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Autonomes Fahren : Die Kameras sehen das Gras wachsen

Ohne Fahrer, aber mit Aufpasser: Neuerdings sind auf dem Frankfurter Mainkai zwei autonome Easy-Shuttle unterwegs. Bild: Marina Pepaj

Auf dem Mainkai wird die Zukunft des autonomen Fahrens getestet. Zwei Shuttle fahren nun mit Fahrgästen die Straße hoch und runter. Doch manchmal stören das Fahrzeug ungewöhnliche Hindernisse.

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          Der Easy-Shuttle, das erste autonome Fahrzeug in Frankfurt auf einer regulären Strecke, ist hochsensibel. Vielleicht sogar ein bisschen zu sensibel. Seine Sensoren registrieren potentielle Hindernisse wie Fußgänger oder Radfahrer schon in 40 Meter Entfernung, das Fahrzeug reduziert sofort seine Geschwindigkeit. Radler und Passanten gibt es auf dem für Autos gesperrten Mainkai aber mehr als genug. Dauernd muss das Fahrzeug abbremsen oder gar stoppen. Von allein, ohne dass ein Fahrer auf die Bremse tritt. Theoretisch käme der Easy-Shuttle ohne Klaus Düwel zurecht. Doch das Regierungspräsidium in Darmstadt hat darauf bestanden, dass immer ein Aufpasser mitfährt, der im Notfall eingreifen kann.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Noch ist das autonome Fahren nicht ausgereift. Der Shuttlebetrieb auf dem Mainkai ist nur ein Test, angelegt auf ein knappes Jahr. Allerdings gleich der härteste Test, den man sich ausdenken kann. Denn am Mainufer ist trotz der Sperrung für Autos jede Menge los. Vor allem am Eisernen Steg queren viele Tausende Passanten am Tag die Straße. Bestehen die beiden Fahrzeuge hier den Praxistest, würden sie auch anderswo funktionieren, sagt Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD).

          Zum Beispiel auf dem Messegelände, wo es mit den Testfahrten im November 2020 weitergehen wird. Drei Jahre lang wolle man vier autonom fahrende Fahrzeuge, die eine Tochtergesellschaft des RMV für 150.000 Euro je Fahrzeug gekauft hat, an verschiedenen Einsatzorten testen, kündigte RMV-Chef Knut Ringat an. Er hat zusammen mit den drei Partnern Oesterling, dem VGF-Chef Michael Rüffer und dem Traffiq-Geschäftsführer Tom Reinhold gestern die erste Fahrt absolviert.

          Fast schon ein Hindernis

          Im Thema autonomes Fahren stecke viel Musik, glaubt Ringat. Die selbststeuernden Fahrzeuge würden zwar nicht die S-Bahn, die U-Bahn oder den Bus ersetzen. Doch im öffentlichen Nahverkehr seien solche Selbstfahrer durchaus interessant, zum Beispiel in den Randstunden, in denen wenige Passagiere den Nahverkehr nutzten und ein Bus sich nicht lohne. Oder auf dem Land, wo es wenig Fahrgäste gibt. Der große Vorteil des autonomen Fahrens sei, so Traffiq-Chef Reinhold, dass keine Personalkosten anfallen. Ob so ein Fahrzeug im Verkehr ohne Fahrer tatsächlich sicher funktioniert, muss sich aber erst noch erweisen – in solchen Praxistests.

          Die Organisatoren des gut eine halbe Million Euro teuren Verkehrsversuchs auf dem Mainkai müssen sich an strenge Auflagen halten. In den Shuttles muss immer ein Operator mitfahren, die Fahrzeuge dürfen nicht schneller als 15 Kilometer pro Stunde sein, und ihre Sensoren sind so empfindlich eingestellt, dass ihre Feinfühligkeit fast schon zum Hindernis wird.

          Schon das Wachsen des Grases in der Grünanlage neben dem Mainkai kann zum Problem werden. Denn alle festen Hindernisse auf der Strecke wie Beleuchtungsmasten oder Bordsteine sind in das Steuerprogramm fest einprogrammiert. Wenn nun die Sensoren und Kameras feststellen, dass die Grashalme hinter dem Bordstein fünf Zentimeter gewachsen sind, kann das den Steuerungsrechner irritieren. Tatsächlich bleibt das Fahrzeug beim Wenden vor der Alten Brücke deswegen stehen. Operator Düwel muss per Hand eingreifen.

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