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Obdachlose in Frankfurt : „Da schlafe ich lieber draußen“

Straßenleben: Auch dieser Mann sucht keine Notunterkunft auf, er schläft nachts an der Kaiserstraße. (Symbolbild) Bild: Frank Röth

Die Eiseskälte ist lebensgefährlich für Menschen, die auf Frankfurts Straßen leben. An manchen Orten finden sie einen Schlafplatz oder eine warme Suppe – doch nicht jeder mag die Unterstützung annehmen.

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          Um 21 Uhr liegt die Temperatur sieben Grad unter Null, und es wird noch kälter in dieser Nacht. Das Mainufer, wo sonst auch im Winter um diese Zeit noch viele Jogger unterwegs sind, ist menschenleer. Der Wind bläst aus Osten, er rüttelt an den Fahnen vor dem Westtower und lässt die Masten klappern, am wolkenlosen Himmel beleuchtet fahles Mondlicht die Kondensstreifen. Die Finger sind trotz Handschuhen nach einiger Zeit kalt, der Wind findet auch durch dicken Stoff einen Weg. Setzt er eine Weile aus, fühlt es sich wie eine warme Brise an.

          Martin Ochmann
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Sportler findet man an diesem Abend nur im Hotel Intercontinental, wo warmes Licht hinter dicken Scheiben auf Menschen fällt, die auf Laufbändern trainieren. In Sichtweite, am Untermainkai, liegt ein Mann, zugedeckt mit einem Schlafsack. Er kauert auf einer Isomatte, sein Kopfkissen ist eine zusammengerollte weiße Decke, unter der eine blaue Ikeatüte liegt. Der Mann ist Rumäne, schwarzer Vollbart, dunkle Ringe unter den Augen. Die Hand, die er zum Betteln aus dem Schlafsack reckt, ist dunkelrot. „Mangiare“, sagt der Mann. Mit dem Euro, der ihm zugesteckt wird, ist er offensichtlich nicht zufrieden, auf Käsebrot hat er auch keine Lust, er will warmes Essen. In eine Unterkunft, zum Beispiel das Diakoniezentrum Weser 5, das nicht weit entfernt liegt, will er nicht. „Ah, Diakonie nix gut“, sagt der Mann. Der Grund für seine Unzufriedenheit wird nicht klar.

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