https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/frankfurt/existenz-des-dialog-museum-steht-auf-der-kippe-15102180.html

Blindenmuseum in Frankfurt : Tappen im Dunkeln

  • -Aktualisiert am

Teures Pflaster: Die Mieten in der Hanauer Landstraße steigen stetig- darunter leidet auch das Dialog-Museum. Bild: Klenner, Maria

Die Existenz des Dialog-Museum steht auf der Kippe. Seit die Stadt freien Eintritt in ihre Häuser gewährt, verliert das private Museum an Besuchern. Und auch die steigenden Mieten sind ein großes Problem.

          2 Min.

          Der blinde Passagier sucht auch in diesem Sommer im Dialog-Museum wieder ein fernes Land. Wer sich von einem sehbehinderten Guide durch den Dunkel-Parcours des Blindenmuseums an der Hanauer Landstraße führen lässt, hört fremdartige Musik und Stimmen, lässt sich im Schneidersitz nieder zu einer Teezeremonie und betastet Hölzer und Früchte dieses Landes. Einer der blinden Passagiere wird am Ende eine Reise in das gesuchte Land gewinnen.

          Klara Kletzka, die Chefin des Museums, sucht ebenfalls. Aber kein fernes Land, sondern eine nahe Immobilie. 1000 bis 1500 Quadratmeter soll sie umfassen, gut an öffentliche Verkehrsmittel angebunden sein und in einem „angesagten Quartier“ liegen, das in der Entwicklung ist und einen Publikumsmagneten im sozialen Umfeld zu schätzen weiß. Vor allem aber soll die Miete bezahlbar sein. Mehr als zehn Euro pro Quadratmeter wird das Dialog-Museum, das in diese Immobilie einziehen soll, nicht aufbringen können.

          Steigende Mieten und Besucherrückgang

          All diese Anforderungen hat das Haus Hanauer Landstraße 145 erfüllt, als damals vor zwölf Jahren das Dialog-Museum dort einzog. Die Größe hat sich nicht geändert, auch nicht die gute Verkehrsanbindung. Nur die Mieten sind während dieser Zeit in die Höhe geschnellt und ziehen immer weiter an, seit der Frankfurter Osten nicht zuletzt durch die Europäische Zentralbank zum Boom-Viertel geworden ist. Geschäftsführerin Kletzka muss immer mehr erkennen, dass ihr Sozialprojekt, das die Besucher in die Welt der Blinden einführt, ökonomisch hier kaum mehr mithalten kann.

          Zu den steigenden Mieten kommt ein Besucherrückgang. Mit 30 000 Gästen im ersten Halbjahr hat Kletzka kalkuliert, gekommen sind aber nur 25 000. Der Besucherschwund, so ihre Einschätzung, hängt mit dem freien Eintritt für Jugendliche in die städtischen Museen zusammen, den die Römerkoalition eingeführt hat. Das Dialog-Museum kann sich keinen freien Eintritt leisten, denn es bekommt nur eine minimale städtische Unterstützung und finanziert sich hauptsächlich über die Eintrittsgelder.

          Beliebtes bei Kindern und Jugendlichen 

          Zwei Drittel der etwa 60 000 Besucher im Jahr sind Kinder und Jugendliche. Sie zahlen acht beziehungsweise elf Euro Eintritt. Oft kommen sie mit ihrer Schulklasse. Jetzt überlegt sich der Lehrer häufig, ob er nicht ins Archäologische oder Historische Museum geht, wo man umsonst eintreten darf. Kletzka hat mit Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) und Vertretern der Regierungskoalition über ihr Problem gesprochen. Eine Lösung ist aber noch nicht in Sicht.

          Kletzka, die vor kurzem 60 Jahre alt geworden ist, würde einen Neustart an einem anderen Standort wagen. Das größte Problem ist die Immobilie. Die Suche nach einem geeigneten Objekt auf dem freien Markt hat sie mittlerweile aufgegeben, dort ist das Preisniveau so hoch, dass ihr Sozialbetrieb nicht mithalten kann. Nun hofft sie auf eine Stiftung und auf die Kommune. Der Schwesterbetrieb in Hamburg hat ein Haus von einer städtischen Gesellschaft gemietet, er zahlt eine Miete von etwas mehr als sieben Euro je Quadratmeter – auf ein ähnliches Angebot hofft Kletzka in Frankfurt oder anderswo in der Region.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalnyj sitzt seit 2021 nach einem Schauprozess im Gefängnis. Das Bild zeigt ihn während eines Gerichtstermins, zu dem er per Videolink aus einer Strafkolonie zugeschaltet war.

          Krieg in der Ukraine : Wie Putin besiegt werden kann

          Nur der Übergang zur parlamentarischen Demokratie kann verhindern, dass das Russland nach Putin ein putinistisches Russland wird. Ein Gastbeitrag von Alexej Nawalnyj.
          Ein ukrainischer Soldat schaut im April 2022 aus einem Panzer an der Frontlinie nahe Lyman.

          Ukraine-Liveblog : Vorstoß ukrainischer Truppen auf Lyman

          Russland feiert Annexion der vier besetzten ukrainischen Gebiete +++ Finnische Grenze für russische Touristen dicht +++ Selenskyj fordert Russen zum Kampf auf: „Stoppt Putin“ +++ alle Entwicklungen im Liveblog.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.