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Holocaust-Zeitzeugen : Fragen Sie mich!

Gibt Antworten: Anita Lasker-Wallfisch im Studio in London während des Interviews. Bild: obs

Wer legt Zeugnis ab vom Holocaust, wenn es keine Zeitzeugen mehr gibt? Anita Lasker-Wallfisch wird Schülern auch nach ihrem Tod Fragen beantworten. Im November wird das interaktive Projekt in Frankfurt getestet.

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          „Wie heißen Sie?“ Auf der Leinwand gibt eine 94 Jahre alte Frau, die einst Cellistin im Mädchenorchester von Auschwitz war, eine prompte Antwort. „Ich heiße Anita Lasker-Wallfisch.“ Ob sie etwas über ihre Eltern sagen könne, lautet die nächste Frage des Journalisten. Ihre Mutter sei eine Schönheit gewesen, ihr Vater sehr klug, erzählt Lasker-Wallfisch: „Sie waren die jüdische Bildungsgeneration.“ Ob sie schon vor dem Krieg in ihrer Heimatstadt Breslau Antisemitismus erlebt habe, will der Fragesteller erfahren. „Ja, in der kleinen Privatschule“, lässt Lasker-Wallfisch wissen. „Gib’ dem Juden nicht den Schwamm’, hat dort jemand gerufen. Ich war sieben oder acht Jahre alt.“

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die deutsch-britische Holocaust-Überlebende ist seit vielen Jahre als Zeitzeugin in Schulen unterwegs. Am 10. November wird Anita Lasker-Wallfisch während der Gedenkstunde der Jüdischen Gemeinde zur Pogromnacht von 1938 in der Westend-Synagoge sprechen. Sie könnte auch die Antwort auf ein scheinbar unlösbares Dilemma der Shoa-Erinnerung sein, auf die Tatsache nämlich, dass die Zeitzeugen nach und nach sterben. Denn die Cellistin und bislang 21 weitere Holocaust-Überlebenden werden dank des Projekts „Dimension in Testimony“ der amerikanischen Shoa Foundation auch dann noch Fragen von Schülern, Studenten und anderen Interessierten beantworten, wenn sie schon lange tot sind.

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