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Streik in Hessen : Busfahrer streiken unbefristet

  • -Aktualisiert am

Die Gewerkschaft Verdi hat für kommende Woche einen unbefristeten Streik bei privaten Busunternehmen angekündigt. Bild: dpa

Ab Montag werden voraussichtlich viele Busfahrer ihre Arbeit niederlegen. Ausfälle sind vor allem in Städten zu erwarten. Die Tarifparteien liegen weit auseinander.

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          Von Montag an werden voraussichtlich viele Busfahrer in Hessen die Arbeit niederlegen. Die Gewerkschaft Verdi hat einen unbefristeten Streik bei privaten Busunternehmen angekündigt. Betroffen sein werden nach Angaben von Verdi-Streikleiter Jochen Koppel Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet mit den Städten Darmstadt, Hanau, Maintal und Offenbach sowie Marburg, Gießen und Fulda und darüber hinaus der Main-Kinzig-Kreis. In Wiesbaden werden dagegen die Busse weiter fahren, weil hier die Fahrer nach einem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst bezahlt werden.

          Zum Streik aufgerufen hat die Gewerkschaft die Mitarbeiter von 20 hessischen Omnibusunternehmen. Momentan sei schwer absehbar, welche Buslinien und wie viele Busse vom Streik betroffen sein werden, sagte ein Sprecher des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV). Auf der Seite www.rmv.de würden die Ausfälle so schnell wie möglich vermeldet. In Frankfurt dürften nach einer Voraussage des städtischen Nahverkehrsunternehmens Traffiq fast alle Buslinien bestreikt werden. Denn hier sind viele Fahrer gewerkschaftlich organisiert.

          RMV appelliert an die Tarifparteien

          Dagegen finden sich in den kleinen und mittelständischen Busunternehmen, die oft für den Verkehr in Landkreisen zuständig sind, oft nur vereinzelt Gewerkschafter. Deshalb ist damit zu rechnen, dass vor allem in den größeren Städten des Ballungsraums Busse ausfallen. In dem Tarifkonflikt ist der RMV allerdings kein Verhandlungspartner. Vielmehr handelt es sich um eine Auseinandersetzung zwischen Verdi und den Verkehrsunternehmen, die im Landesverband Hessischer Omnibusunternehmen organisiert sind.

          Dass der Streik ausgerechnet am ersten Schultag nach den Weihnachtsferien beginne, sei für die Fahrgäste äußerst ärgerlich, sagte der RMV-Sprecher. Der RMV appellierte an die Tarifparteien, umgehend an den Verhandlungstisch zurückzukehren, und brachte eine Schlichtung ins Gespräch. Der Tarifkonflikt zwischen der Deutschen Bahn AG und der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer zeige aktuell, dass eine solche Schlichtung Bewegung in Verhandlungen bringen könne.

          Die Tarifkommission von Verdi hatte Ende 2016 nach sieben Verhandlungsrunden ein Angebot der Arbeitnehmer zurückgewiesen und die Tarifverhandlungen für gescheitert erklärt. Strittig sind vor allem der Ecklohn, der Urlaubsanspruch und die betriebliche Altersversorgung. „Hier liegen unsere Vorstellungen meilenweit auseinander“, sagte Streikleiter Koppel. Dies bestätigte Volker Tuchan, der Geschäftsführer des Omnibus-Verbandes. Derzeit liegt der Stundenlohn für Busfahrer bei zwölf Euro. Verdi verlangt eine stufenweise Erhöhung auf 13,50 Euro bei einer Laufzeit des Tarifvertrags bis Juni 2018. Die Arbeitgeber bieten eine Erhöhung auf 12,65 Euro bis Ende 2018 an. Ferner geht es um die Pausenregelungen. Die Gewerkschaft fordert einen maximalen Pausenabzug von 30 Minuten am Tag. Für das Wenden oder für Standzeiten dürfe es keine Abzüge geben.

          „Wir bewegen unsere Busse nicht im Wunschland“

          Die Forderungen von Verdi laufen nach Angaben des Omnibus-Verbandes auf eine Tariferhöhung um 25 Prozent hinaus. Doch es gebe für die Unternehmen nur begrenzte Spielräume, um ihr Fahrpersonal besser zu entlohnen: „Wir bewegen unsere Busse nicht im Wunschland, sondern auf dem Pflaster hessischer Straßen“, sagte Tuchan. Die Busunternehmen befänden sich in einem harten Wettbewerb im Linienverkehr.

          Tuchan wies darauf hin, dass in der Regel alle Unternehmen, die für städtische Verkehrsgesellschaften tätig seien, den Tarifvertrag des Landesverbands der Omnibusunternehmer einhalten müssten. Würden die Lohnforderungen von Verdi erfüllt, gingen die Kostensteigerungen über die etwa zwei Prozent hinaus, die die Gleitklauseln in den Verträgen mit den Verkehrsgesellschaften als jährliche Erhöhung vorsähen. Was darüber gehe, müssten die Busunternehmen ausgleichen, ohne dafür eine Refinanzierung zu erhalten. Das sei aber wegen des Preisdrucks nicht möglich.

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