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Nicht genug Ladestationen : Frankfurt bei E-Mobilität schwach

Seltener Anblick: E-Ladesäulen wie diese gibt es in Frankfurt noch nicht viele. Bild: Helmut Fricke

Um Frankfurts Angebot für E-Fahrzeuge zu stärken und attraktiver zu machen, empfehlen Gutachter unter anderem freies Parken für Elektroautos. Die Anzahl der Ladepunkte soll außerdem versiebenfacht werden.

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          Vorreiter bei der Elektromobilität sollte Frankfurt werden, so hatten es die Stadtverordneten im Rathaus Römer 2009 beschlossen. Doch daraus ist nichts geworden. Zehn Jahre nach diesem Beschluss muss man Frankfurt eher als Nachhinker bei E-Autos und der Bereitstellung von Ladeinfrastruktur bezeichnen. Die Zahl der E-Fahrzeuge und deren Anteil am Gesamtbestand liegt in der Mainmetropole unterhalb des Niveaus vergleichbarer Großstädte. Und auch bei den Ladestationen kann Frankfurt mit anderen deutschen Großstädten nicht mithalten. So steht es jedenfalls in einer von der Frankfurter Unternehmensberatung Deutsches Dialog Institut und der Karlsruher Planungsgesellschaft Inovaplan erstellten Analyse.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die beiden Unternehmen haben im Auftrag der Stadt Frankfurt ein Konzept für die Entwicklung der Elektromobilität bis zum Jahr 2030 entwickelt. Absolute Priorität muss nach Ansicht der Gutachter der Ausbau der Ladeinfrastruktur und hier vor allem die Einrichtung weiterer Schnellladepunkte haben. Mit gerade einmal etwas mehr als 100 Normalladepunkten und etwa 20 Schnellladepunkten liege Frankfurt im Vergleich mit anderen Metropolen deutlich zurück, heißt es.

          Es sei unweigerlich zu erwarten, dass bald auch Privatleute ohne eigenen Stellplatz und damit ohne eigene Lademöglichkeit Elektroautos nutzen wollten. Die Gutachter empfehlen deshalb eine Strategie des „urbanen Schnellladens“, damit die Autofahrer an öffentlichen oder gewerblichen Stationen nicht viel mehr Zeit zum „Tanken“ benötigen als heute bei normalen Benzin- und Diesel-Tankstellen. Nur mit normalen Ladesäulen bis zu 22 Kilowatt könne der Bedarf nicht gedeckt werden, weil dort der Ladevorgang zu lange dauere.

          Lademöglichkeiten für E-Autos schaffen

          Laut dem Elektromobilitätskonzept werden nach dem wahrscheinlichsten Szenario bis 2030 deutlich mehr als 800 öffentliche Ladepunkte benötigt, also siebenmal so viele wie heute. 40 Prozent davon sollten nach dem Rat der Gutachter Schnellladepunkte sein. Darüber hinaus würden noch etwa 300 öffentlich zugängliche Ladepunkte an Freizeiteinrichtungen, im Handel und in sonstigen Gewerben benötigt. Doch wer soll diese umfangreiche Ladeinfrastruktur bauen? Nach Meinung der Gutachter steht die Stadt Frankfurt in der Verantwortung, den Ausbau zumindest zu koordinieren. Sie solle dabei unter anderem aktiv auf die Energieversorger zugehen, um die Einrichtung von Ladestationen zu beschleunigen.

          Diese Stationen sollen vor allem an den Hauptverkehrsachsen liegen. Die Gutachter denken unter anderem an eine sukzessive Umwandlung von Mineralöl-Tankstellen zu E-Tankstellen. Frühzeitig müssten Stadt und potentielle Betreiber von Ladestationen Flächen für E-Tankstellen sichern und außerdem die Voraussetzung für ein leistungsfähiges Stromnetz schaffen, aus dem die Tankstellen ihre Energie bezögen. Mitakteur müsse die städtische Parkhausgesellschaft werden, die ihre Parkhäuser mit Ladestationen versehen solle. Aber auch die städtische Wohnungsbaugesellschaft ABG stehe in der Pflicht, Lademöglichkeiten in ihren Siedlungen zu schaffen.

          Weiter als bei der Elektrifizierung des Automobilverkehrs ist Frankfurt zurzeit bei der Elektrifizierung des öffentlichen Nahverkehrs. Alle U-Bahnen und Straßenbahnen werden elektrisch betrieben. Auch beim Busverkehr ist die Mainmetropole weiter als andere Städte in Hessen, seit einem Jahr wird hier die Buslinie 75 mit E-Bussen bedient. Die städtische Nahverkehrsgesellschaft Traffiq plant, bis 2030 die Frankfurter Busflotte zur Hälfte mit E-Bussen und zur anderen Hälfte mit Wasserstoff-Bussen auszurüsten.

          Beide Technologien, der Antrieb mit Wasserstoff und der Batterie-Antrieb, sollten in den nächsten Jahren gleichwertig beobachtet werden und die Stadt solle in beide Antriebsarten investieren, raten die Gutachter. Die Investition in einen neuen Bus-Betriebshof, dessen Standort Frankfurts Verkehrsdezernent demnächst bekanntgeben will, stellt laut Dialog Institut und Inovaplan eine große Chance dar, um eine zukunftsfähige Infrastruktur für einen vollelektrischen Betrieb der Stadtbusse zu schaffen.

          Vorrechte für Elektrofahrzeuge

          Die Infrastruktur für die elektrischen Stadtbusse, ob sie nun durch Wasserstoff oder über eine Batterie angetrieben werden, soll nach Meinung der Gutachter zudem Synergien mit anderen kommunalen Betrieben, vor allen mit den Entsorgungsbetrieben, ermöglichen. Man müsse hier koordiniert planen, um Investitionskosten zu sparen.

          Die Gutachter empfehlen der Stadt, Fahrern von E-Autos Vorrechte einzuräumen. Sie sollen im gesamten Stadtgebiet inklusive der Park-and-ride-Plätze vier bis sechs Jahre lang von Parkgebühren befreit werden. Zudem sollen an Park-and-ride-Anlagen Stellplätze für E-Wagen reserviert werden, und zwar an Stellen, die besonders attraktiv seien und nahe bei Übergängen zu Bahnen und Bussen lägen. Dafür sollen nach Ansicht der Gutachter E-Kennzeichen eingeführt werden. Die Stadt solle die Fahrzeugzulassungsstelle anweisen, Haltern von E-Fahrzeugen bei einer Neuanmeldung oder Ummeldung zu einem E-Kennzeichen zu raten. Das Nutzen besagter E-Parkplätze mit einem normalen Auto solle konsequent sanktioniert werden, an öffentlichen Ladestellen abgestellte Diesel- oder Benzinautos abgeschleppt werden.

          Lieferverkehr eletrifizieren

          Auch beim Lieferverkehr, vor allem in der Innenstadt, wollen die Gutachter der Elektromobilität Vorrang gewähren. So empfehlen sie der Stadt, Lieferdienste mit E-Lastenrädern in der Innenstadt zu bevorzugen und gegebenenfalls Verleihsysteme zu initiieren. Allerdings trage die Umstellung der Antriebsform auf Strom allein nicht zur Lösung des Platzmangels in der Innenstadt bei. Alle Maßnahmen zur Elektrifizierung der Kurier-, Express- und Paketdienste müssten im Rahmen einen Logistik-Konzepts für die City ergriffen werden.

          Über das Konzept „Elektromobilität 2030“ wird das Frankfurter Stadtparlament demnächst entscheiden.

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