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Einkaufen in Frankfurt : My Zeil mit Mietkino und Eventbühne

Auf der Baustelle: In den oberen Etagen des My Zeil sieht es zurzeit wüst aus. Bild: Mai, Jana

Nur einkaufen im Einkaufszentrum – das war einmal. Knapp zehn Jahre nach seiner Eröffnung erfindet sich das My Zeil neu. Das soll die Shoppingmall im neuen Gewand bieten.

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          Die Express-Rolltreppe ist in Plastikfolie eingepackt, dichtgestellte Eisenpfähle behindern die freie Sicht nach oben. Für Besucher des Frankfurter Einkaufszentrums My Zeil ist auch im Erdgeschoss nicht zu übersehen: Hier wird gebaut. Zurzeit vor allem in den oberen Etagen vier bis sieben. Vorzubereiten sind die Flächen für Kinosäle und Gastronomieflächen, ebenso der Einbau zusätzlicher Rolltreppen zwischen der zweiten und vierten Etage und das Einziehen von Decken in drei bisherige Öffnungen im Treppenhaus. Und das bei laufendem Betrieb – eine „logistische Meisterleistung“, sagt Marcus Schwartz.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Was das bedeutet, macht der Center-Manager beim Blick hinter den Bauzaun deutlich: Dort sieht es wüst aus, wie in einem Rohbau. Mehr als 70 Millionen Euro wird allein der Hamburger Shoppingcenter-Betreiber ECE investieren – in die neue Aufteilung, in neue Fußböden, Möbel, Scheiben-Isolierung und Toilettenanlagen mit Gimmicks wie Urinale, hinter denen ein digitales Feuer flackert. Zählt man die Investitionen der Mieter in die Modernisierung ihrer Ladenflächen hinzu und den Einbau der Kinosäle, sind es an die 100 Millionen Euro.

          Mischung aus Einkaufen und Unterhaltung

          Schon bei früherer Gelegenheit hat der Center-Manager des Betreibers und Miteigentümers ECE erläutert, wohin die Reise in My Zeil geht: eine Mischung aus Einkaufen und Unterhaltung. Shoptainment nennt er das. Dazu tragen fortan die Kinosäle nach dem Premium-Konzept Astor Film Lounge des Hamburger Kino-Unternehmers Hans-Joachim Flebbe bei, das viele aus der früheren Zeilgalerie kennen. Flebbe wird neben einem großen Kinosaal mit 220 Plätzen, die von Kellnern bedient werden, unter anderem zwei kleinere Kinosäle einrichten, die Privatpersonen wie Firmen für eigene Veranstaltungen und Vorführungen buchen können.

          Muss die Nerven behalten: Center-Manager Marcus Schwartz
          Muss die Nerven behalten: Center-Manager Marcus Schwartz : Bild: Mai, Jana

          Zum Angebot gehört ferner eine Fläche mit 15 Gastrokonzepten und einer zentralen Bühne für Veranstaltungen wie Lesungen. Auch Bistros, Restaurants und Bars sollen die Bühne im Wechsel bespielen. Bereits unter Vertrag sind Ketten wie Dean & David, Coa, Alex, Heidi und Peter, Chipotle Grill und die Sander-Gruppe, ein Caterer für Hotellerie und Gastronomie. Aus Hamburg kommt Sterne-Koch Karlheinz-Hauser mit seinem neuen Konzept für Poké Bowls. Die Reisgerichte mit rohem Fisch und Gemüse sind gerade en vogue. Trinken und essen können Besucher zudem in einem Wintergarten und auf Terrassen mit Ausblick in verschiedene Himmelsrichtungen.

          „Wir müssen uns neu erfinden“

          In den Etagen unter der sogenannten Foodarena sollen Kunden weiterhin einkaufen, selbst wenn die Tage des reinen Produktverkaufs nach Einschätzung des Center-Managers gezählt sind. „Wir müssen uns neu erfinden“, sagt Schwarz. Mit einem Anteil von 30 bis 35 Prozent seien Textilgeschäfte nach wie vor Hauptmieter, gleichwohl würden andere Themen stärker, etwa die reine Präsentation von Waren und Marken in Schauräumen. „Wir werden in Zukunft mehr Automarken in Einkaufszentren sehen“, sagt Schwartz. Für sein Haus plant er zusammen mit der Frankfurter Wirtschaftsförderung zudem die Einrichtung von Kurzzeit-Büros für gemeinschaftliches Arbeiten, besser bekannt als Coworking.

          Für die ECE geht es bei allem freilich auch darum, mehr Kunden als bisher in die oberen Etagen zu holen, wo Mieter in der Regel deutlich schlechtere Geschäfte machen als im Erdgeschoss. Aus diesem Grund wurden die Rolltreppen im Foyer bereits versetzt – mit dem erhofften Effekt. Die Frequenz in den oberen Etagen habe sich verdoppelt, sagt Schwartz.

          Einkaufszentrum auf halber Flamme

          Parallel zum Umbau läuft der Relaunch der Ladenflächen, weshalb des Einkaufszentrum zurzeit nur auf halber Flamme fährt. Saturn etwa wird fortan nur noch auf einer Etage zu finden sein, bleibt aber gleich groß, da ein Loch in der Decke geschlossen und Fläche gewonnen wird. Größer wird der Rewe-Markt im Keller. Wie berichtet, wird das amerikanische Modelabel Abercrombie & Fitch im November eine 700 Quadratmeter große Filiale auf der Fläche von Comma und Promod eröffnen.

          Für die insolvente Marke Bench muss der Center-Manager noch einen Nachmieter suchen. Dagegen hat die Bekleidungsmarke Gant verlängert. Fest steht auch, dass Anson’s, der Ankermieter für Männermode, bleibt, und zwar so groß wie bisher. „Das ist wichtig für uns. Anson’s bringt die Kunden, die wir haben wollen“, sagt Schwartz und bekräftigt den bereits früher angekündigten Wechsel von einem ganz jungen Publikum zu Leuten von 28 Jahren an aufwärts. Menschen, die schon im Arbeitsleben stehen und das nötige Geld verdienen für eine Kinokarte, die knapp 20 Euro kostet, oder einen Gin-Tonic mit Skyline-Blick für 18 Euro.

          Achteinhalb Monate müssen die Geschäftsleute durchhalten sowie Bauleiter und Center-Manager die Nerven behalten. Am 11. April 2019 soll die Eröffnung sein.

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