https://www.faz.net/-gzg-9bzwe

Bad Hersfelder Festspiele : „Stoffe, die das Publikum interessieren“

Die Schauspieler Christian Nickel und Nina Petri während der Probe von Peer Gynt. Bild: Ly, Martin

Nach dem Rücktritt von Dieter Wedel ist Joern Hinkel als Intendant der Bad Hersfelder Festspiele nachgerückt. Was die Zuschauer in diesem und in den nächsten Jahren erwartet, erzählt er im Interview.

          Sie sind Nachfolger von Dieter Wedel als Intendant der Bad Hersfelder Festspiel. War das in Ihrer Lebensplanung vorgesehen?

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nein. Wenn man lange als Stellvertreter in so einem Amt arbeitet, dann kommt einem natürlich schon manchmal in den Sinn, selbst irgendwann einmal irgendwo Intendant zu werden. Ich habe mich gegen einen solchen Gedanken aber immer etwas gewehrt, weil ich vor allem Regisseur bin und am liebsten mit Schauspielern oder Sängern an Stücken arbeite.

          Kann man das als Intendant nicht mehr?

          Nicht in dieser Weise. Der große Theatermann Dieter Dorn sagte, als er 80 Jahre alt wurde, er habe die Intendantentätigkeit eigentlich nie gemocht, sie aber deshalb ausgeübt, weil er damit sein eigener Herr gewesen sei.

          Dann sind Sie ja jetzt Ihr eigener Herr, nicht wahr?

          Als Intendant möchte ich den Zuschauern vor allem eine große Vielfalt an Regisseuren bieten, die alle ihre ganz eigene Handschrift hinterlassen, von denen ich gleichzeitig auch überzeugt bin, dass sie diese wundervolle, aber auch besonders herausfordernde Spielfläche meistern.

          Die Stadt Bad Hersfeld hat sie in der äußerst schwierigen Situation nach dem Rücktritt Dieter Wedels gefragt, ob sie die Intendanz übernehmen  würden. Haben Sie gezögert?

          Nicht eine Sekunde. Die Festspiele, die mir sehr am Herzen liegen, befanden sich in einer Notsituation. Für mich war es selbstverständlich, in dieser Lage dem Festival zu helfen. Natürlich ist es für mich auch ein persönliches Glück, diese Position jetzt einzunehmen. Doch hat dieses Glück einen bitteren Beigeschmack, weil es auf dem Unglück einer anderen Person beruht.

          Haben Sie mit Wedel über diesen Schritt gesprochen?

          Wir haben sehr intensiv darüber gesprochen. Wir kennen uns schließlich sehr lange. Zuletzt hat er selbst mich als seinen Nachfolger vorgeschlagen und die jetzige Lösung unterstützt.

          Machen Sie sich nach dieser Saison wieder aus dem Staub?

          Nein, das habe ich nicht vor.

          Ursprünglich sollten mit dem „Karlos-Komplott“ nach Schiller die Festspiele eröffnet werden. Warum haben Sie das Stück von Dieter Wedel gekippt?

          Die Antwort liegt schon in der Frage. Es ist ein Wedel-Stück. Es ist ganz auf Wedel und seine Art zu inszenieren zugeschnitten.

          Hatte er das Stück überhaupt schon fertig geschrieben?

          Er hatte es absurderweise eine Woche, bevor der erste Artikel im Zeit-Magazin mit den Vorwürfen gegen ihn erschien, abgeschlossen. Das Stück ist fertig, ich finde es großartig.

          Warum spielen Sie es dann nicht?

          Dieter Wedel hat sich zum Rücktritt entschieden, nicht zuletzt zum Wohl der Festspiele. Es war damit klar, dass er das Stück nicht würde inszenieren können. Wenn aber er es nicht inszeniert, wer sollte es dann? Ich halte es für unmöglich, ein Wedel-Stück ohne Wedel für die Bühne einzurichten. Ohnehin: Würde Wedel das Stück in dieser Situation inszenieren, würde es nicht unvoreingenommen und angemessen beurteilt werden können, sondern immer nur im Zusammenhang mit seiner Person und seinem Fall.

          Wie war die Reaktion auf ihre Ernennung zum Intendanten und die Absetzung des „Karlos-Komplotts“?

          Ich habe am Tag 500 Anrufe und Mails von überall her bekommen. Fast alle haben sie ihr Unverständnis über die Behandlung Wedels in manchen Medien kundgetan.

          Was war mit den Schauspielern?

          Weitere Themen

          Nach der Antike und nach der Natur

          Festival „Tanz im August“ : Nach der Antike und nach der Natur

          Von Zusatzjobs bis zur Arbeitslosigkeit: In der Uraufführung von Jérôme Bels „Isadora Duncan“ erfährt der Zuschauer Dinge über die Arbeitsbedingungen der Tänzer, nach denen er nie zu fragen gewagt hätte.

          Topmeldungen

          Der britische Premierminister Boris Johnson

          Brief an Tusk : Johnson will Brexit-Deal neu verhandeln

          Bisher wollte der britische Premier sein Land auch ohne Deal aus der EU führen. Nun schreibt er an EU-Ratspräsident Tusk, ein Austrittsabkommen habe „oberste Priorität“. Zugleich fordert er, die Backstop-Regelung zu streichen – und schlägt Alternativen vor.
          „Fridays for Future“-Demonstration vom vergangenen Freitag in Berlin

          „Fridays for Future“ : Glaube an die eigene Macht

          Eine Studie zeigt, wie die Demonstranten der „Fridays for Future“-Proteste ticken. Was ihre Motive sind, welchen sozialen Hintergrund sie haben – und für welche Parteien sie stimmen würden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.