist es ebenfalls. Zunehmend verlangen die Geschädigten Abhilfe, die hartnäckigen Proteste gegen den Fluglärm sind ein Ausdruck davon.

          Die Politik reagiert auf die Forderung nach mehr Ruhe mit Lärmminderungsplänen. Doch wie soll man auf dem Frankfurter Alleenring, der einst eine Prachtstraße war und heute Tag und Nacht vom Verkehr umtost wird, den Lärm reduzieren? Die Frankfurter Stadtregierung von CDU und Grünen will es nun hier und auf vier anderen viel befahrenen Straßen mit einer Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit auf 30 Kilometer in der Stunde versuchen. Allerdings nur während der Nacht.

          Der Verkehr wird nicht zusammenbrechen

          Derzeit gilt in geschlossenen Ortschaften Tempo 50. Doch auf dem Frankfurter Alleenring und den anderen für Tempo 30 ausgewählten Straßen halten sich viele Fahrer nicht an die gültige Begrenzung. Sieben Jahre ist die schwarz-grüne Stadtregierung nun am Ruder. Sieben Jahre hatten sie und ihr jeweils grüner Verkehrsdezernent Zeit, die andauernden Verstöße nennenswert zu unterbinden und damit auch den Lärm zu reduzieren. Es ist ihnen nicht gelungen, beziehungsweise: Sie haben es gar nicht ernsthaft versucht. Man fragt sich, wie sie nun Tempo 30 erzwingen wollen, da sie nicht einmal Tempo 50 durchsetzen konnten.

          Die geplagten Anwohner an der Höhenstraße oder die Krankenhauspatienten an der Lange Straße müssen die Planer nicht groß von Tempo 30 überzeugen. Nicht einfach dürfte es sein, die Autofahrer für das Vorhaben zu gewinnen. Manch einer wird die Maßnahme als reine Schikane empfinden. Ohne Radarkontrollen wird das verschärfte Tempolimit gewiss nicht durchzusetzen sein.

          Der Verkehr jedenfalls wird wegen Tempo 30 während der Nacht nicht zusammenbrechen. Allerdings muss man damit rechnen, dass bald Stimmen laut werden, die eine solche Geschwindigkeitsbeschränkung auch tagsüber verlangen. Die Politik muss bei diesem Thema aufpassen, dass sie nicht überzieht. Denn die Autofahrer sind auch Wähler.

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