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Feldmann im Kreuzverhör : Selbstgespräch eines Oberbürgermeisters

Der Oberbürgermeister befragt den Oberbürgermeister zu allem, was im Moment Brandgefahr für den Oberbürgermeister birgt. Bild: Maximilian von Lachner

Für ein Streitgespräch sind mindestens zwei Personen nötig, sollte man meinen. Falsch gedacht, wie ein Interview auf der Homepage der Stadt Frankfurt beweist. Darin befragt sich der Oberbürgermeister einfach selbst.

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          Der Interviewer ist ein ziemlich harter Hund. Geht gleich bei der ersten Frage voll auf die Zwölf. „Warum treten Sie nicht einfach zurück?“ Doch der Oberbürgermeister bleibt cool bis in die Haarspitzen. „Für mich wäre das Flucht aus der Verantwortung“, lässt Peter Feldmann den frechen Fragesteller wissen. Die Frankfurter hätten ihn gewählt, damit er die wichtigen sozialen Themen voranbringe. „Dem fühle ich mich verpflichtet.“ Zum Glück gibt es sie noch, diese pflichtbewussten Politiker. Und ganz schön schlagfertig ist er auch, der Feldmann. Wer es nicht glaubt, kann es auf der städtischen Homepage nachlesen. Die Mitarbeiter der Stadt haben das Interview sogar direkt in ihr E-Mail-Postfach geschickt bekommen. Das Gespräch ist auch unter formalen Gesichtspunkten spannend: Feldmann beantwortet die Fragen nicht nur, er stellt sie auch selbst, zumindest ist kein anderer Gesprächspartner zu erkennen.

          Matthias Trautsch
          Koordination Reportage Rhein-Main.

          So ergibt sich munterer Schlagabtausch. „Aber Ihre ehemalige Frau hätte doch diesen Job bei der Arbeiterwohlfahrt ohne Sie nie ergattert, oder?“, will Interviewer Feldmann wissen. Darauf der Oberbürgermeister Feldmann: „Da unterschätzen Sie meine ehemalige Frau. Sie brachte alles mit, was man für die Leitung einer deutsch-türkischen Kita braucht: eine Ausbildung, ein einschlägiges Studium, gute Kontakte in die türkische Community – und, ganz wichtig, Ehrgeiz und Engagement.“

          Entspanntheit verblüfft

          Der Fragesteller bleibt dran, hakt nach. Stimmt es, dass die Arbeiterwohlfahrt Spenden für Feldmanns Wahlkampf sammelte und dafür belohnt wurde? „Da ist nichts dran“, stellt der Oberbürgermeister klar. „Etwas Derartiges wäre auch nicht mein Stil. Aber endgültig klären lassen wird sich dieser Vorwurf erst im anberaumten Gerichtsverfahren, dem ich nicht nur deshalb gelassen entgegensehe.“

          So viel Entspanntheit verblüfft den Gesprächspartner. „Machen Sie es sich da nicht ein wenig einfach?“, will er wissen. „Nein“, entgegnet Feldmann. „Ich sehe das Verfahren tatsächlich als eine Chance.“ Der Interviewer hat jedoch gut recherchiert, spricht die Vergangenheit an: „Stimmt es, dass Sie selbst einmal für die AWO gearbeitet haben?“ Feldmann scheint die in Enge gedrängt, muss eingestehen: „Das ist richtig.“

          Aber das habe eben seiner beruflichen Laufbahn entsprochen – und so sei die Sozialpolitik auch sein politischer Schwerpunkt geworden. Also eigentlich ein Glücksfall für Frankfurt. Ach ja – und wie war das mit dem geklauten Europapokal? Nun, die Sache tue ihm leid, sagt Feldmann. Aber er habe den Pokal ja gleich zurückgegeben. Und der Spruch über Flugbegleiterinnen sei ihm eben so aus dem Mund gekommen. Dabei wisse er, der seit 30 Jahren von der Frauenbewegung geprägt sei, eigentlich, dass so etwas nicht witzig sei. „Kurzum: Ich habe verstanden, das geht so nicht.“

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