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Brände in Sibirien : Wer Feuer sät

Verzweifelter Kampf: Ein Feuerwehrmann versucht, die Brände in Nazyvayevsk zu löschen – in der Region Omsk wurde der Notstand ausgerufen. Bild: Reuters

In Sibirien haben schwere Brände Wohnhäuser, Kindergärten und Sägewerke zerstört. Greenpeace wirft den örtlichen Landwirten vor, für die Feuer mitverantwortlich zu sein.

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          Die Fahrt führt durch dichten Rauch, an der Straße sieht man die Reste brennender Häuser: Solche Bilder kamen am Wochenende aus der sibirischen Region Krasnojarsk. Dort haben Feuer am Wochenende mehrere Siedlungen vernichtet. Starker Wind führte laut dem russischen Katastrophenschutz dazu, dass sich die Brände rasch ausbreiten konnten. In mehreren Teilen der Region wurden demnach Wohnhäuser, Kindergärten, Sägewerke und medizinische Versorgungsstellen zerstört.

          Friedrich Schmidt
          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Die Behörden gaben an, 518 Wohnhäuser seien beschädigt worden, 309 sonstige Bauten und 61 Fahrzeuge. Die meisten Bewohner würden bei Verwandten untergebracht. Nach offiziellen Angaben kamen bis zum Sonntag allein in der Region Krasnojarsk sieben Menschen ums Leben, 17 weitere wurden demnach verletzt. Auch ein Sandsturm suchte die Region heim. Das stürmische Wetter wird auch damit in Verbindung gebracht, dass es überhaupt zu den Bränden kam: Der Wind habe Bäume entwurzelt, das Stromnetz sei teils ausgefallen, es habe Kurzschlüsse gegeben und so seien an mehreren Orten zugleich Brände ausgebrochen, hieß es aus offiziellen Quellen. Bewohner der Region berichteten über Atemprobleme. Der Bürgermeister von Krasnojarsk, Sergej Jeremin, forderte die Bewohner der Regionalhauptstadt auf, zu Hause zu bleiben.

          Krasnojarsk gilt aufgrund seiner metallverarbeitenden Industrie ohnedies als eine der am meisten verschmutzten russischen Städte. Nun berichtete die Initiative „Sauberer Himmel“ über eine besonders starke Luftverschmutzung. Präsident Wladimir Putin ordnete an, die Opfer und Hinterbliebenen der Brände zu entschädigen. Die Behörden versprachen daraufhin, den Wohnraum rasch wieder herzurichten und dafür Häuser in Standardbauweise zu verwenden – auf dass es schnell gehe.

          Die Frage nach den Ursachen bleibt im Hintergrund

          Berichtet wurde am Wochenende auch über Brände im benachbarten Irkutsker Gebiet. Und ein Meteorologe warnte davor, dass in weiteren sibirischen Regionen in den kommenden Tagen eine außerordentlich hohe Brandgefahr bestehe. Das liege am Wind und am trockenen Wetter, meldete die Staatsnachrichtenagentur Tass mager – wie überhaupt die Frage nach den Ursachen hinter den zahlenlastigen Berichten über eingesetzte Helfer, Hilfsbereitschaft der Behörden und zerstörte Häuser zurückstand.

          Detailreicher äußerte sich die Umweltschutzorganisation Greenpeace. Deren russische Sektion zählte in der Region Krasnojarsk, im Omsker und im Irkutsker Gebiet sowie in weiteren sibirischen Landesteilen insgesamt rund 800 Gebäude, die verbrannt seien. Bis kommenden Mittwoch sollten starke Winde in weiten Teilen Sibiriens anhalten, warnte Greenpeace und grenzte die Brände von den Waldbränden ab, die jedes Jahr Sibirien heimsuchen und aufgrund des Klimawandels immer heftiger wüten. Die meisten der Brände seien auf offenen Flächen ausgebrochen: in Steppen und auf landwirtschaftlich bewirtschafteten Gebieten.

          Es könnten hartnäckige Torfbrände entstehen

          Greenpeace sah zwar auch den starken Wind als Ursache für die Brände; dessen Geschwindigkeit habe mancherorts bei 25 Metern je Sekunde gelegen und nach manchen Berichten gar bei bis zu 40 Metern, Wirbelsturmgeschwindigkeit. Die Umweltschützer sahen aber auch die in den Dörfern gängige Kohlenheizung als feuerbegünstigenden Faktor. Greenpeace zweifelte jedoch vor allem die Kurzschluss-These als Brandursache an und hob hervor, die meisten Brände seien aufgrund der traditionellen Feuer zur Reinigung der Erde von trockenem Gras nach dem Winter entstanden sowie durch die Verbrennung von Hausmüll. Auch in der Forstwirtschaft werde Feuer eingesetzt.

          Der Staat bringe die Bürger mit einer Bestrafungspraxis dazu, Gras zu verbrennen, beklagte Greenpeace. Denn Eigentümer müssten hohe Bußgelder zählen, wenn auf ihrem landwirtschaftlich genutzten Gelände trockenes Gras herumliege, dort Wald nachwachse oder Unkraut wuchere. Das zwinge die Eigentümer dazu, die Gelände „auf die einfachste und billigste Weise zu reinigen – mit Feuer“. Greenpeace warnte davor, dass durch diese Praxis auch neue, hartnäckige Torfbrände entstehen könnten. Im Swerdlowsker Gebiet im Ural seien Behörden gerade damit befasst, solche Brände zu löschen. Wegen des Klimawandels häuften sich starke Wirbelstürme sowie Trockenheit und Hitzeperioden, schrieb Greenpeace am Sonntag. Die Organisation rief dazu auf, die Nutzung von Feuer in Russlands Land- und Forstwirtschaft ganz zu verbieten.

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