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Ärger mit dem RMV : Wie häufig kann man Stellwerkstörungen haben?

Verkehrschaos an der Konstabler Wache Bild: Wolfgang Eilmes

Ein Jahr lang war unsere Autorin auf den RMV angewiesen. Nun zieht sie zurück nach Berlin und kann sich gar nicht genug freuen, der Frankfurter S-Bahn zu entkommen. Eine Wutrede.

          4 Min.

          Als ich vor einem guten Jahr von Berlin nach Offenbach gezogen bin, habe ich mich gefreut. Der Weg zur Arbeit wird kürzer, dachte ich. Frankfurt ist ja viel kleiner. Und vor allem bin ich nicht mehr auf die Berliner S-Bahn angewiesen. Als ich 2009 nach Berlin kam, wurde kurz darauf etwa die Hälfte der Waggons aus dem Verkehr gezogen. Potentielle Lebensgefahr, die S-Bahn hatte die Wartung versäumt. Anschließend habe ich vier Jahre lang an der Ringbahn gewohnt, die im Winter so zuverlässig ist wie Paketzustellungen am Tag vor Weihnachten. Bei Schneefall bin ich gleich in die Tram gestiegen. Das hat zwar länger gedauert, aber wenigstens bin ich irgendwann angekommen. Ich bin also einiges gewohnt.

          Tatjana Heid
          Stellvertretende verantwortliche Redakteurin für Nachrichten und Politik Online.

          Und doch: Gegen den Frankfurter ÖPNV war das alles nichts.

          Vergangene Woche, der übliche Wahnsinn. Ich habe mir angewöhnt, immer eine S-Bahn früher zu nehmen, um wenigstens gelegentlich pünktlich auf der Arbeit zu sein. Zu Hause sagte mir die App, meine S-Bahn habe eine Minute Verspätung. In RMV-Maßstäben ist das überpünktlich. Ich ging also los. Kurz vor dem Bahngleis noch ein Blick auf die App: Eine Minute Verspätung. Am Gleis allerdings stand eine ganz andere S-Bahn! Und wartete. Ich wartete mit ihr. Eingezwängt stand ich fünf Minuten, zehn Minuten. Ein Langstreckenflug in der Economy Class ist auch nicht unkomfortabler. Der Mann neben mir wartete schon zehn Minuten länger. Er sagte, es habe die Info gegeben, dass offenbar Personen auf den Gleisen seien. Seitdem nichts. Irgendwann setzte sich die S-Bahn in Bewegung. Die Menge war erleichtert, was vor der Haltestelle Mühlberg abrupt enden sollte.

          Kurz vor Einfahrt in den Bahnhof kam die Durchsage, dass wir nun alle aussteigen müssten. Die S-Bahn drehe wegen der Verspätung um. Es tue ihm wirklich leid, ließ der Lokführer noch wissen. Da standen wir nun. Keine Durchsage, welcher Zug als nächstes Richtung Frankfurt Hauptbahnhof fahre. Die Frankfurt-Kenner (und ich mit ihnen) stürmten zur Tram. Die war dann natürlich nicht nur heillos überfüllt, sondern ebenfalls verspätet. An diesem Morgen kam ich 40 Minuten zu spät, mein Kollege 35 Minuten und der Kollege, der von Hattersheim anreist, eine Stunde. Wir waren nicht die einzigen.

          Warten in der Nacht

          Zwei Wochen zuvor stand ich an der Haltestelle Offenbach-Ledermuseum. Mitten in der Nacht. Die S2, die laut Bahnsteig-Anzeige, „in Kürze“ kommen sollte, kam nicht. Die S-Bahn, die laut Anzeige in 12 Minuten kommen sollte, fiel urplötzlich aus. Das Infotelefon war kaputt und beschallte die Wartenden (also mich, ein sich streitendes Pärchen und eine laut singende und tanzende Frau) mit einem langgezogenen Tuten. Die App war völlig fehlinformiert, eine Lautsprecher-Durchsage gab es nicht. Ich bin dann  irgendwann losgelaufen. Als ich ging, hieß es noch immer, die S2 komme „in Kürze“.

          Neulich habe ich im verspäteten und überfüllten ICE einen Mann aus München getroffen. Über ein Bier der Verzweiflung kamen wir ins Gespräch. Sein Sohn wohnt in Frankfurt und arbeitet in Bad Homburg. Der Mann fragte mich, ob es eine Haltestelle namens „Rödelheim“ gebe. Er fragte das, als handele es sich um das Bermudadreieck. Sein Sohn strande dort häufig, weil die S-Bahn plötzlich nicht mehr weiterfahre. Bei ihren Telefonaten sei das oft Thema. Das müssen Sie sich mal überlegen! Der Tag hatte für mich am Morgen übrigens – raten Sie! – mit einer Verspätung der S-Bahn bekommen. Um Viertel! Nach! Fünf!

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