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Zum Tarifstreit in Hessen : Busfahrer verdienen zu wenig

Ausstand: Auch an diesem Donnerstag setzen Busfahrer in Hessen ihren Streik fort, Verdi weitet ihn sogar aus Bild: dpa

Die Lösung im Tarifstreit im Busgewerbe kann nur darin liegen, dass die öffentlichen Auftraggeber mehr Geld bereitstellen. Am Ende müssen die privaten Firmen von den Entgelten leben können und die Busfahrer auskömmliche Löhne erhalten.

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          In vielen Kommunen Hessens ruht wegen des Streiks der Busfahrer der öffentliche Nahverkehr. Das kann noch einige Tage so weitergehen. Denn der Ausstand ist nach Angaben der Gewerkschaft unbefristet, und ein Ausweg aus der verfahrenen Situation scheint im Augenblick weit entfernt zu sein.

          Verfahren ist die Lage deshalb, weil beide Seiten, Busfahrer und Busunternehmer, recht haben. Die Fahrer weisen darauf hin, dass sie am Monatsende auf einen Verdienst kommen, der vor allem im Ballungsraum kaum zum Leben reicht. Bei einem Stundenlohn von 13,50 Euro erhalten sie etwa 2400 Euro brutto. Viele fahren einen Tag zusätzlich in der Woche, damit sie finanziell über die Runden kommen.

          Messlatte im Südwesten

          Eine Anhebung des Lohnes auf 16,60 Euro in vier Schritten bis 2022 scheint deshalb durchaus angemessen, zumal in anderen Bundesländern in der Regel besser bezahlt wird als in Hessen. In Baden-Württemberg ist es jetzt sogar so viel, wie die hiesigen Busfahrer für sich erst in zwei Jahren verlangen.

          Zu bedenken ist auch, dass Busfahrer vor immer schwierigere Aufgaben gestellt werden, man denke nur an die überfüllten Straßen nicht mehr nur in der Hauptverkehrszeit und an die gestiegene Aggressivität des Publikums.

          Wer einen Bus lenkt, trägt zudem eine hohe Verantwortung zum Beispiel für Leib und Leben von Kindern, wenn sie zur Schule fahren. Wenn Verkäuferinnen im Supermarkt jetzt oft mehr verdienen als Busfahrer, ist das nicht nachvollziehbar.

          Langlaufende Verträge abgeschlossen

          Die Krux liegt darin, dass viele Busunternehmen die von der Gewerkschaft geforderte Lohnsteigerungen nicht verkraften können. Denn sie fahren im Auftrag des RMV oder von Kommunen und Kreisen und haben mit diesen langlaufende Verträge abgeschlossen. Eine Erhöhung der Löhne ist in einer Preisgleitklausel zwar vorgesehen, aber die von Verdi angestrebte Marke von 16,60 Euro wird durch sie bei weitem nicht erreicht.

          Die Lösung kann nur darin liegen, dass die öffentlichen Auftraggeber mehr Geld für den Busverkehr bereitstellen. Am Ende müssen die privaten Busunternehmen von den Entgelten leben können und die Busfahrer müssen auskömmliche Löhne erhalten. Im Übrigen ist eine Verkehrswende, wie sie jetzt allenthalben angestrebt wird, nicht möglich, wenn Busfahrer weiter zu Dumpinglöhnen arbeiten müssen. Schon jetzt fehlen überall Leute, die sich ans Steuer setzen wollen. In einer Marktwirtschaft steigen dann normalerweise die Löhne.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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